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16.08.2017 - 15:45
Foto: APA/ERNST WEISS

Katastrophe von Wilhelmsburg jährte sich zum 10. Mal

02.12.2009, 19:08
"Es war 18.32 Uhr." Otto Kernstock, damals Vizebürgermeister von Wilhelmsburg (Bezirk St. Pölten), erinnert sich exakt an die Uhrzeit an jenem 2. Dezember 1999, als ein Wohnhaus im Conrad Lester Hof durch eine Gasexplosion zerstört wurde und letztlich zehn Menschen ums Leben kamen. "Die Stadt wird das Unglück nie vergessen", sagt er anlässlich des zehnten Jahrestages der Katastrophe.

Ein Blitzschutzmonteur hatte am Nachmittag des 2. Dezembers 19999 versehentlich eine Gasleitung angebohrt, worauf das Gebäude evakuiert wurde. Gegen 17 Uhr durften die Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren - um 18.32 Uhr kam es zur Explosion.

Kernstock, seit 2003 Landtagsabgeordnerter, war seinerzeit unter den ersten Helfern am Unglücksort. Die Explosion hatte sich ereignet, als der Stadtrat getagt hatte: "Die Sitzung wurde durch einen dumpfen Knall unterbrochen", erinnert sich Kernstock. Obwohl etwa 500 Meter entfernt, habe auch das Rathaus "gewackelt", so der damalige Vizebürgermeister.

"Furchbarer Gasgeruch" breitete sich aus

Die Stiege 2 des Conrad Lester Hofes 4 sei ein Schutthaufen gewesen, der geraucht habe, schildert Kernstock. Außerdem erinnert er sich an "furchtbaren Gasgeruch". Neun Menschen starben unmittelbar in den Trümmern, eine 76- jährige Frau, der beide Beine amputiert werden mussten, erlag später ihren Verletzungen. Trotzdem gab es in der Dezembernacht vor zehn Jahren auch so etwas wie ein "Wunder von Wilhelmsburg". Denn in den frühen Morgenstunden wurde die eine damals 15- Jährige lebend aus den Trümmern geborgen. Sie wohnt laut dem amtierenden Bürgermeister Herbert Choholka nach wie vor in Wilhelmsburg .

Kernstock, der sich vor zehn  Jahren auch als Krisenmanager erwiesen hat, wird "noch immer täglich an das Unglück erinnert". Das liege daran, dass er selbst nach wie vor im Conrad Lester Hof wohnt und - beim Spaziergang mit seinem Hund - an der für die Opfer errichteten Gedenkstätte vorbeigeht (Bild, links). Außerdem habe er nach dem Unglück sechs der Opfer identifiziert ("Die Bilder habe ich heute noch vor mir") und im Auftrag der Gemeinde die Todesnachrichten an Angehörige überbracht.

Wilhelmsburg war Geburtsstunde für KIT

Das Unglück am 2. Dezember 1999 habe viel Zusammenhalt in der Bevölkerung bewirkt, so Bürgermeister Choholka. Das habe sich bis heute gehalten - insbesondere im Conrad Lester Hof. Laut Kernstock ist die Katastrophe, mit der Wilhelmsburg seither in Verbindung gebracht wird, auch die Geburtsstunde der Kriseninterventionsteams (KIT) gewesen. "KIT sind heute Standard. Wilhelmsburg war der Auslöser."

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