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19.08.2017 - 15:47
Foto: Markus Schütz

Nach Amoklauf: "Ich sah nur einen Irren, der auf uns schießt"

25.07.2011, 09:00
Adinel H. aus Traun in Oberösterreich hat mit dem Amokläufer Johann N. auf Leben und Tod gekämpft, als er versuchte, seine Kinder zu beschützen und seine Eltern, den 65-jährigen Alecandru und die 63-jährige Olga H., zu retten. Die "Krone" sprach mit dem verletzten Monteur im Linzer Unfallspital.

Die fünfjährige Ines und der siebenjährige Arwen, die Zeugen der Bluttat wurden, besuchten ihren Papa schon und sind froh, dass es ihm gut geht. Er muss ihnen erst erklären, dass Opa von drei Schüssen tödlich getroffen wurde – alles nur, weil der Pensionist vor fünf Jahren das Motorrad des Verdächtigen fotografiert hatte.

"Krone": Wie haben Sie den schrecklichen Angriff erlebt?
Adinel H.: Ich wollte meine Kinder holen, die mit meinen Eltern meine Cousine besucht hatten. Ich saß im Auto, machte hinten die Seitentüre auf, damit die Kinder einsteigen konnten, und wollte mit dem Papa noch kurz reden, weil wir am nächsten Tag alle bei uns feiern wollten. Dann ging es plötzlich los.

"Krone": Gab es keine Vorwarnung?
Adinel H.: Nichts. Es gab einen Schuss, den ich aber zuerst gar nicht als solchen wahrnahm. Er hat zuerst auf meine Mama geschossen, nur weil sie im Weg war. Dann hab ich mich umgedreht und hab den Mann mit der Waffe gesehen. Er hat wieder geschossen. Auf Papa.

"Krone": Und Ihre Kinder?
Adinel H.: Die saßen schon im Auto. Aber sie haben so geschrien. Auch mein Papa. Ich bin aus dem Wagen gesprungen, wollte helfen. Als er sich mit der Waffe zu mir umdrehte, konnte ich das Gewehr fassen und ihn zu Boden ringen. Ich war über ihm, hatte ihn fixiert, und er meinte nur, ich sollte ihn loslassen, er bekomme keine Luft mehr.

"Krone": Er hatte das Gewehr noch?
Adinel H.: Ja. Ich habe ihn gefragt: "Warum hast du das gemacht?" Er sagte: "Er ist ein Verbrecher, er ist ein Verbrecher!" Irgendwann ließ er das Gewehr los. Ich glaubte, ich bin sicher, lief damit zum Auto.

"Krone": Sie waren noch unverletzt?
Adinel H.: Ich sah zurück, und er hatte unter der Weste einen Waffengurt. Zuerst dachte ich, es ist ein Revolver, und ich bin hin. Als ich merkte, dass es ein Messer war, hatte er mich schon gestochen.

"Krone": Sie schlugen Alarm?
Adinel H.: Ich hab' zuerst im Stress statt der Polizei die Feuerwehr angerufen. Und da waren ja noch meine Eltern, und er war noch da, mit dem Messer, und suchte mit der Taschenlampe sein Gewehr, aber das lag ja bei mir im Auto. Ich wollte noch hingehen, aber nach zwei Metern konnte ich nicht mehr, hatte zu viel Blut verloren.

"Krone": Können Sie verstehen, was dann passiert ist?
Adinel H.: Überhaupt nicht, ich sah nur einen Irren, der auf uns schießt. Und dass niemand ein Fenster aufmachte oder half, obwohl ich aus Leibeskräften um Hilfe rief.

25.07.2011, 09:00
Markus Schütz, Kronen Zeitung
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