Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
03.12.2016 - 11:36
Foto: The Economist, thinkstockphotos.de

Auf den eigenen Vorteil bedacht: "Die Akte Trump"

25.11.2016, 18:35

Mehr als 300 Seiten füllt die "Akte Trump", die der bekannte US- Investigativjournalist und Pulitzerpreisträger David Cay Johnston über den künftigen Präsidenten zusammengetragen hat. Es ist vermutlich der größte Datenfund zu Donald Trump und könnte die bange Frage vieler US- Bürger sowie der internationalen Politik beantworten helfen: Wer ist dieser Mann, was will er, und was muss man von ihm als Präsidenten erwarten?

Der Pulitzerpreisträger folgt Trump seit 30 Jahren. Sein Aktenreichtum macht das Buch "Die Akte Trump" zu einem Standardwerk über den 45. US- Präsidenten.

Zieht auch die Mafia ins Weiße Haus ein?

David Cay Johnston beurteilt Trump als talentierten Hochstapler mit Mangel an grundlegendem Wissen: "ein pubertierender 13- Jähriger im Körper eines 70- Jährigen". "Die Akte Trump" zeigt ihn als jemanden, dem sein eigener Vorteil schon immer über alles ging - ziemlich rücksichtslos mit ziemlich zwielichtigen Kontakten und ziemlich rüden Methoden.

"Einige unserer führenden Präsidenten hatten fragwürdige Freunde und Geschäftskontakte, aber keiner hatte bisher Kontakte zum Mob und zu Drogenhändlern", sagte der Autor kürzlich. Dafür hat Donald Trump umso intensiver mit den Reichen, den Schönen und den Mächtigen virtuos gekungelt. Dass der politische Aufstieg eines solchen Mannes überhaupt möglich ist, zeigt die abgrundtiefe Kluft, die sich zwischen dem politischen Establishment und dem Rest des Landes aufgetan hat, sowie die tiefe Krise der USA, deren Bedeutung und mögliche Tragweite weit über die Figur Donald Trump hinausgeht, so der Autor.

Foto: AP

Als Dauergast bei den Gerichten

Trump war Dauergast bei Gerichten, unter anderem weil er sich weigerte, Lieferanten zu bezahlen, ist aber auf wundersame Weise immer als die wandelnde Unschuld davongekommen. Kaum ein Bauwerk in New York ist so skandalbeladen wie der glitzernde Trump Tower in der Fifth Avenue - etwa wegen der illegalen Beschäftigung von polnischen Migranten, die auch noch um den Lohn geprellt wurden. Erst ein 18 Jahre lang hinauszögertes Gerichtsurteil erzwang die Auszahlung. Steuerzahlen mochte der Tycoon ganz und gar nicht. Standhaft und erfolgreich hat er sich geweigert, so wie andere Präsidentschaftsbewerber seine Steuerakte offenzulegen.

Kumpanei mit Freunden, Rachsucht gegen Gegner

Zwei Charaktereigenschaften Trumps, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben ziehen, ortet der Autor: Kumpanei mit Vertrauten und Rachsucht gegen Gegner, die auch zu den Zerwürfnissen innerhalb der Familie führte. Trump schätzt Loyalität, die sich auch in den Ernennungen seiner Mitarbeiter im Weißen Haus widerspiegelt. Zu den wichtigsten und undurchsichtigsten Deals in Trumps Unternehmerkarriere zählen seine Casinolizenzen in New Jersey. Trump schlug vor den Kommissionen, die die Seriosität der Antragssteller prüfen sollten, trotz seiner belasteten Personalakte andere Bewerber wie nichts aus dem Feld.

Ein bezeichnender Fall war Trumps Verhör durch das FBI wegen seiner Kontakte zum Mafioso John Cody von der Gambino- Familie. Cody hatte die Gewerkschaft unter Kontrolle, die den Fertigbeton liefert. Er bekam bei Bauunternehmern kostenlose Appartements, damit er Streiks unterbindet, weil Frischbeton sofort verarbeitet werden muss. Es konnte nicht bewiesen werden, dass Cody auch bei Trump ein kostenloses Appartement bekam. (Ähnlich erfolglos verliefen Untersuchungen über Rassendiskriminierung bei seinen Mietverträgen.)

Foto: AP

Trump kaufte den Fertigbeton bei einer Firma, deren heimlicher Eigentümer die Mafiosi Antony "Fat Tony" Salerno und Paul Castellano waren. Irgendwie schaffte er es, den überhöhten Preisen zu entkommen, die andere Bauunternehmer zahlen mussten. Besonders pikant ist die Affäre um das Versenden leerer Schmuckschatullen durch eine noble Juwelierfirma an Adressen außerhalb des Staates New York zur Hinterziehung der Verkaufssteuer. Tatsächlich wurde der Schmuck unter der Budel diskret ausgehändigt - an die Reichen und Schönen dieser Welt. Trump war zeitweise Miteigentümer dieser Juwelierfirma.

Affäre um Versenden leerer Schmuckschatullen

Ermittlungen wegen leerer Schmuckschatullen gab es außer gegen den notorischen saudi- arabischen Waffenhändler und Trump- Tower- Bewohner Adnan Kaschoggi auch gegen Trump. Er rettete sich, indem er mit dem Staatsanwalt einen Kronzeugendeal einging.

Bald darauf standen Trump und Kaschoggi wieder gemeinsam im Licht der Öffentlichkeit: Der Waffenhändler baute die damals größte und luxuriöseste Jacht der Welt, die er auf den Namen seiner Tochter Nabila taufte. Nach Kaschogis Pleite ging die Jacht in das Eigentum Trumps über - selbstverständlich über eine steuersparende Offshore- Firma - und wurde auf "Trump Princess" umbenannt. (Ein Schiff umzutaufen bringt Unglück.) Als auch Trump vor der Pleite stand, riss sich der Saudi- Prinz Al- Walid die Jacht unter den Nagel.

Foto: AP, thinkstockphotos.de

Auch Scheck von 1,11 Dollar war ihm nicht zu billig

Als Realsatire erwies sich die Donald- Trump- Universität, die gegen Geld Lehrkurse "Wie werde ich schnell reich" versprach: Alles Schwindel, und Trump musste jetzt 24 Millionen Dollar (rund 22,5 Millionen Euro) an die Geschädigten zahlen. Übrigens fiel Trump auf ein Satiremagazin herein, das Schecks in der Höhe von 1,11 Dollar an Milliardäre verschickte. Einer der wenigen, die einen solchen Scheck einlösten: Donald Trump.

David Cay Johnston: "Die Akte Trump", 309 Seiten, Ecowin-Verlag
Foto: Ecowin-Verlag

Das Buch: David Cay Johnston, "Die Akte Trump", 309 Seiten, Ecowin- Verlag

Kommentar von Kurt Seinitz: Präsident dank des Wahlsystems

Jede Demokratie hat ihre eigenen Spielregeln. Das muss man respektieren. Im Falle Trump hat es aber weitreichende Folgen. Der neue, 45. Präsident ist der fünfte Minderheitspräsident in der Geschichte des Staates. Der Stimmenvorsprung seiner Gegenkandidatin ist mit zwei Millionen der größte seit 1876.

Trump hat zwar mit 48,5 Prozent der Stimmen einen beachtlichen Erfolg errungen, aber er kann nicht behaupten, die Mehrheit der US- Amerikaner hinter sich zu haben. Das wird, das muss ihn zu strategischer Vorsicht anhalten, will er nicht zur Quelle schwerster politischer Turbulenzen werden.

Der Rest der Welt, also auch wir Europäer, muss mit Bedauern feststellen, dass wir durch ein komisches Wahlsystem einen US- Präsidenten vorgesetzt bekommen, der maßgeblichen Einfluss auf uns ausüben wird - Großmacht ist Großmacht - und den wir uns gern erspart hätten.

P.S.: Dieses Wahlsystem, gepaart mit kleinen Schwindeleien, muss nicht immer ein Schaden sein. 1960 war der Lieblingspräsident der Welt, John F. Kennedy, durch - wie sich viel später herausstellte - mutmaßlichen Wahlschwindel der mächtigen Parteimaschine der Demokraten in Chicago "arschknapp" (copyright Prof. Van der Bellen) an die Macht gekommen. Ohne diese Manipulation hätte sein Gegenkandidat Richard M. Nixon das Rennen gemacht. Das hätten wir sehr bedauert ...

25.11.2016, 18:35
Kronen Zeitung
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2016 krone.at | Impressum