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Foto: Andi Schiel / Video: krone.tv

Justizangestellte erschossen, weil sie beruhigen wollte

16.12.2009, 19:33
Am Bezirksgericht Hollabrunn ist am Mittwoch eine 42-jährige Angestellte durch einen Kopfschuss getötet worden. Die zweifache Mutter musste offenbar sterben, weil sie den mutmaßlichen Täter, einen Mittelschullehrer und akademischen Maler, hatte beruhigen wollen: Der 57-Jährige war laut Polizei in der Absicht ins Gerichtsgebäude gekommen, eine Richterin zu töten - jene Juristin, die sein kürzlich abgeschlossenes Scheidungsverfahren geleitet hatte.

Der 57- Jährige hatte das Gerichtsgebäude um 10.50 Uhr betreten und an der Einlaufstelle nach der Richterin verlangt. Die Mitarbeiterin habe sich durch sein vehementes, erbostes Auftreten bedrängt gefühlt, sagte Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamts. Sie rief ihre Vorgesetzte, eine 42- jährige Rechtspflegerin, die anschließend versuchte den Mann zu beruhigen - doch sie bezahlte ihr Einschreiten mit dem Leben. Der Verdächtige habe eine Waffe gezogen und ihr in den Kopf geschossen.

Dann verließ der Mann das Gebäude, wobei er die Waffe verloren haben dürfte - sie wurde später vor dem Haus gefunden. Doch er machte kehrt und ging noch einmal hinein, wo er im Eingangsbereich - nur vier Minuten nach der Tat -  von der Polizei festgenommen wurde.

Schütze "fühlte sich ungerecht behandelt"

"Aktuell wurde ein Zivilprozess verhandelt", berichtete Wilhelm Tschugguel, der Leiter des Landesgerichts Korneuburg. Das Scheidungsverfahren des Schützen war längst abgeschlossen. Der Mann habe sich aber ungerecht behandelt gefühlt und "hat sich nach Abschluss des Verfahrens immer wieder beschwert", so Tschugguel. Erst am Dienstag soll der Verdächtige bei einem Referenten im Justizministerium diesbezüglich angerufen haben.

Der 57- Jährige habe zugegeben, dass er die Juristin hätte töten wollen, sagte Polzer. Zum Tatzeitpunkt sei der Mann schwer alkoholisiert gewesen. Die Waffe sei eine Pistole FN. Der Mann ist Inhaber einer Waffenbesitzkarte .Die Einvernahme des mutmaßlichen Täters wird laut Polizei noch bis in die Abendstunden dauern. Der Mann habe bei den bisherigen Befragungen aus seiner grundsätzlichen Abneigung gegen die Justiz kein Hehl gemacht.

Eingang weder versperrt noch gesichert

Das Bezirksgericht Hollabrunn ist ein aufwendig restaurierter Gründerzeitbau im Zentrum der Stadt. Vier Richterinnen und 19 Bedienstete sind in dem Gebäude in der Winiwarterstraße beschäftigt. Der Eingang ist weder versperrt noch gesichert. Es gibt keinen Portier und auch keine Sicherheitsschleuse. Justizministerin Claudia Bandion- Ortner kündigte vor Ort an, dass der Sicherheitsbeirat der Justiz "den verstärkten Einsatz von Sicherheitsschleusen an den Gerichtseingängen prüfen" werde.

Gewerkschaft fordert Sicherungsmaßnahmen

Auch vonseiten der Gewerkschaft sieht man Handlungsbedarf: Mit einer Sonderfinanzierung müsse man rasch bei allen Gerichten wirksame und dauerhafte Sicherheitskontrollen einführen. "Der Dienstgeber ist verpflichtet, die Sicherheit aller Bediensteten zu gewährleisten und ist dieser Verpflichtung aus Kostengründen bisher nur mangelhaft nachgekommen", kritisierte die Gewerkschaft. –"Gerade die Mitarbeiter bei den Bezirksgerichten, unabhängig von ihrer Größe, sind aufgrund ihrer Zuständigkeit für oft sehr emotionsbeladene Scheidungs- und Familienrechtsangelegenheiten einem besonders hohen Sicherheitsrisiko ausgesetzt."

Die getötete Frau war Rechtspflegerin in Familienrechtssachen und Vorsteherin der Geschäftsstelle. Sie hinterlässt einen Ehemann und zwei Kinder im Volksschulalter. Das Rote Kreuz und das Akutteam des Landes betreuten mit mehreren Kriseninterventionsteams an insgesamt vier Orten eine größere Anzahl an Betroffenen und Familienangehörigen.

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