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26.09.2017 - 20:15
Foto: APA/Robert Parigger

55- Jährige wegen Mordes an Ehemann vor Gericht

16.08.2010, 17:03
Ist es ein „Unfall“ gewesen? Oder doch Mord? Vielleicht gar eine vom Opfer selbst herbeigeführte „Erlösung“? Die zarte Frau mit dem grauen zum Zopf geflochtenen Haar hielt auf jeden Fall die Waffe in der Hand. Und drückte ab. Ihr Ehemann starb. Doch beim Mordprozess in Wr. Neustadt sagte sie, genau das war vielleicht sein Plan.

Eine Schulliebe war das, was Josef (56) und Helga (55) I. verbunden hatte. 38 Jahre waren sie zusammen, 30 davon verheiratet. Und es waren gute Jahre – der Mann erfolgreich als Bankdirektor, sie jahrelang Hausfrau und Mutter. Keine Schulden, ein schönes Haus. Bis er nach einer Fusion seinen Job verlor, in eine tiefe Depression schlitterte und zu trinken begann. Sie blieb bei ihm – „weil ich ihm vertraut habe und ich es ja trotzdem gut gehabt hab“.

Nur die Flaschen hat sie nummeriert, ehe sie ins Büro ging,  erzählt sie schluchzend Richterin Alexandra Baumann und den Geschworenen. Aber so „richtig torkelnd betrunken“ sei er nie gewesen. Trinken könne er „wie ein Fass ohne Boden“, habe der „Gatte“ gesagt. Aber die Lebensfreude habe er halt irgendwie verloren: „Er hat sich als Versager bezeichnet, mehr als einmal gesagt, dass er Schluss machen will. Ich hab ihn nicht ernst genommen.“

Verdrängen war ihr Motto

Bis es schien, dass er endlich ein Hobby gefunden hatte: Waffen. „Da war er auch auf dem Schießstand und hat mit einem Nachbarn Zeitschriften angeschaut.“ Sie wollte nichts damit zu tun haben, er hatte sie in einem Safe in seinem „Stüberl“ aufbewahrt. Und ließ es bei ein paar zaghaften Versuchen, seine Frau doch noch zu interessieren, bewenden.

Bis zu jenem Abend im Februar. „Ein harmonischer Abend“, wie Helga Ilias betonte. Käsebrote gegessen habe man, Rotwein dazu getrunken, geredet. Da stand er dann wie aus heiterem Himmel mit der Waffe vor ihr. „Nimm sie ruhig, sie ist eh nicht geladen, hat er gesagt. Und ich hab‘s genommen, weil ich ihm halt einmal eine Freud machen wollte. Und dann hat er gesagt, drück ab. Ich hab ihm doch immer vertraut“, weinte sie laut auf.

Denn – die Waffe war doch geladen. Der Schuss tödlich. „Gelöst gelächelt hat er im Sterben“, zitiert Verteidiger Friis aus den Polizeiprotokollen.

Tötung auf Verlangen? „Nein“, sagt Staatsanwalt Hans Fuchs. Denn das Opfer hatte 3,7 Promille. Und war damit sicherlich nicht in der Lage, „seinen Willen zu äußern, und zwar ernsthaft und glaubhaft. Das geht nicht im Zustand der vollkommenen Berauschung!“


Der Geschworenen- Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Es müssen noch Gutachter und Zeugen gehört werden.

von Gabriela Gödel, Kronen Zeitung

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