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21.09.2017 - 05:10
Foto: © [2008] JupiterImages Corporation

Linz09 gegen die Zwangsbeschallung

16.10.2008, 12:45
Im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres 2009 startet heute, Donnerstag, eine Kampagne gegen Zwangsbeschallung im öffentlichen Raum. "Beschalllungsfrei statt Zwangsbeschallt" will das Bewusstsein der Bevölkerung für die akustische Lebensumgebung schaffen und in der Stadt neue Ruhezonen für die Bevölkerung eröffnen.

Die Kampagne ist Teil des Linz09- Projekts "Hörstadt", das sich im gesamten Kulturhauptstadtjahr mit der "akustischen Umweltverschmutzung" auseinandersetzen und musikalische Gegenprogramme anbieten will. "Das Konzept stößt auf viel Interesse, auch international", erklärte Linz09- Intendant Martin Heller. Ein wichtiger Teilaspekt ist für ihn, dass sich das Projekt auf die gesamte Stadt ausdehne.

"Stopp der musikalischen Dauerberieselung von der Wurstabteilung bis zum Klo", forderte der künstlerische Leiter für Musik von Linz09 und Initiator der Kampagne, Peter Androsch. Zwangsbeschallung liege nach Definition der Kampagnenträger dann vor, "wenn eine Dienstleistung nur unter Beschallung in Anspruch genommen bzw. wenn die Schallquelle nicht geortet werden kann", so Androsch.

Der Initiative haben sich neben Stadt und Land auch Vertreter aus Gewerkschaft und Kirche und zahlreiche andere Organisationen angeschlossen, denen die flächendeckende Beschallung der öffentlichen Sphäre "ein Dorn im Auge" ist, hieß es. Vor allem wirtschaftliche Motive für Hintergrundmusik wie etwa Umsatzsteigerung, würden eine Verletzung der "körperlichen Souveränität" des Menschen darstellen.

Die Beschallung insgesamt sei zwar für den Menschen weniger schlimm, erklärte Androsch. Belastend wirke jedoch die Tatsache, dass die Ruhezeiten und Ruhezonen in den vergangenen Jahrzehnten "auf ein Minimum geschrumpft" seien. Neben den Konsumenten seien in erster Linie auch Arbeitnehmer im Handel betroffen, erklärte der Regionalgeschäftsführer der Gewerkschaft für Privatangestellte, Felix Hinterwirth. Das zeige sich vor allem Advent. "Ich kenne Verkäuferinnen, die am Weihnachtsabend 'Stille Nacht, Heilige Nacht' nicht mehr singen können", so Stangl.

Still mit Pickerl

Alle Organisationen und Unternehmen, die sich an der Kampagne beteiligen, sollen von einem Aufkleber mit dem Titel "Beschallungsfrei - Zone ohne Hintergrundmusik" gekennzeichnet werden. "Wir werden in den nächsten Wochen alle Filialen der Bank Austria mit diesem Aufkleber deklarieren", kündigte Regionaldirektor Heinz Martinek an.

Auch bei der Stadtentwicklung soll sich in Linz einiges ändern. Der öffentliche Raum dürfe nicht einseitig ökonomisch, sondern sozial genutzt werden, betonte Planungsstadtrat Klaus Luger (S). "Anfang September habe ich die auf Anregung von 'Hörstadt' entstandene Linzer Charta zur Stadtentwicklung in akustischem Sinne in den Planungsausschuss des Stadtparlaments eingebracht." Er hofft auf einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss im Jänner 2009.

Ruhezonen geplant

Zusätzlich sollen in Linz öffentlich zugängliche Ruhezonen entstehen, wie etwa ein Ruheraum in der Turmhalle des Linzer Mariendoms. Viele Menschen seien auf der Suche nach Ruhe und Unterbrechung der Alltagshektik, erklärte Dompfarrer Maximilian Strasser. "Es gehört zur Tradition der Kirche, dafür Räume zu öffnen."

Für das Finale der Kampagne ist bereits ein Termin gefunden: "Beschallungsfrei" soll "stilgerecht und still" am 21. November mit dem "No Music Day" enden.

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