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10.12.2016 - 10:50
Foto: APA/AFP/KENZO TRIBOUILLARD, APA/AFP/GUILLAUME SOUVANT

Hoffen und Bangen nach tödlichem Hochwasser

03.06.2016, 06:42

Orte liegen in Trümmern, Autos versinken im Schlamm, Helfer suchen nach Vermissten: Die Horror- Flut in Deutschland vom Mittwoch hat eine Spur der Verwüstung gezogen. Die bayrischen Gemeinden Simbach am Inn, Triftern und Tann wurden komplett von den Wassermassen verschluckt. Sieben Menschen sind tot, darunter eine ganze Familie: Tochter, Mutter und Oma ertranken in den Fluten.  "Krone"- Reporter Markus Schütz hat sich in der Katastrophenstadt Simbach am Inn umgesehen. Auch Frankreich meldet inzwischen einen ersten Hochwasser- Toten.

"Schon beim Betreten des Ortes schossen mir sofort die Bilder vom Hochwasser 2013 in Oberösterreich in den Kopf. Überall Wasser, Schlamm und Menschen, die anpacken", berichtet Schütz aus der deutschen 10.000- Seelen- Gemeinde Simbach am Inn.

Großer Zusammenhalt in der Bevölkerung

Die ganze Gemeinde ist auf den Beinen und hilft. Der Zusammenhalt ist groß. In der Innenstadt laufen die Pumpen auf Hochtouren, mittlerweile sind die Wassermassen schon größtenteils zurückgewichen. Die Einwohner suchen mühevoll ihre Habseligkeiten zusammen. Viele von ihnen wissen nicht, ob sie überhaupt noch in ihren Häusern leben wollen.

Mit vereinten Kräften befreien Bewohner die bayrische Ortschaft Braunsbach vom vielen Schlamm.
Foto: AFP
Im deutschen Simbach am Inn haben mittlerweile die Aufräumarbeiten begonnen.
Foto: AFP
Simbach am Inn
Foto: AP

Mit einem solchen Hochwasser hat in Simbach niemand gerechnet. Die Menschen in dem einst beschaulichen Ort sind fassungslos. "Krieg", sagt einer. "Wie im Krieg sieht das aus." Autos liegen auf ihren Dächern, Straßenlaternen sind umgeknickt wie Strohhalme, Läden und Wohnhäuser sind nur noch Trümmer.

"Das Wasser kam unglaublich schnell"

Eine Bewohnerin konnte sich in letzter Minute vor der Horror- Flut retten: "Das Wasser kam unglaublich schnell. Binnen fünf Minuten war es im ersten Stock. Wir haben uns auf den Dachboden gerettet, rote Tücher an einen Besenstiel gehängt und damit aus dem Fenster gewunken. Nach drei Stunden kam endlich ein Hubschrauber."

Die Gebiete, wo das Hochwasser am Mittwoch überall wütete.
Foto: Krone-Grafik
Wassermassen wälzen sich durch den niederbayerischen Ort Simbach.
Foto: APA/dpa/Walter Geiring
Foto: APA/AFP/dpa/DANIEL SCHARINGER

Sieben Menschen tot

Für eine Familie in der Nachbarschaft kam die Hilfe jedoch zu spät. Taucher konnten nur noch die Leichen von drei Frauen bergen. Tragisch: Bei den Opfern dürfte es sich um eine junge Frau (28), deren Mutter (56) sowie deren Oma (78) handeln. Ebenfalls in Simbach kamen ein 75- jähriger und ein 65- jähriger Mann ums Leben. Im Nachbarort Julbarch starb eine 80- Jährige - ihre Leiche hing über einem Baumstamm in einem Bach. Am Freitag siegt die Zahl der Todesopfer schließlich auf sieben. Ein 80- Jähriger habe eine Herzattacke erlitten und starb nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus Eggenfelden, sagte ein Sprecher des Landratsamts.

Vermisstes Ehepaar lag seit Tagen im Krankenhaus

Ein als vermisst gemeldetes Ehepaar aus Simbach ist bereits am ersten Tag des Hochwassers gerettet worden. Die beiden seien am Mittwoch aus ihrem mit Wasser vollgelaufenen Keller geborgen und mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden, hieß es. Der 81 Jahre alte Mann und seine 77- jährige Frau hätten seitdem fälschlicherweise als vermisst gegolten. Der fatale Irrtum habe sich erst am Freitag aufgeklärt.

Meteorologen waren vor weiteren Unwettern

Trotz weiterer Unwetterwarnungen laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Auch erste Plünderer wurden bereits verhaftet, als sie Autos leerräumten. Von den Meteorologen kommt vorerst keine Entwarnung: Bis in die kommende Woche sind Schauer und Gewitter zu erwarten. Der Katastrophenfall werde noch einige Tage andauern, so die Einsatzkräfte. Die entstandenen Schäden durch das Wasser liegen allein in Simbach nach ersten Schätzungen in zweistelliger Millionenhöhe.

Normalität ist noch lange nicht in Sicht: Zahlreiche Schulen sollten auch am Freitag geschlossen bleiben, im kleinen Ort Triftern mussten etwa 80 bis 100 Haushalte bereits die zweite Nacht auf Strom verzichten.

"Krone"-Redakteur Markus Schütz berichtet aus der deutschen Ortschaft Simbach.
Foto: Kronen Zeitung
Simbach am Inn
Foto: AFP

Hochwasser hält Paris vor EM- Start in Atem

Eine Woche vor Beginn der Fußball- EM mussten auch in Frankreich 5500 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen - darunter in Nemours und Montargis. Eine 86- jährige Frau wurde in ihrem Haus in Souppes- sur- Loing von den Fluten überrascht und ertrank. In Paris sind zahlreiche Straßen an der Seine überschwemmt.

In Paris stieg der Pegelstand der Seine an, die Gegend rund um den Eiffelturm steht unter Wasser.
Foto: www.viennareport.at
Rund um Paris sind Hunderte Helfer im Einsatz. Auch Tiere wurden in Sicherheit gebracht.
Foto: AFP

Video: Flutkatastrophe in Bayern

Video: APA

03.06.2016, 06:42
Kronen Zeitung/red/AG
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