Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
27.09.2016 - 15:55
Van der Bellen auf dem Tiroler Kaunerberg, beobachtet von "Krone"-Innenpolitiker Claus Pándi (re.)
Foto: Claus Pándi / Video: APA

Wie Van der Bellen gegen böse Gerüchte anwandert

06.08.2016, 08:00

Vor dem dritten Durchgang der Bundespräsidentenwahl marschierte Alexander Van der Bellen für den Medientross gegen die bösen Gerüchte durch seine Tiroler Bergheimat. Die "Krone" war embedded.

Dem Staatsorgan "Wiener Zeitung" war die Bergtour des Präsidentschaftskandidaten ein Foto auf der Titelseite wert. Unter der Schlagzeile "Wanderbellen" spendierte ein Gratisboulevardblatt dem Ausflug in die Ötztaler Alpen eine üppig bebilderte Story. Das Großbürgerblatt "Die Presse" schenkte der Almshow des Hofburgbewerbers mit aristokratischem Hintergrund prominent platzierte 149 Zeilen.

Hingegen versenkte "Der Standard" den alpinen Wahlkampfwiederholungsauftakt des ehemaligen Grünen- Chefs als kleinen Bildtext weiter hinten im Blatt. Dafür klotzte die "Kleine Zeitung" mit einer doppelseitigen Reportage über eine "beinahe sentimentale Wanderung durch Tirols Bergwelt".

Foto: APA/Amélie Chapalain

Zwei ORF- Teams für rustikale Wahlshow

Und der ORF war zum rustikalen Politikevent im Kaunertal gleich mit zwei Kamerateams aufgekreuzt - einmal für das Landesstudio Tirol, einmal für die "Zeit im Bild" vom Küniglberg in Wien entsandt.

Werbetechnisch ein voller Erfolg für Van der Bellens Kampagnentrupp. Das Ziel: die sich seit Monaten hartnäckig haltenden Gerüchte über Gesundheitsprobleme des 72- Jährigen zu zerstreuen, wurde erreicht. Immerhin kann sich der Mann auf 2000 Metern Seehöhe eine Chesterfield reinziehen, ohne danach ins Schnaufen zu kommen. Das können nicht einmal viele Nichtraucher von sich behaupten.

"Wir hatten damals nichts"

Dazu gibt es die mehr oder weniger subtile Geschichte vom glücklichen Flüchtling, der 1944 in Wien zur Welt kam, nachdem seine Eltern 1941 aus Estland ausgewandert waren, bei Bedarf auch heute noch Kaunertalerisch spricht und für den Medientross perfekt abgestimmte Sachen sagt wie: "Ich, das Flüchtlingskind, habe hier in den Tiroler Bergen eine Heimat geschenkt bekommen." Um das Klischee abzurunden, werden noch Erzählungen wie "wir hatten damals nichts" oder "die Mama musste für ein paar Zwetschken stundenlang in einen anderen Ort gehen" nachgeliefert. Sätze, die in vielen Familien von den milde gewordenen Großeltern zu hören sind.

Van der Bellen wanderte mit politischen Weggefährten und Journalisten.
Foto: APA/Amélie Chapalain

Später dann, als junger Erwachsener, musste Alexander Van der Bellen dennoch immer den inneren Drang gespürt haben, irgendwo und irgendwie dazugehören zu müssen. Kurze Zeit nur bei den Freimaurern (beliebt bei allen Verschwörungstheoretikern), bei der SPÖ, schließlich bei den Grünen. Was er da suchte, kann er selbst nicht schlüssig beantworten.

Aber "jedermann erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält", schrieb Max Frisch. Und Van der Bellen, der schon fast Bundespräsident war, zählt jedenfalls nicht zu den vielen eher uninteressanten Zeitgenossen, die auf der politischen Bühne alimentiert werden.

Van der Bellen bleibt immer auf Abstand

Richtig nahe kommt man Van der Bellen ohnehin schwer. Er ist kein Haberer. Von niemandem. Selbst bei einem seiner langjährigsten Freunde aus dem Kaunertal, "dem Hans", bleibt eine gewisse Restdistanz zu spüren. Das ist gar nicht unangenehm. Vor allem in Wahlkampfzeiten. Da wird rasch jeder Politiker zum besten Freund des Journalisten. Alexander Van der Bellen bleibt immer auf Abstand. Ausnahme sind nur seine Frau, seine Kinder, seine beiden Hunde.

Der Single Trail, also ein Pfad, der so schmal ist, dass man nicht nebeneinander gehen kann, sondern nur hintereinander, kommt Van der Bellens Charakter bei der Bergtour mit dem Medientross im Schlepptau daher durchaus entgegen. Vor allem seinem Hang zum Schweigen. Im dritten Durchgang der Präsidentenwahl sind allerdings auch kaum noch neue Erkenntnisse zu erwarten. Es ist bereits alles gesagt.

Foto: APA/Amélie Chapalain

Nun werden nur die Positionen den aktuellen Entwicklungen angepasst. Also dass es falsch wäre, "vor Erdogan in die Knie zu gehen".  Österreich dürfe jedoch an der "Entwicklung der Türkei nicht desinteressiert" sein. Angela Merkel findet Van der Bellen auch noch immer gut. Ihm gefällt, dass die deutsche Kanzlerin "nicht hysterisch agiert". Und den Brexit, Englands EU- Austritt, sieht er als möglichen Turbo für seine Wahlwerbekampagne. Denn jetzt zeigen sich die "schwerwiegenden Folgen für die Menschen in Großbritannien auf dem Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft".

Kein Wort zu den Grünen

Kein Wort wert ist Van der Bellens politische Heimat, die Grünen. Sein Wahlkampfteam wirkt, als wäre es vor Parteichefin Eva Glawischnig geflüchtet, um deren Idol, "dem Sascha", zum Sieg zu verhelfen. Mit dabei auch eine Mitarbeiterin der grünen Wiener Vizebürgermeisterin. Sie geht lieber ein Stück des Weges mit Van der Bellen, statt im Rathaus auf bessere Zeiten zu warten. Das Etikett "unabhängig" auf der Präsidentschaftskampagne wirkt auf einmal fast glaubwürdig. Zu Bemerkungen dazu lässt sich Van der Bellen nicht provozieren. Er bevorzugt seine Lieblingsdisziplin: Schweigen.

06.08.2016, 08:00
Claus Pándi, Kronen Zeitung
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2016 krone.at | Impressum