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29.03.2017 - 04:00
Foto: EPA/TOLGA BOZOGLU, AFP/ADEM ALTAN / Video: Zoomin.TV

Nach Anschlägen: Erdogan startet Rachefeldzug

12.12.2016, 14:45

Nach dem Doppelanschlag in Istanbul  hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag seinen angekündigten Rachefeldzug gegen Kurden gestartet. So wurden bei landesweiten Razzien 235 Menschen, darunter 198 Mitglieder der prokurdischen Partei HDP, festgenommen. Zudem bombardierte die türkische Luftwaffe PKK- Stellungen im Nordirak.

Die 235 Festgenommenen hätten "im Namen einer Terrororganisation" gehandelt und "Terrorpropaganda über soziale Medien verbreitet", meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Unter den 198 HDP- Anhängern und -Politikern würden sich auch die örtlichen Parteivorsitzenden von Istanbul und Ankara, Ayse Güzel und Ibrahim Binici, befinden.

Bei den Anschlägen auf die Polizei in Istanbul am Samstagabend waren laut jüngsten Angaben der Behörden insgesamt 44 Menschen getötet worden, größtenteils Polizisten. Zu den Taten bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans  (TAK), eine Extremistengruppe, die der PKK nahestehen soll. Erdogan hatte bereits unmittelbar nach dem Doppelanschlag Vergeltung angekündigt.  Die Attentäter würden "einen hohen Preis zahlen", Priorität habe jetzt der Kampf gegen die "Pest des Terrors", sagte er am Sonntag nach einem Besuch bei Verletzten.

Foto: EPA/TOLGA BOZOGLU, AFP/ADEM ALTAN

Erdogan: "Das Schwert des Staates reicht weit"

Auch der türkische Innenminister Süleyman Soylu schwor den Attentätern Rache. "Früher oder später werden wir unsere Vergeltung bekommen. Dieses Blut wird nicht ungesühnt bleiben, egal was der Preis, egal was die Kosten sind", sagte er. Erdogan und Soylu warnten zugleich all jene, die den Attentätern in sozialen Medien ihre Sympathie und Unterstützung ausgesprochen hatten. "Die Täter dürfen in den Medien und im Internet nicht verteidigt werden. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Merkt euch das: Das Schwert des Staates reicht weit", so Erdogan.

Erdogan besuchte am Sonntag Verletzte.
Foto: AP
Foto: AFP/OZAN KOSE, APA/lik Keplicz

Die türkischen Sicherheitskräfte gehen bereits seit dem gescheiterten Militärputsch im Juli hart gegen kurdische Oppositionspolitiker vor. Unter anderem wurden die beiden Ko- Vorsitzenden der HDP festgenommen. Zudem wurden Dutzende prokurdische Bürgermeister im Südosten des Landes verhaftet.

Armee bombardiert PKK- Stellungen

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag zudem berichtete, bombardierten und zerstörten türkische Kampfflugzeuge am Sonntagabend das Hauptquartier der kurdischen Rebellen in der nordirakischen Region Sap sowie nahe gelegene Bunker und Geschützstellungen. Die PKK hat seit Jahren ihr Hauptquartier in den Kandil- Bergen im Nordirak und sieht sich immer wieder Angriffen der türkischen Luftwaffe ausgesetzt.

Staatstrauer nach Doppelanschlag

Am Sonntag herrschte wegen des Doppelanschlags in Istanbul in der gesamten Türkei Staatstrauer, die Flaggen wehten auf Halbmast. Unter den 44 Getöteten sind laut Innenministerium 36 Polizisten und acht Zivilisten. Rund 160 Verletzte würden in Krankenhäusern behandelt.

Foto: The Associated Press
In der Türkei herrschte nach den Anschlägen von Istanbul Staatstrauer.
Foto: AP

Die beiden Sprengsätze detonierten am Samstagabend am Besiktas- Stadion etwa zwei Stunden nach Abpfiff eines Spiels. Soylu zufolge explodierte zunächst eine ferngezündete Autobombe an einem Sammelpunkt der Bereitschaftspolizei. Weniger als eine Minute später habe sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, der im Macka- Park gegenüber dem Stadion von Polizisten umzingelt gewesen sei.

Hunderte Kilogramm Sprengstoff in Autobombe

Der stellvertretende Regierungschef Numan Kurtulmus erklärte, dass für die Autobombe zwischen 300 und 400 Kilogramm Sprengstoff verwendet worden seien. "Wo das Auto in die Luft gesprengt wurde, ist ein Graben entstanden, und das Auto gibt es nicht mehr", sagte Kurtulmus. "Es ist völlig zerstört worden. Es ist ein riesiger Krater entstanden."

Foto: AFP
Foto: AP
Foto: AFP or licensors

TAK: "Das Volk war nicht unser primäres Ziel"

Die TAK erklärten am Sonntag, das türkische Volk sei nicht ihr primäres Ziel gewesen. Man habe auf die Gefangenschaft des PKK- Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen wollen. Solange diese anhielten, solle "niemand erwarten, ein geruhsames Leben in der Türkei führen zu können", hieß es in der Stellungnahme. Bei dem Doppelanschlag seien auch zwei ihrer Mitglieder getötet worden, so die TAK.

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