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06.12.2016 - 05:28
Richard Grasl
Foto: ORF/Thomas Ramstorfer

Grasl im Interview: "Es geht um Zukunft des ORF"

23.06.2016, 15:37

Der ORF- General gegen seinen bisherigen Finanzchef. So lautet also das Duell um die zukünftige Führung  des öffentlich- rechtlichen Rundfunks. Nach einer kurzen Bekanntgabe seiner Bewerbung im Stiftungsrat nahm sich der kaufmännische Direktor Richard Grasl Zeit für ein erstes ausführliches Interview mit "Krone"- Redakteur Christoph Budin.

Bei seiner Kandidatur gehe es "nicht gegen Alexander Wrabetz, sondern um bessere Ideen für die Zukunft des ORF", versichert der 43- jährige Journalist immer wieder. Im Gespräch skizziert der bisherige Küniglberg- "Co" seine Pläne für die Zukunft des in die Jahre gekommenen Staatssenders.

Mit mehr österreichischem Programm und einer Informationsoffensive will der zweifache Familienvater auch die junge Zielgruppe wieder gewinnen. Die Aussagen seines Noch- Chefs, wonach er sich in die Kandidatur "hineinreiten" lässt, möchte er "nicht kommentieren".

Und was ist, wenn er doch keine Mehrheit von 18 Stiftungsräten bei der Wahl bekommt. "Ich bin ein positiv denkender Mensch, daher beschäftige ich mich mit dieser Frage derzeit nicht", so der begeisterte Hobby- Tennisspieler. Spiel, Satz und Sieg - das wird man am 9. August dann wissen.

"Krone": Herr Finanz- Direktor, warum treten Sie bei der Wahl zum ORF- Chef gegen den Generaldirektor an?
Grasl: Ich trete nicht gegen jemanden an, sondern ich bewerbe mich für eine ausgeschriebene Stelle. Ich sehe das als einen positiven Wettbewerb um gute Ideen für den ORF. Für ganz wichtig halte ich neue Strukturen für die Unternehmensführung und mehr österreichisches Programm in unseren Fernseh- und Radiokanälen.

"Krone": Wann sind die Würfel gefallen und haben Sie ihre Familie in die Entscheidung eingebunden?
Grasl: Die Entscheidung ist in den letzten Monaten in mir gereift, und vor wenigen Tagen endgültig gefallen. Meine Familie war hier ständig eingebunden.

"Krone": Warum gaben Sie ihre Kandidatur am Donnerstag beim letzten Stiftungsrat vor der Wahl am 9. August bekannt?
Grasl: Eine Frage des Respekts.

"Krone": Mit welchem Programm wollen Sie eine Mehrheit der 35 Mitglieder überzeugen?
Grasl: Eine positive Bilanz ist Pflicht, die Kür findet im TV, Radio und Internet statt. Ich werde völlig neue Ideen einbringen für die Struktur und Unternehmensführung. Und neben einer Info- Offensive muss ORF eins wieder mehr heimische Programmfarbe haben. Da bin ich übrigens einer Meinung mit Fernsehdirektorin Zechner.

"Krone": Wrabetz hat gesagt, dass ihm mehr als zwei Drittel der Stiftungsräte zu verstehen gegeben hätten, eine Verlängerung seiner Geschäftsführung wäre gut. Damit ist die Wahl ja bereits gelaufen, oder?
Grasl: Gewählt wird am 9. August. Ich vertraue auf die Urteilskraft der unabhängigen Stiftungsräte für das beste Konzept.

"Krone": Das Verhältnis zwischen ihnen gilt als angespannt. Wie werden sie bis zum Ende beider Amtsperioden (31. Dezember; Anm. der Redaktion) zusammenarbeiten?
Grasl: Wir haben auf einer professionellen Ebene immer gut zusammengearbeitet.

"Krone": Sie werden der ÖVP zugeordnet, Wrabetz gilt als SPÖ- Kandidat. Werden die zwei Monate bis zur Wahl zum Polit- Schaukampf?
Grasl: Es geht hier nicht um Politik, sondern um die Zukunft eines Unternehmens. Da hat eine Schlammschlacht nichts verloren. Und die politische Zuordnung schon gar nichts.

"Krone": Während der Bundespräsidentenwahl kam von der FPÖ wieder der alte Vorwurf des "Rotfunks". Gab es Fehler etwa in der Berichterstattung wie bei der Causa Tempelberg?
Grasl: Eine unabhängige Information ist das wichtigste, was der ORF hat. Und von mir gibt es auch ein ganz klares Bekenntnis dazu. Daran darf nicht gerüttelt werden. Genauso wichtig ist aber auch die Reflexion und das kritische Hinterfragen innerhalb der Redaktion. Da das bisher nicht mein Aufgabengebiet war, werde ich mir in den nächsten Wochen ein genaues Bild machen.

"Krone": ORF- Mitarbeiter werden im Umgang mit sozialen Medien kritisiert. Gibt es künftig "Benimmregeln" für Facebook, Twitter & Co.?
Grasl: Die persönliche Meinungsfreiheit ist das höchste Gut. Ich halte die bereits 2012 erarbeiteten Social- Media- Richtlinien für gut. Die könnte man ruhig in die Unternehmensrichtlinien übernehmen.

Zur Person von Richard Grasl:

Richard Grasl wurde am 21. Jänner 1973 in St. Pölten geboren und wuchs in Krems auf, wo seine Eltern ein Gasthaus führten. Bereits mit 16 Jahren schrieb er seinen ersten journalistischen Artikel - der weitere Berufsweg war also, nach dem Studium für Handels- und Betriebswirtschaft in Wien, vorgezeichnet. 1992 kam Grasl erstmals mit dem ORF im Landesstudio Niederösterreich in Berührung. 1999 wechselte er in die Redaktion der "Zeit im Bild 2", ab 2002 war er Chefredakteur des ORF NÖ. Seit 2010 ist Grasl kaufmännischer Direktor. Privat ist der 43- Jährige mit Ehefrau Kerstin (39), einer Englisch- und Italienischlehrerin, verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder, Sohn Ferdinand (6) und die zweijährige Tochter Fanny.

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Christoph Budin, Kronen Zeitung
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