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03.12.2016 - 23:31
Bildungsministerin Sonja Hammerschmid arbeitet an der Schulreform.
Foto: Peter Tomschi, thinkstockphotos.de

Mächtigere Direktoren, Aus für 50- Min.- Einheiten

17.10.2016, 16:56

Die Bildungsreform ist schon lange eine der größten Baustellen und ein Streitpunkt der Regierung. Doch jetzt haben sich SPÖ und ÖVP auf ein umfassendes Autonomiepaket für die Schulen geeinigt. Die Direktoren bekommen künftig mehr Spielraum, alte Strukturen werden endlich aufgelöst. Zahlreiche wichtige Punkte sind aber immer noch offen, etwa die Verteilung der bereits beschlossenen 750 Millionen Euro für den Ausbau der ganztägigen Schule.

  1. Welche neuen Befugnisse erhalten die Direktoren?
    Die Schulleiter können sich ihre Lehrer künftig aussuchen. Das gilt allerdings nur für neues Personal. Nachdem in den kommenden Jahren eine Pensionierungswelle bevorsteht, werden bald sehr viele Pädagogen ausgesucht und nicht mehr zugeteilt. Generell sollen die Direktoren mehr Entscheidungsbefugnisse für ihren jeweiligen Standort erhalten.
  2. Gibt es auch für die Auswahl der Direktoren neue Kriterien?
    Ja, für die Schulleiter soll es einheitliche Ausbildungskriterien geben und nicht wie bisher von den Bundesländern vorgegeben. Installiert werden zudem eigene Hochschullehrgänge.
  3. Es soll nun Schulcluster und Bildungsregionen geben. Was bedeutet das?
    Bis zu acht Schulen - auch Kindergärten können eingebunden werden - sollen unter gemeinsamer Leitung zu einem Cluster zusammengefasst werden. Dadurch sollen der Übergang von einer Schulform oder -art in die andere erleichtert und Personal flexibler eingesetzt werden.
  4. Was ändert sich in den Klassen?
    Künftig soll es keine fixen Vorgaben für Klassengrößen mehr geben. Die Schulen können frei darüber entscheiden, wie viele Schüler in einer Gruppe sitzen. Ausnahmen gibt es etwa beim Laborunterricht, wo Sicherheitskriterien eingehalten werden müssen.
  5. Muss die Unterrichtsstunde 50 Minuten betragen?
    Nein. Unter Einbindung der Lehrer kann der Direktor die Unterrichtszeiten frei gestalten. Insgesamt darf es aber zu keiner Reduktion der Unterrichtszeit kommen.
  6. Und was ist mit der Schulglocke?
    Auch die muss nicht mehr starr um acht Uhr läuten. Die Koalition hat sich auf flexiblere Öffnungszeiten der Schulen geeinigt, die Kinder können nun beispielsweise schon früher als bisher in das Gebäude. Die Ganztagesschulen sollen auch in den Ferien geöffnet bleiben, die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur soll gefördert werden.
  7. Wie sieht es mit der Lehrer- Fortbildung aus?
    Diese soll sich weniger am Angebot als am Bedarf orientieren. Gibt es keine Angebote an den Pädagogischen Hochschulen, können Lehrer auch auf externe Anbieter zurückfreifen.
  8. Gibt es neue Leistungsüberprüfungen?
    Ja, in den einzelnen Clustern sollen die Leistungen der Schüler gemessen werden. Die Ergebnisse und Entwicklungen werden dann durch eine unabhängige und zentrale Stelle bewertet.
  9. 750 Millionen Euro aus der Bankenabgabe fließen in den Ausbau der Ganztagsschulen. Wie weit ist die Regierung da?
    Es spießt sich in vielen Punkten. Offen ist etwa die Aufteilung in eine offene (reine Nachmittagsbetreuung) und eine verschränkte (Lernen und Freizeit) Form. Unklar sind auch der Kostenzuschuss und die Förderung für die einzelnen Schüler.
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH (Symbolbild)

Kommentar von Doris Vettermann: Jetzt nur nicht einknicken
Allzu oft war bei angekündigten Reformen schon die Rede von einem grandiosen Weg in eine neue Zukunft, von einem echten Quantensprung, ja von einer regelrechten Sensation. All das ist das Autonomiepaket nicht. Es ist gut und notwendig - aber vor allem ist es längst überfällig.

Die alten, verkrusteten Schulstrukturen gehören bereits seit Jahren aufgeweicht, es sollte längst selbstverständlich sein, dass die Schulglocke nicht starr um acht Uhr läutet und dann jeweils 50 Minuten gelernt wird - ganz egal, wie der Unterricht gerade aussieht oder ob das überhaupt ins Konzept passt. Und - halleluja - endlich muss der Direktor nicht mehr jedem Lehrer- Vollkoffer (ja, auch die gibt es, neben den vielen guten und äußerst engagierten Pädagogen) einen Job geben, nur weil dieser lange genug darauf gewartet hat und irgendwann listenmäßig einfach an der Reihe ist.

Das Autonomiepaket könnte der Anfang für weitere notwendige Schritte in der Bildungspolitik sein. Gäbe es da nicht noch eine Hürde, an der sich schon so manche Vorgängerin von Unterrichtsministerin Sonja Hammerschmid die Zähne ausgebissen hat: die prinzipiell zu allem Nein sagende Lehrergewerkschaft. Claudia Schmied musste - nach heftigen Protesten der Pädagogen gegen die Forderung nach zwei Stunden mehr in der Klasse - klein beigeben. Auch weil sie keinen Rückhalt in der Regierung hatte und von der eigenen Partei im Regen stehen gelassen wurde. Die jetzige Regierung darf nicht wieder einknicken und die Betonierer gewinnen lassen.

17.10.2016, 16:56
Doris Vettermann, Kronen Zeitung
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