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25.06.2017 - 08:06
24. Dezember in Syrien: Was vom Kinderzimmer übrig blieb.
Foto: AFP/YOUSSEF KARWASHAN

Syrien - das sind wir alle!

24.12.2016, 10:45

Wenn wir über Syrien sprechen, reden wir nicht über etwas Fremdes, sondern über uns selbst, unsere eigene Geschichte. Die Werte, die uns so wichtig sind, stammen aus dem Nahen Osten und haben über die Bibel ihren Weg zu uns gefunden. Weihnachtliche Betrachtungen vom Leiter des Österreichischen Pilgerhospizes in Israel, Markus Bugnyar.

Der arabische Name von Aleppo, Halab, im Norden Syriens soll sich von dem arabischen Wort für Milch ableiten. Einst hatte Abraham seine Kühe hier auf die Weide geführt und sie gemolken. Im Süden des Landes, nahe bei Damaskus, liegen die beiden Städte Saidnaya und Maaloula. Hier leben weltweit die einzigen Christen, deren Umgangssprache heute noch Aramäisch ist: die Sprache Jesu.

Syrien ist die Wiege der Christenheit

Zehn Prozent der Einwohner Syriens sind (oder waren) Christen, die ältesten Gemeinden der Christenheit. Unter den Flüchtlingen ist ihre Zahl überproportional vertreten. Das sollten wir nicht vergessen. Die Wiege Jesu stand im Heiligen Land, Syrien aber ist die Wiege der Christenheit. Unzählige wichtige Klöster und Heilige waren hier beheimatet, viele Apostel brachen von hier auf, um das Evangelium nach Europa zu bringen. Die ersten Glaubensbekenntnisse der jungen Kirche wurden hier geschrieben.

Schäme mich, wenn ich in diese Kinderaugen blicke

Die Ärmsten in der derzeitigen Situation sind Kinder. Sie können weder einschätzen noch verstehen, was um sie herum geschieht. Sie erleben, was schon lange kein normales Kind bei uns sehen oder erdulden muss. In einem Alter, in dem sie nicht damit umgehen können. Diese Kinder werden alt, lange bevor sie erwachsen sind.

Foto: twitter.com
Foto: APA/AFP/KARAM AL-MASRI

In gewisser Weise erzählt uns diese scheinbar verlorene Generation unsere eigene Geschichte. Wenn ich heute hier in meiner zweiten Heimat in leere Kinderaugen schaue, schäme ich mich. Dafür, dass es mir besser geht als ihnen. Dafür, dass ich lange glaubte, wir seien unbeteiligt an ihrem Schicksal. Und dafür, dass ich meinen Großeltern nicht besser zugehört habe, als sie von ihrem Krieg und ihrer Not erzählt haben.

Hoffen auf Neubeginn wie einst bei uns

Auch in diesem Jahr werden viele Pilger am Heiligen Abend nach Bethlehem in Israel kommen. Den arabischen Christen ist noch das Entsetzen nach dem Attentat gegen die Kopten in Ägypten anzumerken. So schwierig uns die Lage der Welt im Moment auch erscheinen mag: In dem kleinen Kind in Bethlehem leuchtet die Hoffnung auf, wie es sein könnte, würden wir in Frieden miteinander leben. Zu Hause ist uns der Neubeginn geglückt, aus eigener Kraft und mithilfe von außen. Das gibt Hoffnung für diese Region. Auch wenn es ausweglos scheint und lange brauchen wird.

Markus Bugnyar,
Leiter des Österreichischen Pilgerhospizes in Israel

Redaktion
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