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21.01.2017 - 08:56
Finanzminister Schelling, Gesundheitsministerin Oberhauser
Foto: APA/ROBERT JAEGER, APA/GEORG HOCHMUTH, zwefo

Politik hat "kein Verständnis für Ärztestreik"

12.12.2016, 16:59

Politik und Ärztekammer liegen im Clinch, die Fronten sind verhärtet, auf der Strecke bleiben die Patienten. Am Mittwoch streiken die Hausärzte in Wien, Kärnten und im Burgenland, vor allem die geplanten Primärversorgungszentren - Gemeinschaftspraxen oder Netzwerke medizinischer Betreuung - sind den Ärzten ein Dorn im Auge. Die Regierung gibt sich zunehmend verärgert, Verständnis für die Arbeitsniederlegung gibt es nicht.

"Unser Ziel ist es, die weißen Flecken der medizinischen Versorgung auszumerzen. Die Ärztekammer will, dass sich die Mediziner selbst aussuchen, in welcher Form das passiert. Wir aber sagen, dass wir darauf schauen müssen, was die Patienten brauchen", betont Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) im Gespräch mit der "Krone". "Was mich wirklich ärgert, ist, dass den Leuten eingeredet wird, sie verlieren ihren Hausarzt", fährt Oberhauser fort.

Gemeinsam mit Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat Oberhauser nun einen Brief an die niedergelassenen Ärzte geschickt. Darin heißt es etwa: "Niemand wird wegen der gesetzlichen Änderungen seinen bzw. ihren Kassenvertrag verlieren. Auch an der freien ÄrztInnenwahl wird sich nichts ändern."

Ärztekammer fürchtet Verschlechterungen für Patienten

Es ist mehr die mächtige Vertretung der Mediziner als die Ärzte selbst, die gegen die Reform mobilmacht. Ärztekammerpräsident Arthur Wechselberger befürchtet, dass mit den Primärversorgungszentren Verschlechterungen für die Patienten einhergehen. Der Kontakt zum gewohnten Arzt gehe verloren, ebenso die Nähe der Ordination, das Leistungsspektrum werde eingeschränkt.

Ärztekammerpräsident Wechselberger
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Ministerin Oberhauser versucht die Bedenken zu zerstreuen: Es gehe nicht um eine Parallelstruktur, eine Vernetzung und Zusammenarbeit der Mediziner bringe zahlreiche Vorteile. "Wir haben schon sehr viele Anfragen, auch Apotheken wollen bei den neuen Modellen mitmachen", so Oberhauser.

Hintergrund: Machtkampf vor Kammerwahlen

Die Ärztekammer gilt - neben der Lehrergewerkschaft - als eine der mächtigsten Standesvertretungen des Landes. Auch innerhalb der Interessensgemeinschaft tobt ein heftiger Machtkampf, im kommenden Jahr stehen Kammerwahlen an. Das sei auch der eigentliche Grund für den vehementen Widerstand gegen jegliche Reform, ist hinter gar nicht so vorgehaltener Hand zu hören. Patientenanwalt Gerald Bachinger übt oft und heftig Kritik an der Ärztekammer - diese werde "mit ihrer Machtposition zum Problemfaktor im Gesundheitssystem".

Doris Vettermann, Kronen Zeitung

Redaktion
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