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20.08.2017 - 04:04
Foto: rubra

Die Flucht vor dem Schuldenberg zerstörte Familie

22.01.2008, 01:00
Seine Flucht ging nie zu Ende: Seit 31 Jahren lebt ein Tischler aus Windhaag bei Perg in Australien, weil er 1977 mit drei Millionen Schilling Schulden vor den Banken geflohen war. Erst in der Vorwoche machte ein Gaunerehepaar Schlagzeilen, weil es mit drei Kindern sechs Jahre untergetaucht gewesen war. Aktuell fahndet die Polizei nach insgesamt 24.000 Österreichern.

„Er hat es drüben nicht leicht gehabt“, erinnert sich eine ehemalige Nachbarin aus Windhaag bei Perg an das Schicksal von Gerd G., der am 15. Februar seinen 64. Geburtstag feiern wird. 1977 landete er auf den Titelseiten, weil der Tischler und Schlossbesitzer bei Nacht und Nebel mit seiner Frau und vier kleinen Kindern verschwunden war. Gerd G. hatte sich 1975 das Schloss Windhaag gekauft, dort seinen Betrieb eingerichtet. Doch dabei hatte sich der damals junge Familienvater offenbar finanziell übernommen. Er ließ sich bei seinem letzten Großauftrag, der Fensterfertigung für die Hauptschule in Baumgartenberg, ständig Vorschüsse auszahlen. „Das war nicht üblich, aber man hat ihm immer wieder was gegeben. Die Qualität der Fenster hat dann allerdings zu wünschen übrig gelassen. Aber wenigstens hat er den Auftrag noch fertig gemacht“, erinnert sich Gottfried Lettner, der ehemalige Amtsleiter von Baumgartenberg.

Gerd G. hatte drei Millionen Schilling (218.000 Ÿ) Schulden angehäuft. Wochenlang baute er heimlich hinter versiegelten Fenstern seine Werkstatt ab und bereitete die Tischlereiausstattung für den Abtransport per Container vor. Und so kam man ihm und seinem Traumziel Australien auch auf die Schliche. In der Spedition wurde ein Behälter voller Werkzeug sichergestellt. Die Flucht vor den Banken mussten Verwandte ausbaden, die für die Kredite gebürgt hatten.

„Er wurde dann nach einem Jahr geschieden, hat drei kleine Kinder alleine groß gezogen. Seine Frau hat die Familie mit der älteren Tochter, die nicht von ihm war, verlassen“, weiß eine Nachbarin, die noch immer Kontakt mit Gerd G. hat: „Er war erst nach zwanzig Jahren das erste Mal wieder herüben.“

Laut Bundeskriminalamt wird aktuell nach 24.000 Österreichern gefahndet - solche Schicksale gibt es darunter aber nur wenige.

Symbolfoto: rubra

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