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05.12.2016 - 00:44
Foto: Martin A. Jöchl

Wahlanfechtung: Was soll das alles, Herr Hofer?

11.06.2016, 16:51

Wackelt die Angelobung von Wahlsieger Alexander Van der Bellen als neuer Bundespräsident am 8. Juli? Der unterlegene Norbert Hofer (45) spricht mit Conny Bischofberger über die Anfechtung der Stichwahl, das verlorene Vertrauen in die Demokratie und das Ende seiner Privatheit.

Die Tür zu seinem Büro im Parlament ist mit grünem Leder gepolstert, am Boden liegt ein Riesen- Perser. An der Wand des vier Meter hohen, dunklen Raumes hängt ein Gemälde, das Andreas Hofer zeigt, daneben drei Stiche des Tiroler Freiheitshelden. Im Regal: ein Single- Malt- Whisky. Auf dem Schreibtisch: ein Stapel Autogrammkarten, Aufdruck: "Die Stimme der Vernunft, Norbert Hofer, Bundespräsident." Daneben "Omni- Biotic Stress Repair"- Pillen und ein Bergkristall.

Obwohl Norbert Hofer am Stock geht, begrüßt er mich mit Handkuss. Dann nimmt er auf der dunkelgrünen Chesterfield- Couch Platz, rückt seine blau- gelb- karierte Krawatte von Charles Tyrwhitt zurecht und nimmt einen Schluck vom energetischen Wasser (im Krug steht ein Stab mit Edelsteinen). Hinter ihm lacht Tochter Anna- Sophie von einem Foto- Poster.

Foto: Martin A. Jöchl

"Krone": Herr Hofer, die FPÖ hat die Stichwahl angefochten. Erkennen Sie Alexander Van der Bellen als Bundespräsident nicht an?
Norbert Hofer: Der Herr Bundespräsident ist für mich immer noch der Herr Dr. Fischer.

"Krone": Trotzdem haben Sie die Stichwahl knapp verloren. Was soll das alles?
Hofer: Ich verstehe, wenn das auch Unmut auslöst. Ich war bei der Sitzung des FPÖ- Bundesparteivorstandes dabei, als wir das Ergebnis der Stichwahl besprochen haben. Ich habe dort schon gesagt, dass ich keine Anfechtung möchte, außer es gibt Fakten, die so schwerwiegend sind, dass man nicht anders kann. Diese Situation ist eingetreten. Sogar der Verfassungsrechtsexperte Heinz Mayer, der bekanntlich im Personenkomitee für Alexander Van der Bellen saß, hat von "unfassbarer Schlamperei" gesprochen.

"Krone": Aber es kann Ihnen doch nicht recht sein, dass jetzt sogar die Angelobung des Wahlsiegers wackelt und Sie am Ende als schlechter Verlierer dastehen!
Hofer: Das hoffe ich nicht, dass das am Schluss übrig bleibt, denn wir hatten gar keine andere Möglichkeit, als diesen Schritt zu setzen, weil die Verfehlungen so eklatant sind. Da wurden Gesetze in einem Umfang gebrochen, den alle für unmöglich gehalten hätten. Wenn unsere Fakten anerkannt werden, dann war das keine demokratische Wahl. Da geht es um eine halbe Million Wahlkarten, die nicht rechtmäßig gezählt wurden.

"Krone": Aber doch nicht mit Betrugsabsicht.
Hofer: Nein, ich glaube auch, dass es Schlamperei ist. Aber Wahlbehörden und Beamte können nicht einfach Gesetze ignorieren! Das ist unfassbar und hat mich sehr erschüttert. Dabei geht es nicht darum - das möchte ich wirklich unterstreichen -, dass ich unbedingt gewinnen möchte.

Foto: Martin A. Jöchl

"Krone": Halten Sie das überhaupt für möglich, falls die Wahl partiell oder ganz wiederholt werden sollte?
Hofer: Das weiß ich nicht. Erst einmal muss der Verfassungsgerichtshof entscheiden. Wenn die Wahl nicht wiederholt wird, werde ich das auch zur Kenntnis nehmen.

"Krone": So nach dem Motto: erst anfechten, sich dann aufregen und den Groll der Wähler nutzen? Das wäre doch ein Schachzug ohne Aussicht auf Erfolg.
Hofer: Es ist kein Schachzug. Mir ist sehr wohl bewusst, dass es für alle Seiten eine schwierige Situation ist. Einerseits für mich, denn ich möchte nicht als schlechter Verlierer dastehen, und das bin ich auch nicht. Andererseits für Dr. Van der Bellen, weil hier der Eindruck entstehen könnte, er selbst wäre verantwortlich für die Dinge, die hier vorgefallen sind. Ist er natürlich nicht. Für die Fehler sind die Wahlbehörden verantwortlich. Schließlich hat auch der Verfassungsgerichtshof eine Entscheidung zu treffen, die überaus schwierig ist.

"Krone": Sie hätten aber die Macht gehabt, Ihrer Partei zu sagen: Lassen wir es gut sein!
Hofer: Das geht nicht! Das wäre der Bruch eines Eides gewesen, den wir alle geschworen haben, nämlich auf die Verfassung zu achten. Wenn so schwere Fehler passiert sind, kann man nicht zur Tagesordnung übergehen.

"Krone": Haben Sie mit Alexander Van der Bellen über die Anfechtung gesprochen?
Hofer: Nein. Aber ich fand die Stellungnahme seines Wahlkampfleiters Lothar Lockl sehr in Ordnung, der meinte, er sehe die Anfechtung gelassen, und rechtliche Schritte seien zulässig.

Foto: Martin A. Jöchl

"Krone": Die internationalen Pressestimmen sind sehr negativ. Die FPÖ gefalle sich in der Opferrolle, der Gesamteindruck der Wahlanfechtung durch die Rechtspopulisten sei katastrophal, lautet der Tenor.
Hofer: Mir gefällt die Opferrolle überhaupt nicht. Ich möchte nicht Opfer sein, ich möchte gestalten, und zwar mit 2,2 Millionen Wählern hinter mir. Denn ich habe das Limit von 50 Prozent der Stimmen ja nur knapp verpasst. Die Pressestimmen stören mich aber überhaupt nicht. Diese Medien haben schon im Wahlkampf gegen mich geschrieben und trotzdem hat mich die Hälfte der Österreicher gewählt.

"Krone": Zerstören Sie mit der Anfechtung nicht das Vertrauen in die Demokratie?
Hofer: Absolut, das Vertrauen in die Demokratie ist zerstört. Aber nicht durch die Wahlanfechtung, sondern durch die Schlampereien. Ich dachte immer, dass Wahlen bei uns im Großen und Ganzen rechtens sind. Kleine Fehler hat es bestimmt immer gegeben, aber dieses Ausmaß ist erschreckend.

"Krone": Halten Sie es für möglich, dass schon bei früheren Wahlen Fehler passiert sind?
Hofer: Ich schließe das nicht aus. Wir müssen das für die Zukunft deshalb verhindern. Auch die Grünen haben ja bei der letzten Wien- Wahl das Wahlkartensystem heftig kritisiert.

"Krone": Herr Hofer, Sie sind nach der verlorenen Schlacht in einer Therme in Ungarn abgetaucht. Was ist da so alles durch Ihren Kopf gegangen?
Hofer: Das Abtauchen hat nicht funktioniert. Die Gäste aus der Schweiz und aus Deutschland haben mich erkannt, es wurden sogar Selfies im Schwimmbecken verlangt. Ich habe das wirklich unterschätzt. Mein Bekanntheitsgrad ist jetzt so hoch, dass ich nie mehr privat sein werde...

Foto: Martin A. Jöchl

"Krone": Bedauern Sie das oder schmeichelt es Ihnen?
Hofer: Von beidem ein wenig. Vor zwei Tagen hab ich auf dem Balkon meiner Wohnung eine Wurstsemmel gegessen. Da seh ich, dass gegenüber in den Häusern die Leute die Fenster aufmachen und herüberrufen: "Grüß Sie, Herr Hofer!" Oder dass bei uns zu Hause in Pinkafeld Leute anläuten und fragen, ob ich zu Hause bin. Ein völlig anderes Leben ist das.

"Krone": Also blieb in Ungarn keine Zeit, die verlorene Wahl zu verkraften?
Hofer: Das habe ich schon am Montag erledigt. Nachdem ich auf Facebook gepostet hatte, dass es mir sehr leidtut, hab ich mich auf den Rasentraktor gesetzt und nicht einmal mehr gesehen, wie der Herr Innenminister das Endergebnis verkündet hat. Ich bin jemand, der mit sowas gut umgehen kann. Ich bin einfach durch meinen Garten gefahren und hab mich wieder anderen Aufgaben gewidmet.

"Krone": War Ihre Familie eigentlich sehr enttäuscht?
Hofer: Nein. Es war eine Mischung aus Erleichterung und Verwunderung, weil ja am Sonntag bis zum frühen Nachmittag ganz klar war, dass Van der Bellen nicht mehr gewinnen kann. Und dann hat sich plötzlich alles gedreht. Das Schöne ist: Meine Tochter ist sehr stolz auf mich, für sie spielt es keine Rolle, ob ich jetzt Bundespräsident bin oder nicht.

"Krone": Wie werden Sie den Vatertag feiern?
Hofer: Meine Frau ist Altenpflegerin und hat Samstag und Sonntag Dienst. Ich habe ein Picknick mit meiner Tochter geplant und hoffe, dass sie mitkommt. Denn meistens zieht sie ihre Freundinnen mir doch vor.

Zur Person von Norbert Hofer:
Geboren am 2. März 1971 in Vorau in der Steiermark, aufgewachsen in Pinkafeld. Ausbildung zum Flugtechniker, Systemingenieur bei der Lauda Air. In der Politik seit 1994. Vizebundesparteiobmann der FPÖ und seit 2013 Dritter Präsident des Nationalrates. Am 22. Mai unterlag Norbert Hofer in der Stichwahl Alexander Van der Bellen um 31.026 Stimmen. Vater von vier Kindern, in zweiter Ehe mit der Altenpflegerin Verena verheiratet.

11.06.2016, 16:51
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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