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26.09.2017 - 18:57
Josef Rammer (2. v. li) und Karin Rücklinger mit Ärzten Strobl, Oßberger, Schneidinger und Kaltseis.
Foto: Markus Wenzel

Krebsopfer bekam neue Nase

22.06.2017, 06:05

Spitzenleistungen zweier Ärzte- Teams des Ordensklinikums Linz machten es zwei Patienten möglich, nach niederschmetternden Krebs- Diagnosen wieder ein erträgliches Leben zu führen. Ihre aggressiv wachsenden Tumore auf Zunge und Nase wurden entfernt, amputierte Organteile durch körpereigene Prothesen ersetzt.

Bei Krankenschwester Karin Rücklinger aus Ybbs (NÖ) war ein Zungengrundkrebs erlannt worden. "Ich hab’ beim Schlucken Stiche gespürt, die bis zum Ohr gegangen sind und gedacht, es ist der Weisheitszahn oder eine Ohrenentzündung", sagt die 47- Jährige. Nach der furchtbaren Diagnose willigte sie einem chirurgischen Eingriff ein, bei dem die Hälfte ihrer Zunge der Länge nach entfernt werden sollte.
Am 16. Februar wurde die Patientin acht Stunden lang operiert. "Wir haben einen Luftröhrenschnitt gemacht, weil es im Mund zu extremen Schwellungen kommt", erklärt HNO- Arzt Wolfgang Schneidinger. Ein Team um den Plastischen Chirurgen Martin Kaltseis entnahm gleichzeitig Muskelgewebe aus dem Oberschenkel der Frau und formte ein Abbild des entfernten Teils. 14 Tage später durfte die Patientin bereits Wasser trinken, mit logopädischer Unterstützung wurde das Sprechen geübt. Strahlentherapie und Chemo folgten. Mittelfristig wird Rücklinger auch wieder ihrem Beruf als Krankenschwester nachgehen können.

Aus Rippenknorpel geformt

Josef Rammer (57) aus Steyrling hatte Nasenkrebs, das gesamte Organ musste entfernt werden. Aus einem Rippenknorpel gelang es einem Team um die Plastische Chirurgin Andrea Oßberger auf seiner Stirn ein Gerüst für die künftige Nase zu formen - siehe auch unser Interview. Dieser Aufbau wurde nach unten geschwenkt und auf die verbliebenen Fragmente des amputierten Riechorgans gesetzt. Sechs Wochen später war die neue Nase angewachsen und konnte Schritt für Schritt optisch verbessert werden.

"Prothese fällt niemandem auf"

Nach einer Krebserkrankung wurde dem Heeresangestellten Josef Rammer (57) die Nase entfernt, anschließend eine neue aus einem Rippenknorpel gebildet.

Bei Ihnen waren insgesamt zehn Operationen nötig. Wie geht es Ihnen jetzt?
Sehr gut. Ich bin jetzt wieder voll berufstätig und gehe hobbymäßig bereits Bergwandern, Klettern, Skitouren und Radfahren.

Müssen Sie noch immer Medikamente einnehmen?
Das ist nicht mehr nötig.

Werden Sie auf Ihre neue Nase oft angesprochen?
Erstaunlicherweise nie auf meine Nasenprothese, sondern auf die Narbe auf der Stirn, die noch ein wenig heller ist als der Rest meines Gesichts. Ich werde dann gefragt, ob ich einen Unfall gehabt habe.

Wie fühlt sich das neue Riechorgan für Sie persönlich an, haben Sie sich schon vollständig daran gewöhnt?
Die neue Nase fühlt sich ein wenig härter an als die alte und sie hat auch keine Nasenscheidewand. Sie gehört jetzt aber zu mir. Zum Putzen verwende ich übrigens Wattestäbchen.

Sie sind jetzt tumorfrei.
Ja, ich habe regelmäßig onkologische Kontrollen, die Abstände der Untersuchungen werden inzwischen aber immer länger.

Jürgen Pachner


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