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26.06.2017 - 16:17
Foto: APA/AFP/MARCO BERTORELLO, AP

Sind wir für eine Unabhängigkeit Venedigs?

12.12.2016, 09:51

Die Veneter haben die Nase voll: 20 Milliarden Euro Steuergeld überweist eine der beliebtesten Touristenregionen Italiens jährlich an Rom. Dennoch hat sie keinen Minister im italienischen Parlament, das Geld, das für Schul- und Straßenbau zurückfließt, ist vergleichsweise gering. Jetzt wollen die Veneter die Unabhängigkeit und damit weg von Roms Chaos. Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Fremdenverkehr wären allerdings gravierend.

"Wir sind diese Trinkgelder leid, die uns dieser Schurkenstaat graziös zubilligt", sagt Riccardo Barbisan, Abgeordneter im venetischen Regionalparlament, gegenüber dem "Spiegel". "Schluss damit" ist seine Parole: "Wir müssen mit allen Mitteln unsere bedeutende Geschichte und unsere Kultur verteidigen." Der Kampf um die Unabhängigkeit tobt in Venetien bereits seit den 1970er- Jahren.

Die diversen Gruppierungen, die sich für den "Venexodus" einsetzen, stellen die Gültigkeit des Referendums infrage, durch das Venetien 1866 Teil des italienischen Nationalstaates wurde. Die meisten von ihnen wollen ein neues Referendum, das über die Unabhängigkeit der Region entscheiden soll. Einige gehen noch einen Schritt weiter und wollen sogar, dass alle Territorien der historischen Republik Venedig (Serenissima Repubblica) - also das heutige Veneto, Friaul- Julisch Venetien, einige Gebiete der Lombardei (Brescia, Bergamo, Crema und ein Teil der Provinz Mantua) und ein Teil des Trentino - mitabstimmen können.

Die Veneter haben die Nase voll - von den Touristen und von Rom.
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Mit Koffern demonstrieren die Bewohner der Lagungenstadt gegen die Touristenmassen.
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Venetische Sprache soll gestärkt werden

Da Venetien über keinen Autonomiestatus, wie etwa Katalonien in Spanien, verfügt, wird auch die historische Sprache nicht gepflegt. Doch auch das soll sich nun ändern. Schilder und Ausweise sollen zweisprachig werden, in Schulen und Amtsstuben sollen Italienisch und Venetisch gleichberechtigt sein, und wer einen Job bei der Polizei oder im Schulbetrieb haben wolle, der müsse die "Lingua Veneta" beherrschen, berichtet der "Spiegel".

Und auch der zweite Schritt in Richtung Unabhängigkeit soll bald folgen. Veneto- Präsident Luca Zaia von der Lega Nord will mit einem Referendum einen Autonomiestatus für Venetien erzwingen, so wie ihn beispielsweise Südtirol oder Sizilien haben. Die dürfen das Gros der Steuereinnahmen behalten und viele Entscheidungen ohne den Sanctus der römischen Staatsregierung treffen. Wie das Referendum ausgeht, ist absehbar: Mehr als 80 Prozent der befragten Veneter waren bei Umfragen für die Autonomie.

Mops - oder doch venezianischer Löwe?
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Auswirkungen auf Wirtschaft und Tourismus

Die Auswirkungen einer tatsächlichen Unabhängigkeit auf Italiens Wirtschaft und auch den Tourismus wären durchaus enorm. Abgesehen von den Steuereinnahmen, die Rom entgehen würden und zumeist in die wirtschaftlich schwachen Regionen Süditaliens gepumpt werden, könnte die beliebte Fremdenverkehrsregion ihre Vorstellungen von Tourismus radikal durchsetzen.

Foto: APA/AFP/MARCO BERTORELLO

Denn das Zusammenleben zwischen den Bewohnern Venedigs und den Millionen von Touristen ist oft schwierig. Hunderte venezianische Bürger hatten sich vor drei Wochen an einer Demonstration gegen das langsame Aussterben echter Bewohner der Lagunenstadt beteiligt. Organisiert wurde die Kundgebung von der Protestbewegung "Venessia.com", die gegen den Einwohnerschwund in Venedig und den Massentourismus kämpft. Zuletzt verabschiedete der Gemeinderat einen Erlass, der es Touristen verbietet, in Venedig Rad zu fahren. Die Maßnahme gilt nicht für Stadtbewohner.

Redakteurin
Michaela Braune
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