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22.08.2017 - 22:54

Polizisten ohne Chance gegen "Jagdfanatiker"

18.09.2013, 17:18
Was als Routineeinsatz bei der Suche nach einem Wilderer begann, hat in Niederösterreich mit einem Blutbad mit fünf Toten geendet. Drei Polizisten und einen Sanitäter erschoss Alois Huber auf seiner Flucht, bevor er sich, von der Exekutive in die Enge getrieben, in einem Bunker auf seinem Anwesen in Großpriel nahe Melk selbst das Leben nahm. Der Ablauf der Ereignisse und die Bilder von den Tatorten machen eines deutlich: Die vier Männer, die der 55-Jährige brutal aus dem Leben riss, hatten keine Chance gegen den treffsicheren "Jagdfanatiker", der Hunderte Waffen sein Eigen nannte.

Mit Beginn der Hirschbrunft wurde im Bezirk Lilienfeld aufgrund der Wildereien der vergangenen Jahre die Streifentätigkeit aufgenommen, sagt Polizeisprecher Johann Baumschlager am Tag nach der Bluttat. Dabei stoßen Beamte in der Nacht auf Dienstag auf das Fahrzeug von Alois Huber, einen Toyota mit gestohlenem Kennzeichen.

Kurz nach Mitternacht wird eine erste Straßensperre errichtet, auf der L101 bei Kilometer 2,9 in der Nähe von Annaberg im Bezirk Lilienfeld. "Der Verdächtige durchbricht diese jedoch und eröffnet von seinem Geländewagen heraus gezielt das Feuer auf die Beamten", sagt Baumschlager. Die Polizisten können sich in Sicherheit bringen. Es ist der Beginn eines rund 24 Stunden dauernden blutigen Amoklaufs.

Cobra- Beamter stirbt im Kugelhagel

Der 55- Jährige flüchtet mit seinem Pkw in Richtung Äußere Schmelz. Auf Höhe der Schmelz 83 kommt ihm eine weitere Streife entgegen, der Geländewagen von Alois Huber kommt nahe eines Sägewerks von der Straße ab und prallt gegen einen Zaun. Huber schießt mehrmals gezielt vom Auto aus auf den Einsatzwagen der Beamten (kl. Bild), der 38 Jahre alte Cobra- Beamte Roman B. wird tödlich getroffen. Das Sonderkommando ist an der Suche nach dem Wilderer beteiligt, nachdem in der Gegend bereits ein Mordversuch auf einen Jäger verübt worden war.

Drei Kollegen des toten Polizisten können sich in Sicherheit bringen, der Wilderer verschanzt sich - von den Beamten unbemerkt - außerhalb seines Wagens. Unterdessen wird die Rettung verständigt. Am Mittwoch veröffentlichte Bilder zeigen zahlreiche Einschusslöcher am Schauplatz des Schusswechsels – teils in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern (Bilder).

Schütze lauert Einsatzkräften auf

Während Huber dann - laut Polizei völlig untypisch für einen Täter in einer solchen Situation - das Eintreffen weiterer Einsatzkräfte abwartet, fährt gegen 0.30 Uhr die Rettung vor. In der Fahrerkabine des Einsatzwagens sitzen der 70- jährige Sanitäter Johann D. und ein Streifenpolizist. Sie kommen bis zu dem Sägewerk auf Höhe der Hausnummer Schmelz 32. "Sie haben nicht gewusst, dass der Täter noch da ist, dieser hat kaltblütig auf das zufahrende Blaulichtfahrzeug geschossen", so Baumschlager.

Der Sanitäter - seit 32 Jahren beim Roten Kreuz tätig - wird tödlich getroffen, der Beamte am Beifahrersitz durch Splitter der Windschutzscheibe verletzt. Auch Rotkreuz- Sanitäterin Elisabeth Z. überlebt das Drama - weil sie aufgrund der Polizeibegleitung im hinteren Teil des Wagens Platz genommen hatte.

Tödliche Schüsse auf Polizisten in Streifenwagen

Nach der brutalen Schussattacke ergreift der 55- Jährige zu Fuß erneut die Flucht. "600 bis 700 Meter entfernt stand bei Lassinghof eine Streife", schildert Baumschlager. Der Wilderer feuert auf die im Fahrzeug sitzenden Beamten Johann E. und Manfred D. Er trifft den Fahrer tödlich, zieht den 51- Jährigen aus dem Auto und wirft ihn auf die Straße. Ob sein 44 Jahre alter Kollege ebenfalls zu diesem Zeitpunkt getötet wurde, ist noch Gegenstand von Erhebungen. Alois Huber setzt sich in den Streifenwagen und fährt zu seinem rund 60 Kilometer entfernten Anwesen in Großpriel bei Melk - mit im Auto Manfred D.

Kurze Zeit später wird der Todesschütze bei seinem Vierkanthof in Großpriel von den Einsatzkräften aufgespürt, das Anwesen von Dutzenden Beamten der Cobra umstellt. Anrainer werden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Denn immer wieder schießt Huber aus dem Gebäude. Unklar ist zu diesem Zeitpunkt auch, ob im oder rund um das Haus Sprengfallen installiert sind.

Mann schießt immer wieder auf die Beamten

Gegen 14 Uhr rücken dann drei Panzer des Bundesheeres an. Hubschrauber kreisen über dem Anwesen. Die Einsatzkräfte können sich nur in gepanzerten Fahrzeugen nähern, da Huber immer wieder aus dem Haus auf die Beamten schießt - die allerdings anders als ihre getöteten Kollegen nun in Fahrzeugen mit kugelsicheren Scheiben oder hinter Sandsäcken vor den Kugeln des Mannes geschützt sind. In einer Garage am Anwesen wird schließlich die Leiche von Manfred D. entdeckt. In weiterer Folge wird die Einsatztaktik geändert, da nun klar ist, dass keine Geiselnahme mehr vorliegt.

Der Täter hält sich den Nachmittag über in seinem Anwesen verschanzt. Immer wieder peitschen Schüsse über die Felder, gegen 17.30 Uhr ist der letzte Schuss zu hören. Eine knappe halbe Stunde später rücken die Panzer und mehrere Einsatzfahrzeuge vor, der Zugriff beginnt. Mehrere Stunden lang wird das weitläufige Gelände "sehr konzentriert" durchkämmt, Schusswechsel gibt es keinen mehr. Der Täter hätte allerdings "hinter jeder Ecke lauern können", wie Cobra- Sprecher Detlev Polay zu bedenken gibt.

Bruder gibt entscheidenden Hinweis

Zwischenzeitlich die bange Frage: Ist der Polizisten- Mörder möglicherweise gar über einen unterirdischen Geheimgang entkommen? Ein Helikopter kreist unbeleuchtet über dem Areal, um kein Ziel abzugeben. Offenbar sucht man zudem mit einer Wärmebildkamera nach Huber. Erst nach einem Gespräch mit dem Bruder des 55- Jährigen kann Entwarnung gegeben werden - die Suche der Beamten endet in einem Bunker im Keller des Anwesens. "Wir haben den Bunker gemeinsam gebaut, es gibt keinen Fluchtweg", sagt der Mann, der ebenso wie eine Schwester schon lange keinen Kontakt mehr zum Amok- Schützen hat.

Angehörige identifizieren Leichnam

In dem Geheimraum, in dem es brennt, wird schließlich ein verkohlter Toter entdeckt. Der Leichnam des 55- Jährigen ist mittlerweile von dessen Angehörigen identifiziert worden, bestätigt die Leiterin der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Michaela Schnell, am Mittwochnachmittag. Die Ergebnisse des DNA- Vergleichs, welche die Identität endgültig klären soll, werden voraussichtlich erst in einigen Tagen vorliegen. Mittlerweile ist auch klar: Der Mann richtete sich durch einen Kopfschuss.

Polizeieinsatz wird evaluiert

Nach dem Leichenfund wird in dem Answesen ein riesiges Waffenarsenal ausgehoben. Der Wilderer hat in seinem Haus Gewehre von der Entenbüchse bis zum Elefantentöter gehortet. Die Anzahl der Waffen liege im dreistelligen Bereich, erklärt der stellvertretende Kommandant der Cobra, Oberst Walter Weninger, am Mittwoch im ORF- Radio. Bei dem Sonderkommando herrscht einen Tag nach dem Tod des Kollegen "betroffene Stimmung", so Sprecher Polay. Der Polizeieinsatz soll nun evaluiert werden, kündigt der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, an.

18.09.2013, 17:18
red/AG/Kronen Zeitung
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