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20.09.2017 - 18:39
Die Unfallstelle auf der Bâ005154: Kerzen erinnern an das Todesdrama um eine Radfahrerin (53).
Foto: Manfred Fesl

Polizei hat eine erste Spur zum Todeslenker

03.11.2016, 06:03

Bei der Fahndung nach dem tödlichen Überholvorgang in Zell am Moos ist die Exekutive optimistisch, den Fall zu klären. Die Suche nach dem unbekannten Todeslenker und einem Unfallzeugen, die sich nicht um die sterbende Radlerin kümmerten, verläuft vielversprechend.

Nach dem tödlichen Fahrerflucht- Drama in Zell am Moos ermittelt die Polizei auf Hochtouren. "Wir haben erste Hinweise und sind optimistisch, den Unfall- Lenker ausforschen zu können", sagt Chefinspektor Klaus Decker vom Bezirkspolizeikommando Vöcklabruck. Wie berichtet, wurde am Montag die 53- jährige Radlerin Hannelore F. aus Köstendorf (Salzburg) auf der Mondseer Straße B 154 von einem weißen Pkw gerammt, der ein braunes Fahrzeug überholt hatte. Beide Autolenker flüchteten, ohne sich um die lebensgefährlich verletzte Frau zu kümmern. Ehemann Albert F. (48) wurde Zeuge des Unglücks, er erlitt einen schweren Schock. Die 53- Jährige erlag nach einer erfolgreichen Reanimation durch einen Ersthelfer zwei Stunden später im Spital den schweren Verletzungen.

Decker appelliert an beide Autofahrer, sich freiwillig zu melden: "Vor allem bei dem einen Lenker, der überholt worden ist und der an dem Unfall offenbar selbst keine Schuld trägt, scheint schwer nachvollziehbar, warum er sich nicht als Zeuge zur Verfügung gestellt hat." Sein Verhalten sei rätselhaft und stünde in keinem Verhältnis zu etwaigen Konsequenzen. Laut dem Linzer Verkehrspsychologen Josef Martl könnte die Ursache für die Fahrerflucht stressbedingt gewesen sein. "Wenn sich der Stresslevel gelegt hat, kommen manche aber zur Vernunft und melden sich bei der Polizei", betont der 56- Jährige - siehe Interview unten.

Flucht ist evolutionsbedingt

Im Grunde sei jeder Mensch gefährdet, in Extremsituationen panikartig zu reagieren und die Flucht zu ergreifen. "Das ist evolutionsbedingt - der Mensch ist programmiert auf Flucht oder Kampf", sagt Martl. Die Polizei ersucht um Hinweise, die der Aufklärung dienen: Telefonnummer 0 59 133/41 67.

"Stress schaltet die Vernunft einfach aus"

Josef Martl ist seit 16 Jahren als Verkehrspsychologe im Einsatz. Er erklärt, warum Autolenker oft einfach die Flucht ergreifen.

Was geht in Autolenkern vor, die sich durch Flucht ihrer Verantwortung zu entziehen versuchen?
Durch Stresshormone entsteht in ihrem Gehirn ein irrationaler Zustand. Die Vernunft wird ausgeschaltet, dieser Zustand kann durch Alkoholeinfluss potenziert werden.

Gibt es Menschen, die anfälliger dafür sind und tritt dieses Verhalten in einem gewissen Alter vermehrt auf als in einem anderen?
Im Grunde ist jeder Mensch gefährdet, in Extremsituationen falsch zu reagieren. Es gibt auch keine Altersgruppe, die speziell gefährdet ist.

Ist das evolutionsbedingt?
Ja, die Evolution hat über Millionen von Jahren unsere Reaktion auf Flucht oder Kampf geprägt. Verkehrsregeln gibt es  allerdings erst seit rund 100 Jahren.

03.11.2016, 06:03
Kronen Zeitung/Jürgen Pachner
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