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17.08.2017 - 18:54
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER

Kopf der "Daltons" muss für 14,5 Jahre hinter Gitter

07.04.2011, 15:59
Der mutmaßliche Kopf der berüchtigten "Daltons"-Bande, der neun Bank- und Postüberfälle in Wels und Wien zugeschrieben werden, ist am Donnerstagnachmittag im Wiener Straflandesgericht wegen siebenfachen Raubes schuldig gesprochen worden. Ein Schöffensenat verhängte über Santiago Alfredo C. (56) eine Freiheitsstrafe von 14,5 Jahren, das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Bei einer Strafdrohung von bis zu 20 Jahren erschien dem Gericht das gewählte Strafausmaß tat- und schuldangemessen. Das Geständnis wurde als wesentlichster Milderungsgrund gewertet. Eine angebliche Helferin der "Daltons", die laut Anklage bei zwei Überfällen die Fluchtfahrzeuge gelenkt haben soll, wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Damit war die Staatsanwältin nicht einverstanden, sie legte Nichtigkeitsbeschwerde ein.

Führende Rolle stets bestritten

Santiago Alfredo C. war nicht nur der größte, sondern laut Anklage auch der Kopf der Kriminellen. Der gebürtige Argentinier wurde im Juli 2010 auf Basis eines europäischen Haftbefehls von Carabinieri in seinem Haus in Ceranova 30 Kilometer südlich von Mailand, wo er ein beschauliches Leben als Familienvater führte, festgenommen. Nach seiner Auslieferung zeigte er sich zu den Überfällen geständig, bestritt aber die ihm zugeschriebene führende Rolle. Dabei blieb er auch in seinem Prozess.

Der Boss sei sein Komplize Mirko C. gewesen, der im August 2010 in Wien zu 13 Jahren Haft verurteilt wurde: "Er hat mir vorgeschwärmt, hierherzukommen und das zu tun, weil die Banken hier nicht sehr schwierig sind. Wie kann er mir unterstellen, dass ich der Kopf der Bande bin? Als ich hierhergekommen bin, war alles vorbereitet! Es war sehr, sehr einfach", erklärte Santiago Alfredo C.

Land nach Coups stets rasch verlassen

Doch nicht nur Mirko C., der sich in seinem eigenen Verfahren dahingehend geäußert hatte, sondern auch Staatsanwältin Ursula Kropiunig sah in dem Argentinier den Chef. Als Mirko C. 2005 aus einem Gefängnis in Turin entlassen wurde und sich Gedanken darüber machte, wie er seinen Lebensunterhalt bestreiten sollte, hätten ihm Zellengenossen empfohlen, ein bestimmtes Kaffeehaus in Mailand aufzusuchen und sich dort nach einem "Aldo" zu erkundigen, sagte die Anklägerin.

Tatsächlich traf der gebürtige Serbe dort laut Anklage in der Person von Santiago Alfredo C. jenen "Aldo" an, der ihm daraufhin eine Überfallserie in Österreich schmackhaft gemacht haben soll. Während Mirko C. in Wien die Örtlichkeiten auskundschaftete, reisten der Boss und die weiteren Komplizen - der mittlerweile in Frankreich wegen Mordes festgenommene Maurizio C. sowie ein vierter, noch flüchtiger Mittäter - jeweils unmittelbar vor den Coups an und verließen nach dem Teilen der Beute rasch wieder das Land.

Flucht per Fahrrad und Auto

Die "Daltons" hatten zwischen 2007 und 2009 die Polizei auf Trab gehalten. Sieben geglückte und zwei gescheiterte Bank- und Postüberfälle in Wien und Wels gingen auf ihr Konto, wobei insgesamt eine Million Euro erbeutet wurde.

Ihren Spitznamen verdankte die Bande den unterschiedlichen Körpergrößen ihrer Mitglieder, die bei den Überfällen meist mit falschen Bärten, aufgeklebten Heftpflastern und Mützen maskiert auftraten. Einmal mimte einer der Räuber sogar einen Blinden. Von den Tatorten entfernten sie sich durchwegs zunächst mit in der Nähe abgestellten Fahrrädern, ehe sie ein paar Gassen weiter in teilweise im Vorfeld gestohlene Pkws wechselten.

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