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19.09.2017 - 16:40
Foto: Privat

Steyrer Internist: "Gesundheit ist großes Politikum"

28.02.2011, 01:00
Auch der niedergelassene Internist Herwig Geier aus Steyr wartet gespannt auf die Enthüllung der Spitalsreform. Im Interview sagt er, warum er nichts von LH Pühringers angekündigtem "großen Wurf" hält, das System an der Kostenwahrheit krankt und wie ein Solidaritätsbeitrag die Zweiklassenmedizin stoppen könnte.

"Krone": Die Experten brüten jetzt hinter verschlossenen Türen über der Spitalsreform. Was halten Sie als Arzt davon?
Herwig Geier: Das ist nicht der beste Weg. Aber es werden halt unattraktive Entscheidungen sein, die gefällt werden – da wird sicher ein Aufheulen stattfinden.

"Krone": LH Pühringer spricht von einem großen Wurf.
Geier: Ich kann mir nicht vorstellen, dass etwas, das nicht auf eine breite Basis gestellt wird, ein großer Wurf werden kann. Man müsste alle Betroffenen einbinden.

"Krone": Woran krankt das System?
Geier: Sobald der niedergelassene Bereich und der Spitalsbereich zwei verschiedene Köpfe sind, gibt es keine Kostenwahrheit.

"Krone": Was glauben Sie, wird die Reform bringen?
Geier: Es läuft darauf hinaus, dass man Rund- um- die- Uhr- und Wochenenddienst machen soll – ohne entsprechende Honorierung. Das Gesundheitswesen ist noch immer ein viel zu großes Politikum. Ich befürchte, dass wir durch die Reform noch mehr in eine Zweiklassenmedizin rutschen.

"Krone": Es steht ja auch im Raum, dass 25 Abteilungen zugesperrt werden sollen.
Geier: Wenn man sich die Bettenanzahl im internationalen Vergleich anschaut, ist das realistisch. Die Leute dürfen aber nicht darunter leiden. Wir haben ein hohes medizinisches Niveau, vielleicht muss es dem Einzelnen auch mehr wert sein.

"Krone": Nähern wir uns nicht genau so immer weiter einer Zweiklassenmedizin an?
Geier: Nein, ich kann mir eine Art Solidaritätsbeitrag vorstellen – einen gewissen Prozentsatz des Einkommens, den man für die medizinische Versorgung zahlt. Dann bekommt auch ein 80- Jähriger sicher noch Hüfte und Herzschrittmacher.

von Claudia Prietzel, "OÖ Krone"

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