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08.12.2016 - 17:22
Künstlerische Darstellung des kalten intergalaktischen Regens
Foto: NRAO/AUI/NSF, Dana Berry/SkyWork

Wolken aus Gas stürzen in riesiges Schwarzes Loch

11.06.2016, 08:02

Mithilfe des Teleskopverbundes ALMA in Chile sind Forscher Zeugen eines bis dato noch nie gesehenen kosmischen Wetterphänomens geworden. Sie konnten beobachten, wie gewaltige intergalaktische Wolken aus kaltem Gas quasi in ein supermassereiches Schwarzes Loch im Zentrum einer Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie namens Abell 2597 Brightest Cluster Galaxy "regnen".

Bisher gingen Astronomen davon aus, dass sich die supermassereichen Schwarzen Löcher in den größten Galaxien ausschließlich durch eine langsame und gleichmäßige Zufuhr ionisierten Gases aus dem sogenannten Halo  der Galaxie ernähren. Die nun gemachten Beobachtungen mit ALMA (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array) würden jedoch zeigen, dass auch sehr kaltes molekulares Gas aus riesigen Wolken sintflutartig in das Schwarze Loch "hineinregenen" kann, wenn die intergalaktischen Wetterbedingungen passen, so die Forscher.

Antennenschüsseln des ALMA in den chilenischen Anden
Foto: ESO/C. Malin

"Obwohl dieses Szenario in den letzten Jahren bereits eine gängige Theorie war, konnten wir mit unseren Beobachtungen den ersten Schritt hin zu einem eindeutigen Beweis liefern, dass sich supermassereiche Schwarze Löcher auch von solchen Sturzfluten aus kaltem Gasregen ernähren können," meint Grant Tremblay, Astronom an der Yale University in New Haven im US- Bundesstaat Connecticut.

Mit ALMA hellen Sternhaufen unter die Lupe genommen

Tremblay und sein Team hatten mit ALMA einen ungewöhnlich hellen Sternhaufen aus etwa 50 Galaxien in Augenschein genommen, der als Abell 2597 bezeichnet wird. In seinem Zentrum befindet sich eine massereiche elliptische Galaxie, die als Abell 2597 Brightest Cluster Galaxy ("hellste Haufen- Galaxie", Bild) bezeichnet wird. Der Raum zwischen den Galaxien in dem Sternhaufen ist mit einer heißen, ionisierten Gashülle ausgefüllt, so der Astronom.

Kompositbild der hellsten Galaxie im Sternhaufen Abell 2597
Foto: B. Saxton (NRAO/AUI/NSF)/G. Tremblay et al./NASA/ESA Hubble/ALMA

"Dieses sehr, sehr heiße Gas kann sich schlagartig abkühlen, kondensieren und auf gleiche Weise wie schwüle Luft in der Erdatmosphäre Regenwolken und Niederschlag erzeugen", erklärt Tremblay. "Die neu kondensierten Wolken regnen dann auf die Galaxie hinab, fördern die Sternentstehung und füttern ihr supermassereiches Schwarzes Loch." Man habe möglicherweise einen galaxienumspannenden Regenguss beobachtet, der ein Schwarzes Loch füttert, dessen Masse etwa dem 300- Millionenfachen der Sonnenmasse entspricht, so der Forscher.

Gibt es Tausende solcher kalten Gaswolken?

Obwohl sie mit ALMA nur drei Wolken aus kaltem Gas in der Nähe des Schwarzen Lochs entdecken konnte, vermuten die Astronomen, dass es Tausende von ihnen in der näheren Umgebung geben könnte, die möglicherweise für einen fortlaufenden Sturzregen auf das Schwarze Loch sorgen und es damit auf lange Sicht am Leben erhalten. Sie planen deshalb, mit ALMA auch in anderen Galaxien nach solchen "Regenschauern" zu suchen, um herauszufinden, ob dieses kosmische Wetterphänomen so weit verbreitet ist, wie es derzeitige Theorien nahe legen.

11.06.2016, 08:02
wed, krone.at
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