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23.04.2017 - 17:49

Forscher- These: Tsunami zerstörte das antike Olympia

12.07.2011, 11:24
Das griechische Olympia, Austragungsort der Olympischen Spiele der Antike, wurde nicht, wie bislang angenommen, durch ein Erdbeben und Hochwässer, sondern vermutlich durch mehrere, weit ins Land reichende Tsunamis zerstört. Das haben jetzt deutsche Forscher nach Untersuchungen jener bis zu acht Meter dicken Sedimentschichten, unter der der Großteil der antiken Kultstätte heute begraben liegt, herausgefunden.

Lange Zeit hatte man angenommen, dass ein verheerendes Erdbeben im Jahr 551 nach Christus die Kultstätte Olympia samt ihrer Heiligtümer zerstört und anschließend Überschwemmungen des Flusses Kladeos die antiken Bauwerke unter meterdicken Sedimentschichten verschüttet haben. Rätselhaft blieb allerdings, wie das an Olympia vorbeiziehende kleine Flüsschen, das nur im Winter viel Wasser führt, zunächst mehrere Meter Sediment aufgeschüttet haben soll, um sich anschließend zehn bis zwölf Meter tief auf sein antikes Laufniveau einzuschneiden.

Verheerende Überschwemmung

Laut einer neuen These von Andreas Vött vom Geographischen Institut der Johannes- Gutenberg- Universität in Mainz wurde Olympia vermutlich durch mehrere, weit ins Land reichende Tsunamis, die während der letzten 11.000 Jahre an den Küsten des östlichen Mittelmeers stattgefunden haben, zerstört. Darauf würden die im Umfeld der antiken Kultstätte gefunden, bis zu acht Meter mächtigen Sedimentablagerung hinweisen, so der Forscher. Er hat mit Kollegen mehrerer deutscher Universitäten das Gebiet mittel geo- morphologischer und -archäologischer Methoden ausgiebig erforscht.

"Die Zusammensetzung und Mächtigkeit der Sedimente, die wir in Olympia gefunden haben, passen nicht zur Wasserführung und zum geo- morphologischen Inventar des Kladeos. Der Bach kann das nicht verursacht haben", so Vött. Die Ergebnisse würden vielmehr darauf hindeuten, dass Olympia in seiner Geschichte mehrfach von verheerenden Fluten betroffen und in diesem Zusammenhang mit Sedimenten überdeckt wurde. Muschelklappen und Schneckengehäuse sowie Reste spezieller Foraminiferen  (Einzeller) weisen eindeutig auf einen marinen Ursprung hin, so Vött. Die Sedimente sind offenbar mit hoher Geschwindigkeit und hoher Energie von der Küste an Land transportiert worden und haben Olympia trotz seiner Höhenlage auf circa 33 Meter über dem Meer erreicht – vermutlich über niedrige Sättel des unmittelbar vorgelagerten Höhenzuges.

Sedimentfunde stützen Forscher- These

"Olympia war in früheren Zeiten auch nicht 22 Kilometer vom Meer entfernt wie heute, sondern die Küste lag mindestens acht, vielleicht auch mehr Kilometer weiter landeinwärts", führt Vött aus. Sein Szenario: Tsunamis bauen sich vom Meer her auf, laufen in das enge Alpheios- Tal, in das auch der Kladeos- Bach mündet, mit großer Wucht ein und überfließen dann die Sättel im Hügelzug, hinter dem Olympia liegt. Die Kultstätte wird überflutet und die Wassermassen fließen nur langsam ab, weil gleichzeitig der Abfluss des Kladeos über das Alpheios- Tal durch die einlaufenden Tsunamis und deren Sedimente blockiert ist. Die Sedimentabfolgen legen zudem nahe, dass sich ein solches Szenario während der letzten 7.000 Jahre mehrfach wiederholt hat. Bei einem der jüngeren Ereignisse im sechsten Jahrhundert nach Christus erfolgte dann die Zerstörung und Überdeckung Olympias.

Für die Olympia- Tsunami- Hypothese spricht auch, dass sowohl auf der meerzugewandten Seite des Hügelzugs als auch in Olympia identische Hochenergiesedimente gefunden wurden. "Die Ablagerungen um Olympia haben dieselbe Signatur wie die Tsunamite im vorgelagerten Alpheios- Tal", so Vött. Ein Erdbeben scheidet für ihn als Ursache aus.

Tsunamis im östlichen Mittelmeer häufig

Im östlichen Mittelmeer sind Tsunamis ausgesprochen häufig, was hauptsächlich an der hohen seismischen Aktivität entlang des Hellenischen Bogens liegt. Hier schiebt sich die afrikanische Platte unter die eurasische Platte und löst dadurch immer wieder starke Erdbeben mit Tsunamis in der Folge aus. Der letzte Riesen- Tsunami im Mittelmeer verwüstete 1908 nach einem Beben in der Straße von Messina (Süditalien) die angrenzenden Küstenregionen, über 100.000 Menschen starben. In der südlichen Ägäis wurde 1956 eine 30 Meter hohe Welle verzeichnet. "Die Auswertung historischer Kataloge hat ergeben, dass sich in Westgriechenland im Durchschnitt alle acht bis elf Jahre ein Tsunami ereignet", so Vött.

Das im Nordwesten der griechischen Halbinsel Peleponnes liegende Olympia war in der Antik ein Heiligtum des Gottes Zeus und der Austragungsort der olympischen Spiele. Die Relikte der einst zahlreichen Bauten der Kultstätte wurden erst 1766 wiederentdeckt, über hundert Jahre später, anno 1874, begannen die ersten systematischen Ausgrabungen.

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