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22.09.2017 - 07:33
Foto: APA

Inzestverdacht in OÖ: 80- jähriger Vater unschuldig?

09.09.2011, 16:18
Jener 80-jährige Oberösterreicher, der unter Verdacht stand, seine beiden Töchter über Jahrzehnte regelmäßig sexuell missbraucht und körperlich misshandelt zu haben, ist am Freitag aus der Untersuchungshaft entlassen worden. In ihrer kontradiktorischen Einvernahme stellten die beiden Frauen, bei denen geistige Defizite vorhanden sind, die Übergriffe in Abrede, wie die Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis am Freitag mitteilte.

Mit der neuen Einvernahme der Schwestern sei der vor zwei Wochen ausgesprochene Haftgrund der Verdunkelungsgefahr weggefallen, so die Behörde. Bezüglich der dem Verdächtigen ebenfalls angelasteten Körperverletzungen und gefährlichen Drohung bestünde keine Tatbegehungsgefahr mehr, da die Delikte schon längere Zeit zurücklägen. Doch das müsse noch geprüft werden.

Der Anwalt des Beschuldigten bezeichnete die Enthaftung seines Mandanten als "ersten Schritt in die richtige Richtung". Es habe sich bewahrheitet, was der 80- Jährige von Anfang an gesagt habe, nämlich, dass Dritte die beiden Frauen aufgehetzt hätten. Betreuerinnen und Verwandte seien mit Mutmaßungen zur Polizei gegangen, so der Jurist. Er wolle nun auf das Ergebnis des psychiatrischen Gutachtens warten und "dann weiterschauen".

Frauen verstanden entsprechende Begriffe offenbar nicht

Die beiden Opfer, heute 53 und 45 Jahre alt, hätten zunächst vor der Polizei sexuelle Übergriffe - die angeblich bereits vor mehr als 40 Jahren begonnen hatten - angegeben, doch in späteren Befragungen habe sich herausgestellt, dass es fraglich sei, ob sie die entsprechenden Begriffe überhaupt verstanden haben, stellte die Leitende Staatsanwältin Ernestine Heger fest.

Zudem hätten die Schwestern zwar einschlägige Tathandlungen beschrieben, die jedoch offenbar ein anderer Mann an ihnen verübt habe. Das liege allerdings schon längere Zeit zurück und müsse noch überprüft werden. Dass ihr Vater das Gleiche mit ihnen gemacht habe, hätten sie bei der neuen Einvernahme ausdrücklich in Abrede gestellt.

"Sex bedeutet für sie, wenn jemand nackt herumläuft"

Dass die Frauen die entsprechenden Begriffe nicht verstanden haben dürften, bestätigte auch der Anwalt des 80- Jährigen. "Vergewaltigung heißt für sie, wenn jemand einen ans Bett fesselt oder aus dem Bett stößt", erklärte der Anwalt. Sex bedeute für die beiden Töchter, von denen eine eine leichte, die andere eine mittelgradige Intelligenzminderung habe, wenn jemand nackt herumlaufe.

Zum Thema Handgreiflichkeiten des Vaters hätten die beiden Töchter laut Anwalt gesagt: "Der Papa hat uns schon geschlagen, aber nicht mehr, seit die Mama gestorben ist." Der Tod der Mutter liegt drei Jahre zurück. Die gefährlichen Drohungen seien in den Augen des Anwalds lediglich allgemeine Unmutsäußerungen "nicht eben von der feinen, englischen Art".

Vater hatte von Anfang an Unschuld beteuert

Der Fall war am 25. August bekannt geworden, weil - wie es damals geheißen hatte - der 80- Jährige im vergangenen Mai seine ältere Tochter erneut vergewaltigen habe wollen. Die Frau habe sich aber gewehrt und ihn zurückgestoßen, der Mann stürzte. Er konnte nicht mehr aufstehen, seine Töchter ließen ihn am Boden liegen. Erst zwei Tage später riefen die Schwestern eine Sozialarbeiterin, die ihm half. Sie erstattete Anzeige bei der Polizei. In den Ermittlungen tauchte schließlich der Inzestverdacht auf.

Noch am selben Tag wurde der 80- Jährige, der sich bis dahin in einem Pflegeheim aufgehalten hatte, festgenommen und in die Justizanstalt Ried überstellt. Begründet wurde die Haft mit dem Verdacht der Körperverletzung, des Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen, der gefährlichen Drohung, der Nötigung, der Vergewaltigung und weiterer sexueller Delikte gegen wehrlose Personen. Am 26. August wurde die U- Haft verhängt. Der Beschuldigte bestritt von Anfang sämtliche Vorwürfe (siehe Infobox).

Polizei und Dorfgemeinschaft gerieten in schlechtes Licht

Der Fall sorgte auch international für großes Aufsehen. In der Öffentlichkeit begann eine Diskussion darüber, warum die Affäre in der Umgebung der Familie so lange unbemerkt geblieben sei. Auch die Polizei und zuständige Bezirkshauptmannschaft gerieten in diesem Zusammenhang in ein schlechtes Licht.

Auch Vergleiche mit dem Inzestfall von Amstetten, der als eines der größten Verbrechen in die heimische Kriminalgeschichte eingegangen ist, wurden angestellt. Josef F. hatte seine Tochter 24 Jahre lang in einem Kellerverlies gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt, eines starb nach der Geburt. 2009 wurde F. am Landesgericht St. Pölten von einem Schwursenat in allen ihm vorgeworfenen Punkten rechtskräftig schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft mit Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt.

09.09.2011, 16:18
AG/red
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