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19.02.2017 - 20:29
Foto: Jürgen Radspieler, Wien-Bibliothek im Rathaus, "Krone"

Forscher entschlüsseln Ödön von Horváths Texte

10.01.2017, 06:02

Schmeckt die Speise besser, wenn wir das Rezept kennen? Über diese Frage lässt sich, wie über Geschmack allgemein, trefflich streiten. Wie aber sieht es bei literarischen Werken aus? Verstehen wir sie besser, wenn wir wissen, wie sie gemacht sind? Der Germanist Klaus Kastberger von der Karl- Franzens- Universität Graz beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja.

Anhand des ungarisch- österreichischen Schriftstellers Ödön von Horváth macht er klar, wie der Autor zu jenen literarischen Formen gekommen ist, die wir bis heute bewundern. Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald", 1931 uraufgeführt, ist ein vielgespieltes Stück. Zu Beginn der 1960er- Jahre wurde es mit Hans Moser und Helmut Qualtinger auch verfilmt. Woraus aber schafft Horváth jene brutale Gemütlichkeit, aus der es für Marianne, die dem Fleischhauer Oskar versprochen ist, kein Entrinnen gibt?

Peter Handke: "Sätze wie Naturgesetze"

"Zusehends verschachtelte er im Zuge einer mehrjährigen Arbeit den Text ineinander", so Prof. Kastberger, "und Symmetrien umgreifen die weibliche Hauptfigur so, als wollte Horváth das 'Fräulein' ins Zentrum einer russischen Babuschka stecken." Auch an den Sätzen seiner Figuren feilt Horváth lange. Peter Handke hat von diesen Sätzen einmal gesagt, dass sie wie Naturgesetze sind. Oskar an Marianne: "Du wirst meiner Liebe nicht entgehen!"

Gemeinsam mit seinem Team sammelt Klaus Kastberger alle Horváth'schen Notizen, Skizzen, Vorstufen und Zwischenfassungen und fügt sie zu einer historisch- kritischen Ausgabe zusammen. Nicht nur die akademische Fachwelt ist daran interessiert. Regisseure bedienen sich des Materials und stellen Horváth damit neu auf die Bühne. Beispielsweise Frank Castorf in einer aufsehenerregenden Inszenierung von "Kasimir und Karoline" in München.

Gesellschaftsanalysen des Autors reichen tief

"Aktualität erwächst Horváth", so Kastbergers Überzeugung, "nicht allein in der anhaltenden Aktualität seiner Themen, wie Arbeitslosigkeit und dem Aufkommen rechter Ideologien. Erst die Kenntnis seiner Arbeitsweise macht klar, wie tief die Gesellschaftsanalysen des Autors reichen und wie sich sein Werk mit ungelösten heutigen Problemen verschränkt."

Dieses Projekt wird vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt. Weitere Informationen zur Horváth- Ausgabe: http://gams.uni- graz.at/horvath- edition .

Zur Person:
Klaus Kastberger, geboren 1963 in Gmunden (OÖ), war langjähriger Mitarbeiter von Wendelin Schmidt- Dengler im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Privatdozent am Institut für Germanistik der Universität Wien und Research- Fellow am Internationalen Forschungszentrum für Kulturwissenschaften (IFK) in Wien. Seit 2015 ist er Professor für neuere deutschsprachige Literatur am Franz- Nabl- Institut der Universität Graz und Leiter des Literaturhauses Graz. Literaturkritiken, Kuratierung von Ausstellungen und Veranstaltungsreihen, Leitung von Drittmittelprojekten (darunter: www.handkeonline.onb.ac.at  ).

Arbeitsschwerpunkte: Österreichische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, Gegenwartsliteratur, Theorie und Praxis des Archivs. Zahlreiche Vorträge, Aufsätze und Bücher, wissenschaftliche Vermittlungsarbeit in Medien, seit 2015 Juror beim Ingeborg- Bachmann- Preis in Klagenfurt.

In der Serie "Krone der Wissenschaft" stellen wir Projekte von Spitzenforschern und -forscherinnen in Österreich vor. Ausgewählt werden sie von Prof. Dr. Georg Wick, dem Leiter des Labors für Autoimmunität an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Kronen Zeitung

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