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10.12.2016 - 01:57
An der Wand (rechts) vermutet Forscher Reeves vermauerte Durchgänge.
Foto: EPA, Factum arte/Ministry of State for Antiquites and Heritage

Zweifel an Theorie zu Kammern: Doch nur eine Wand?

13.06.2016, 10:50

Seit dem Sommer, als der Ägyptologe Nicholas Reeves nicht nur die Fachwelt mit seiner Theorie über verborgene Kammern im Grab von Tutenchamun in Aufregung versetzte, stieg die Spannung, doch nun gibt es Zweifel an der Theorie. Der Grund: Die Daten der jüngsten Radarmessungen konnten die ersten Hinweise nicht nur nicht bestätigen, sie scheinen den bisherigen Ergebnissen sogar zu widersprechen, heißt es.

Ein weiterer Scan im Tal der Könige sollte Anfang April den Beweis liefern. Doch dann geschah erst einmal nichts. Keine verkündeten Ergebnisse, keine neuen Pressekonferenzen oder euphorische Zitate zuständiger Minister. Mittlerweile herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. Denn die jüngsten Radarmessungen lieferten nicht nur keinen Beweis für weitere Räume in der weltberühmten Grabkammer. Sie scheinen den bisherigen Ergebnissen zu widersprechen.

Die zwei von Nicholas Reeves vermuteten Kammern (x und y)
Foto: © Theban Mapping Project

Es waren Linienstrukturen, die Reeves neugierig gemacht hatten. In hochauflösenden Aufnahmen der nördlichen und westlichen Kalksteinwand der 1922 entdeckten Grabkammer des Kindkönigs Tutenchamun (um 1330 vor Christus) erkannte der englische Wissenschaftler vermauerte Durchgänge. Der ehemalige ägyptische Antikenminister Mamduch Damati sprach schon von der "Entdeckung des Jahrhunderts".

Forscher vermutete hinter Wand Mumie der Nofretete

Doch Reeves im vergangenen Sommer veröffentlicht Theorie, wird sogar noch fantastischer. Hinter der Nordwand vermutet der Forscher die Mumie der sagenumwobenen und legendär schönen Pharaonin Nofretete.

Die Büste von Königin Nofretete im Alten Museum in Berlin
Foto: APA/dpa/Stephanie Pilick

Nach Reeves Veröffentlichung waren sich die Gelehrten überwiegend einig: Die entdeckten Strukturen in den Wänden weisen auf Durchgänge hin. Noch im März schätzte Antikenminister Damati die Wahrscheinlichkeit auf unentdeckte Kammern auf "über 90 Prozent".

Das war nach der Auswertung von Radaraufnahmen des Experten Hirokatsu Watanabe. Der Japaner war sich sicher, zwei zusätzliche Räume erkannt zu haben. Zudem auch entweder metallisches oder organisches Material. Watanabe hat die Rohdaten seiner Messungen aber nie veröffentlicht. Dazu kommt, dass er seine Ausrüstung angeblich so weit modifiziert hat, dass nur er selbst mit den Ergebnissen arbeiten kann.

Der japanische Radarspezialist Hirokatsu Watanabe
Foto: APA/EPA/STR

Keine Hinweise auf neue Kamern bei neuer Messung

Eine weitere Radarmessung wurde angesetzt. Diesmal durch einen Ingenieur von "National Geographic", wie das Wissenschaftsmagazin berichtete. Mit zwei verschiedenen Frequenzen wurden über Stunden insgesamt 40 Einzelscans gemacht. Und diese bestätigten die bisherigen Hinweise auf Kammern nach Angaben des Magazins nicht.

Verschiedene Spezialisten werteten die Daten aus: Von Kammern keine Spur. Geophysiker Dean Goodman sagte "National Geographic": "Wenn wir einen Hohlraum hätten, müsse es eine starke Reflexion geben". Diese gebe es aber schlicht und einfach nicht.

Das Antikenministerium in Kairo hält sich bedeckt. Ja, bei einer Konferenz in Kairo im Mai seien die Wissenschaftler uneins gewesen, ob Reeves Theorie zu halten sei. "Es wird einen neuen Scan geben, weil es möglicherweise Störsignale gegeben hat", sagt eine Sprecherin. Einen Zeitplan dafür gebe es aber nicht. Auch keine neuen Pressekonferenzen. Von der Euphorie einer Jahrhundert- Entdeckung ist momentan wenig zu spüren.

13.06.2016, 10:50
AG/red
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