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10.12.2016 - 08:58
Foto: krone.tv / Video: krone.tv

"Wenn du keine Freunde hast, wird es ganz bitter!"

29.11.2016, 16:46

Für viele bedeutet die Weihnachtszeit Familie und Besinnung. Doch mehr als 8000 Menschen in Wien feiern alleine auf den Straßen. Obdachlose müssen ab jetzt die eisigen Temperaturen durchstehen. krone.at sprach mit ihnen über den Winter. Obwohl die Sonne scheint, hat es an diesem Tag nur drei Grad.

Sie liegen auf alten Matratzen unter der Friedensbrücke, sitzen in Hauseingängen auf der Mariahilfer Straße oder warten auf eine warme Mahlzeit vor der Sozial- und Beratungsstelle JOSI an der Josefstädter Straße. Dick eingehüllt in alten Wintermänteln und mit den wenigen Habseligkeiten in einem Plastiksackerl warten sie. Sie warten, bis der neue Tag anbricht und sie Unterschlupf in Wiens Sozialeinrichtungen finden können.

Friedensbrücke

Es ist Montag, 9.30 Uhr. Unter der Friedensbrücke stehen zwei alte Matratzen nebeneinander. Auf der einen schläft eine Person, dick eingepackt unter vielen Decken. Auf den ersten Blick ist kaum zu erkennen, dass dort jemand liegt. Die vielen Laken lassen kaum menschliche Umrisse erkennen und auch Bewegungen sind nicht auszumachen. Auf der anderen Matratze wacht ein Mann auf. Er erzählt uns, dass er seit knapp sechs Jahren auf der Straße lebt. Im Winter wechselt er immer den Schlafplatz: einmal unter der Friedensbrücke, ein anderes Mal in der Nähe der Josefstädter Straße. Seine Matratze nimmt er immer mit. Sie ist ihm heilig.

Ein Matratzenlager unter der Friedensbrücke
Foto: krone.tv

Mehr als 8000 Obdachlose in Wien

Mehr als 8000 Menschen in Wien sind von Obdachlosigkeit betroffen. Insgesamt stehen ihnen aber nur knapp 5000 Wohn- und Schlafplätze zur Verfügung. Angesichts der rasch sinkenden Temperaturen starteten viele soziale Einrichtungen für Wohnungslosenhilfe Winterpakete, die Menschen in Not auf eine Übernachtung im Freien vorbereiten sollen. Am Montag begann auch die Gruft der Caritas mit der Ausgabe ihrer Winterpakete. Diese beinhalten einen Schlafsack, Decken und warme Mahlzeiten für jene Menschen, die im Winter draußen nächtigen müssen. In regelmäßigen Abständen fahren nachts auch Kältebusse der Caritas Strecken ab, um nach dem Rechten zu sehen und weitere Schlafsäcke und Winterkleidung auszuteilen. Caritas- Präsident Michael Landau sagte zum Auftakt der Gruft- Winterpakete, dass er "niemanden unversorgt auf der Straße stehen" lasse.

Sandra: "Seit ich 15 bin, lebe ich auf der Straße"

In der Nähe der Gruft, im Esterhazy- Park, ist Sandra mit ihrem Hund unterwegs. Seit sie 15 Jahre alt ist, lebt sie auf der Straße. Mittlerweile hat sie endlich eine eigene Wohnung. Sie erinnert sich noch genau an ihren ersten Tag. Sie war wirklich froh, als sie in die Gruft ging und ihr eine warme Suppe gereicht wurde. Obwohl sie der Gruft für all die Hilfe dankbar ist, übt sie auch Kritik: Sie zweifelt die Regelmäßigkeit des Kältebusses an. Eine gute Freundin von ihr verlor ihr Leben. Sie war in der Nacht in ein Loch gefallen, was jedoch nicht bemerkt wurde. Am nächsten Morgen war sie bereits tot. "Sie ist zwei Tage nach ihrem 21. Geburtstag gestorben", erzählt Sandra. Der Partner der Freundin nahm sich danach das Leben.

Sandra: "Seit ich 15 bin, lebe ich auf der Straße"
Foto: krone.tv

5000 Notschlafquartiere

Doch nicht alle brauchen Decken und einen Schlafsack. Sie nutzen, wenn möglich, eines der knapp 5000 Notschlafquartiere in Wien. Die Caritas, das Rote Kreuz und der Arbeitersamariterverbund stellen Notschlafplätze für Wohnungslose zur Verfügung. Dort wird ihnen neben Duschmöglichkeiten auch Verpflegung in Form von kleinen Snacks geboten. So auch in der JOSI in der Josefstädter Straße: Obdachlose haben dort die Möglichkeit, sich eine warme Mahlzeit zu holen und bis zumindest 18 Uhr im Warmen zu bleiben. Danach muss ein Schlafplatz her.

Alfred, der Poet

Vor dem Hauseingang zur JOSI steht Alfred. Er trägt einen langen braunen Wolfspelzmantel. Um den Hals hängen diverse Ketten, auf seiner Haube hat er einige Blätter befestigt. Alfred ist Poet - das sieht man auch an seinen wild zusammengewürfelten Kleidungsstücken. Er selbst sei seit vielen Jahren obdachlos, und wenn er mal keinen Schlafplatz findet, dann schläft er eben im Park, sagt er. Sein Wolfspelzmantel hält ihn warm. Im Winter kann es nachts auf der Straße gefährlich werden. Er erzählt, dass einem alten Mann der Schlafsack angezündet wurde, während dieser noch darin lag. Er überlebte, erlitt aber schwere Verbrennungen. Das Schlimmste sei, so Alfred, "wenn man in der eisigen Jahreszeit keine Freunde hat": "Dann wird es bitter."

"Wenn du keine Freunde hast, dann wird es ganz bitter"
Foto: krone.tv

Zusätzliche Schlafplätze

Die Caritas ist heuer gut auf die Versorgung Obdachloser im Winter vorbereitet und bemüht, noch weit mehr Notleidenden zu helfen. So sagte Präsident Landau, dass er "140 zusätzliche Notquartiersplätze geschaffen" habe und weitere Plätze rasch folgen würden.

29.11.2016, 16:46
Alex Bischofberger- Mahr und Márcia Neves, krone.at
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