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10.12.2016 - 10:14
Foto: APA/BARBARA GINDL (Symbolbild)

824 Menschen gelten in Österreich als vermisst

06.03.2015, 14:09
824 Menschen gelten derzeit in Österreich als vermisst, davon 452 Erwachsene, 225 Jugendliche und 147 Kinder. Sie verschwinden oftmals spurlos. Das Kompetenzzentrum für abgängige Personen im Bundeskriminalamt ortet besonders bei verschwundenen Kindern und Jugendlichen einen Mangel an Präventionsarbeit – mit der sich viele Fälle wohl verhindern ließen.

Um die Präventions- und Fahndungsarbeit zu verbessern, erfasst ein neues Programm des Kompetenzzentrums erstmals genaue Daten über die Abgängigen. Es gibt nämlich in Österreich etwa Jugendliche, die Dutzende Male als vermisst gemeldet wurden. Den traurigen Rekord stellte ein Minderjähriger auf, der bereits 61- mal verschwunden war.

Aber das ist bei Weitem kein Einzelfall. Die meisten dieser Jugendlichen, die im "Abhauen" eine Lösung sehen, leben in Wohlfahrtseinrichtungen. Mit der richtigen Prävention wären solche Fälle verhinderbar, ist man im Bundeskriminalamt überzeugt. "Da stecken soziale Probleme dahinter", sagte Regine Wieselthaler- Buchmann, die Chefin der Abteilung für internationale Polizeikooperation im BK, am Freitag.

Präventionsarbeit "äußerst fruchtbringend"

In Linz und Bad Ischl etwa hat so eine Präventionsarbeit bereits stattgefunden. Speziell geschulte Beamte sind auf die Leitung zweier Heime zugegangen, setzten sich mit den Bewohnern zusammen und machten sie auf die Folgen des Weglaufens aufmerksam. Daraufhin sind die Abgängigkeitsanzeigen deutlich zurückgegangen. "Das war äußerst fruchtbringend", sagte Wieselthaler- Buchmann. Das Tool gibt nun erstmals konkrete Aussagen über Anzahl, Dauer, vermuteten Grund und Ort von abgängigen Menschen. Somit können Lagebilder erstellt werden.

In 44 Fällen von verschwundenen Minderjährigen und Unmündigen handelt es sich um Kindesentziehungen, eine Sonderform der Abgängigkeit. "Der älteste Fall stammt aus dem Jahr 2003", sagte der Leiter des Kompetenzzentrums, Stefan Mayer. Dabei kommt den Ermittlern die sogenannte Aging- Methodik zugute. Hier lässt man mittels Computer auf Fotos abgebildete vermisste Personen künstlich altern, um sie für die Fahndung leichter erkennbar zu machen, was vor allem bei Kindern Erfolg versprechen soll, so Mayer. In Großbritannien wurde so nach der seit Jahren verschwundenen Madeleine "Maddie" McCann gesucht. Die Methodik wurde in Österreich erstmals von den Zielfahndern des Bundeskriminalamts eingesetzt und nun vom Kompetenzzentrum übernommen. Ein Ermittler braucht etwa einen Tag, um ein Foto "altern" zu lassen.

Verschwundene können sofort abgängig gemeldet werden
Plötzlich verschwundene Menschen können übrigens sofort abgängig gemeldet werden. "Der Mythos mit den 48 Stunden stammt aus amerikanischen Fernsehkrimis", so Wieselthaler- Buchmann. Die Polizei leitet eine Fahndung ein, wenn die Person Opfer einer Gewalttat oder eines Unfalls geworden sein kann, wenn Suizidgefahr besteht oder wenn sie aufgrund einer psychischen Behinderung hilflos ist bzw. das Leben und die Gesundheit anderer gefährdet. Nach Minderjährigen wird in jedem Fall gefahndet.

Die Ermittler sind aber auch immer wieder mit Fällen konfrontiert, bei denen vor allem erwachsene Menschen bewusst verschwinden. "Es gibt Aussteiger", erzählte Wieselthaler- Buchmann. "Ich habe das Recht, mich zu vertschüssen." Diesen Menschen würde es im In- oder Ausland gut gehen. "Und wenn diese Personen das nicht wollen, dann dürfen wir den Angehörigen nichts sagen", erklärte die BK- Mitarbeiterin.

Die meisten Vermissten in Wien

Im Jahr 2014 wurden 7.705 Abgängigkeitsanzeigen erstattet. Während die meisten wieder widerrufen wurden, blieben im vergangenen Jahr 249 Vermisstenfälle ungeklärt. In 22 Fällen gehen die Ermittler von einem Gewaltverbrechen aus. Die meisten Vermissten gibt es in Wien (280), die wenigsten im Burgenland (11).

Vor allem in alpinen Gebieten ist die Zahl der Vermissten in den Bundesländern auf ähnlich hohem Niveau. Auch hier will man in Zukunft aufgrund der vielen Alpinunfälle mit Hilfsorganisationen wie der Bergrettung zusammenarbeiten. Auch in Gewässern wie großen Seen oder reißenden Flüssen verschwinden Menschen immer wieder und tauchen meist gar nicht mehr auf. Ein Ermittler aus Vorarlberg etwa geht davon aus, dass aus dem Dreiländereck rund 100 Menschen für immer im Bodensee verschwunden sind.

06.03.2015, 14:09
AG/red
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