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23.07.2017 - 08:13
Betriebsspion geschnappt: Andreas Pilsl, Michael Tischlinger, Philip Christl (v. links)
Foto: Johann Haginger

Spionage- Thriller flog vor Übergabe des Geldes auf

20.03.2017, 16:50

Ein geldgieriger Mitarbeiter, ein vorsichtiger Firmenchef, ein kooperativer Richter und die neue Spezialgruppe beim Amt für Verfassungsschutz - das sind die Zutaten eines Spionage- Thrillers, der in Perg aufflog. Dort sollte geheime Entwicklungstechnologie an ausländische Interessenten verkauft werden, das hätte die Firma mit 150 Mitarbeitern sogar die Existenz kosten können!

Ein erst im Vorjahr eingestellter 29- jähriger Mitarbeiter hatte beim Staplerhersteller Bulmor Industries GesmbH in Perg nur eines im Sinn: Seinen Job in der Technik- Abteilung dazu zu nutzen, geheime Entwicklungspläne für einen Super- Stapler an ausländische Interessenten zu verkaufen. Er kopierte die Pläne auf einen Stick, hatte mit Hilfe zweier Komplizen (30 und 32 Jahre alt) rasch drei Interessenten aus dem nahen Ausland an der  Hand. "Ich will eine Firma gründen, brauche Startkapital und verkaufe meine Pläne", machte er diesen Interessenten weiß.

"Da es aber nicht allzu viele Staplerhersteller gibt, ist einer der potenziellen Kunden hellhörig geworden, erkundigte sich auch bei der Firma Bulmor in Perg, wo die Firmenleitung sofort und richtig reagiert hat und Anzeige wegen Verdachts der Betriebsspionage erstattete", weiß Michael Tischlinger vom Amt für Verfassungsschutz. "Wir haben seit dem Vorjahr eine neue sechsköpfige Spezialgruppe ,Spionage‘, die wurde im Sommer sofort darauf angesetzt", ergänzt Landespolizeidirektor Andreas Pilsl.

Auf Grund der Verdachtslage wurde vom Gericht eine Telefonüberwachung genehmigt. "Da mussten auch Sprachbarrieren überwunden werden, weil sich die Verdächtigen häufig einer slawischen Sprache bedienten", erklärt Tischlinger.

Schließlich hatte man genug belastendes Material gegen den Hauptverdächtigen und seine beiden Helfer  beisammen. Am vergangenen Freitag wurden deren Wohnungen im Raum Wels und Vöcklabruck durchsucht, die gestohlenen Daten sichergestellt und die Verdächtigen festgenommen, wie Staatsanwalt Philip Christl berichtet.

Pilsl, Tischlinger und Christl betonen, wie wichtig es ist, wenn Firmen bei Spionageverdacht sofort die Polizei informieren: "Im aktuellen Fall konnten dadurch die Verdächtigen gefasst werden, kurz bevor sie die geheimen Entwicklungsdaten um Hunderttausende Euro verkaufen konnten. Im Schnitt gibt es jährlich etwa ein Dutzend ähnlicher Anzeigen, die Dunkelziffer liegt aber bei 80 bis 90 Prozent!"

Computernetzwerke erhöhen die Gefahr

Die Gefahr von Betriebsspionage wird vielfach unterschätzt. Vor allem Cyber- Hacker sind stark im Vormarsch, warnt auch Joachim Haindl- Grutsch, Geschäftsführer der  Industriellenvereinigung OÖ.

Oberösterreich ist ein hochwertiges Industrieland  wie groß ist da die Bedrohung durch Betriebsspione?
Klassische Spionage wie nun offenbar in Perg gibt es nicht mehr so oft  die größere Gefahr kommt aus dem Internet, Cyber- Kriminalität nimmt zu.
Also keine verführten Sekretärinnen, keine Bestechungsgelder mehr?
Ich war im Herbst zum Thema Hacking in Israel, wo es ja ganz ausgezeichnete Spezialisten für so etwas gibt. Dort haben Experten gezeigt, wie blitzschnell Hacker über Firmen- Homepages ins Computersystem bis zu sensibelsten Daten eindringen.
Firmen machen es offenbar potenziellen Tätern noch immer zu leicht.
Jede Firma muss auf drei Risikofaktoren besonders Acht geben: Organisation, Personen und Technologie. Die Industriellenvereinigung gibt bei Veranstaltungen und Workshops dazu Tipps, aber jede Firma muss für sich schauen, wie sie sich am besten schützen kann.
Es geht ja auch nicht ausschließlich und immer um das Ausspionieren von geheimen Entwicklungsdaten.
Zur Bedrohung gehört auch das Stilllegen von Firmencomputern  samt Datenverlust dazu , oder das Abcashen, was die FACC bekanntlich  50 Millionen Euro gekostet hat.
Die weltweite Vernetzung im Internet ist also nicht immer ein Segen.
Die Offenheit der Systeme, die Vernetzung von Betrieben und Maschinen  da steigt natürlich die Gefahr von Hacking. Firmen, die es erwischt hat, reden aber nicht gerne darüber  es ist ihnen peinlich.

Johann Haginger, Kronen- Zeitung

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