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03.12.2016 - 21:36
Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/CHIP SOMODEVILLA, AP

Michelle Obama - "die bessere Präsidentin"

22.10.2016, 11:49

Steigt Michelle Obama auf das Podest, um eine ihrer hervorragend formulierten Reden zu halten, die sie alle selbst schreibt, begeistert sie das Publikum oft mit ein paar Tanzbewegungen, bevor sie zu sprechen beginnt. Doch ausgerechnet der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump motivierte sie, einen vorbereiteten Text zu ignorieren, um dann eine der besten Reden dieses Wahlkampfes zu halten. Ihre Reaktion auf Trumps sexistische Ausfälle kam tief aus dem Herzen und war damit nicht nur überzeugend, sondern katapultierte sie direkt auf das politische Podest der USA.

Michelle Obama drehte geschickt den Spieß um und verteidigte nicht nur die Frauen, sondern vor allem die Männer. "Männer, die ihr kennt und ich kenne, behandeln Frauen anders! Das sind Männer, die ihre Familien lieben und denen kotzübel wird, wenn sie jemanden hören, der so über Frauen spricht!", rief sie der jubelnden Menge bei einer Wahlveranstaltung zu.

Michelle Obamas flammende Rede im Video:

Kühle Hillary kann die Herzen nicht rühren
Es kam wie eine Erlösung für die verzweifelten Anhänger der Demokraten, die mit den kalten, unpersönlichen Reaktionen ihrer Kandidatin Hillary Clinton auf die Schimpforgien des Republikaners nichts anfangen konnten - im Gegensatz zu den emotionalen und rhetorisch geschickt strukturierten Worten von Michelle. Hier sprach endlich eine Frau, intelligent, gut aussehend, mit einer eindrucksvollen professionellen Vergangenheit, jene Worte, auf die alle gewartet hatten, und praktisch über Nacht meldeten sich im Internet Hunderttausende, die lieber Michelle Obama als Hillary Clinton als Kandidatin sehen würden.

Hillary Clinton
Foto: APA/AFP/Getty Images/Justin Sullivan

Erfolgreiche Karriere als Anwältin

Geboren 1964 in einer ärmlichen Vorstadt im Süden Chicagos, bekam die spätere First Lady Michelle ein Stipendium für die Eliteuniversität Princeton. Sie schloss dann das Jusstudium an einer anderen Eliteuniversität, Harvard, ab. Nach einer erfolgreichen Karriere als Anwältin wechselte sie in die Stadtverwaltung Chicagos als Assistentin des Bürgermeisters und später in die Leitung der University of Chicago, einer der berühmtesten Universitäten der Welt mit 89 Nobelpreisträgern, die dort studiert hatten oder unterrichteten.

Traumpaar Michelle und Barack Obama

Michelle und Barack Obama repräsentieren heute den amerikanischen Traum - als Mitglieder einer Minderheit aus einfachsten Verhältnissen schafften sie es mit Intelligenz und Energie und den Stipendien von Eliteuniversitäten für tüchtige Studenten. Michelles Ururgroßvater arbeitete noch als Sklave in South Carolina. Ein anderer Vorfahr war der Sohn eines weißen Großgrundbesitzers und wurde in der Geburtsurkunde als "Mulatte" registriert.

Michelle und Barack Obama
Foto: AP

Charme und Eigenständigkeit

Ihre Distanz zu den Mächtigen, ihr Charme und ihre Eigenständigkeit verhalfen Michelle Obama zu einer unglaublichen Popularität. Während zwei Drittel der Amerikaner Hillary misstrauen, sind es diese zwei Drittel, die Michelle ihr Vertrauen schenken. Der Geldgier und dem Naheverhältnis zu Banken und Wall Street der Clintons steht Michelles Programm für mehr Sport und eine gesunde Ernährung von Schulkindern gegenüber.

Auf Hillarys aufgesetztes Selbstbewusstsein, wie wichtig ihre Rolle in der Politik sei, reagierte Michelle einst lakonisch: Die Vorstellung, mit einer Gruppe von politischen Beratern an einem Tisch zu sitzen, veranlasse sie zum Gähnen. Während des Parteitags der Demokraten waren mehr Souvenirs mit dem Namen Michelles als von Hillary verkauft worden.

Foto: AP

2020 Kandidatin für Präsidentschaftswahl?

Bisher hatte sie zwar kategorisch abgelehnt, jemals für die Präsidentschaft zu kandidieren, doch ein Parteitag könnte bei Hillarys Erkrankung Michelle Obama sofort als Kandidatin nominieren. Und falls es dafür zu spät sei - was viele bedauern -, gibt es bereits Millionen Unterstützungserklärungen im Netz für eine Nominierung von Michelle für die Präsidentschaftswahlen 2020.

22.10.2016, 11:49
Peter Sichrovsky, Kronen Zeitung
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