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04.12.2016 - 05:57
Prof. Judith Glück
Foto: Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Maurer, thinkstockphotos.de

Kärntner Forscher gehen Weisheit auf den Grund

04.10.2016, 06:30

Es ist wohl ein Wunsch vieler Menschen, weise zu denken und zu handeln. Warum ist wirkliche Weisheit trotzdem so selten? Die Forschungsgruppe um Judith Glück, Professorin am Institut für Psychologie der Alpen- Adria- Universität Klagenfurt, befasst sich mit der Frage, warum es manchen Menschen gelingt, im Laufe ihres Lebens weiser zu werden. Dazu werden Menschen unterschiedlichen Alters über wichtige und schwierige Erlebnisse und die Einsichten, die sie aus ihnen gewonnen haben, befragt.

"Wir alle lernen etwas aus den Ereignissen, die unser Leben von Zeit zu Zeit gewollt oder ungewollt verändern - seien es positive Ereignisse, wie die Entscheidung für einen Beruf oder die Geburt eines Kindes, oder negative wie Trennungen, Erkrankungen oder der Verlust nahestehender Menschen", so Glück. Aber verschiedene Menschen leiten aus solchen Erfahrungen ganz unterschiedliche Erkenntnisse ab, deren Auswirkungen von Wachstum und Weisheit bis zu Verbitterung und Vereinsamung reichen können.

Die Forschungsgruppe geht davon aus, dass die persönlichen und sozialen Ressourcen, die ein Mensch in eine lebensverändernde Situation mitbringt, beeinflussen, wie er oder sie sich durch diese Erfahrung weiterentwickelt. Um weise Erkenntnisse aus Erfahrungen ziehen zu können, darf man die eigenen Gefühle nicht ignorieren oder verdrängen, sondern muss ihnen nachspüren und sich mit ihnen auseinandersetzen. Versuchen, sogar in einem schwierigen Konflikt die Perspektive der anderen Person zu verstehen. Andere nach ihrer Sichtweise fragen und diese ernst nehmen, auch wenn sie kritisch ist.

"Der Weg zur Weisheit kann steinig und anstrengend sein, und oft ist es leichter, uns einzureden, dass wir Recht haben und die anderen Unrecht. Diese Denkweise erhöht kurzfristig das Wohlbefinden - Weisheit aber fördert sie nicht", weiß Psychologin Glück. Unterstützt wird dieses Projekt vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF).

Zur Person:
Judith Glück, geboren in München, hat an der Universität Wien studiert und promoviert. Als Postdoc am Max- Planck- Institut für Bildungsforschung in Berlin begann sie sich mit dem Thema Weisheit zu befassen. Sie ist Professorin für Entwicklungspsychologie an der Alpen- Adria- Universität Klagenfurt; sie leitet derzeit ihr zweites FWF- Projekt zu diesem Thema.

In der Serie "Krone der Wissenschaft" stellen wir Projekte von Spitzenforschern und -forscherinnen in Österreich vor. Ausgewählt werden sie von Prof. Dr. Georg Wick, dem Leiter des Labors für Autoimmunität an der Medizinischen Universität Innsbruck.

04.10.2016, 06:30
Kronen Zeitung/red
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