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01.10.2016 - 17:33
Can Dundar vor dem "Cumhuriyet"-Hauptquartier in Istanbul
Foto: APA/AFP/Cumhuriyet/Vedat Arik

Alternativer Nobelpreis für Zeitung "Cumhuriyet"

22.09.2016, 16:55

Die türkische Zeitung "Cumhuriyet" ist eine der Preisträgerinnen der diesjährigen "Right Livelihood Awards", auch bekannt als Alternative Nobelpreise. Das unabhängige, oft regierungskritische Blatt erhält die Auszeichnung "für ihren unerschrockenen investigativen Journalismus und ihr bedingungsloses Bekenntnis zur Meinungsfreiheit trotz Unterdrückung, Zensur, Gefängnis und Morddrohungen", hieß es. Weitere Preisträger sind die syrische Freiwilligen- Hilfsorganisation Syria Civil Defence, die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina und die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan und ihre Organisation Nazra.

Die Preisvergabe an "Cumhuiyet" (Republik), die älteste Tageszeitung der Türkei, kommt zu einem topaktuellen Zeitpunkt und ist eine Ohrfeige für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Erst am Mittwoch hatte ein neuer Terrorprozess gegen zwei führende Persönlichkeiten der Zeitung, darunter Ex- Chefredakteur Can Dündar, im Zusammenhang mit Spionagevorwürfen begonnen. Er und der Leiter des Hauptstadtbüros in Ankara, Erdem Gül, wurden im Mai bereits - nicht rechtskräftig - jeweils zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Can Dundar (Mitte) und Erdem Gül (rechts)
Foto: APA/AFP/Bulent Kilic

Der Hintergrund: Im Frühjahr 2014 hatte die Zeitung über die Aufdeckung geheimer Waffentransporte aus der Türkei an die Minderheit der syrischen Turkmenen berichtet. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan attackierte daraufhin die Zeitung öffentlich und bezeichnete deren Bericht als Spionage.

Preis an 3000 syrische "Weißhelme"

Gemeinhin bekannt als "Weißhelme", ist Syria Civil Defence eine Gruppe von 3000 Freiwilligen aus lokalen Initiativen, Männern und Frauen, die seit 2013 ihr Leben riskieren, um Menschen aus den Trümmern von zerstörten Gebäuden im Syrien- Krieg zu retten. Die "Weißhelme" waren zu Friedenszeiten Bäcker, Schneider, Verkäufer oder Lehrer und haben nun - als ausgebildete Feuerwehrleute, Such- und Rettungskräfte sowie Sanitäter - über 60.000 Menschenleben gerettet. Sie gelten auch als Anwärter auf den Friedensnobelpreis.

Die "Weißhelme" der Syrian Civil Defense bei der Arbeit
Foto: Syrian Civil Defense White Helmets

Die Russin Swetlana Gannuschkina erhält ihren Preis "für ihr jahrzehntelanges Engagement für Menschenrechte und Gerechtigkeit für Geflüchtete und Migranten sowie für die Förderung von Toleranz zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen". Gannuschkina hat seit 1990 mit der von ihr gegründeten und geleiteten Organisation Civic Assistance Committee, kostenlosen Rechtsbeistand, humanitäre Hilfe und Bildung für über 50.000 Migranten, Geflüchtete und Binnenvertriebene bereitgestellt.

Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina
Foto: APA/AFP/Natalia Kolesnikova

Ägypterin kämpft für Gleichstellung der Frau

Mozn Hassan und die Organisation Nazra für feministische Studien wird "für ihren Einsatz für die Gleichstellung und die Rechte von Frauen unter Umständen von anhaltender Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung" ausgezeichnet. Weil gegen sie ermittelt wird, darf Hassan das Land derzeit nicht verlassen. Ob sie den Preis in Stockholm persönlich wird entgegennehmen können, ist daher fraglich.

Mozn Hassan
Foto: APA/AFP/Mohamed El-Shahed

Sämtliche Preisträger 2016 ermittelte die international besetzte Jury aus 125 Nominierungen aus 50 Ländern. Das auf die vier Preisträger aufzuteilende Preisgeld beträgt insgesamt drei Millionen Schwedische Kronen (knapp 313.500 Euro). Die privat finanzierten Alternativen Nobelpreise werden seit 1980 jedes Jahr - kurz vor der Bekanntgabe der traditionellen Nobelpreise - in Stockholm vergeben. Mit ihnen werden Verdienste für eine nachhaltig bessere Welt gewürdigt und die Arbeit der Preisträger unterstützt.

Zahlreiche prominente Preisträger

Frühere Preisträger waren zum Beispiel der US- Geheimdienst- Whistleblower Edward Snowden, die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, der Zukunftsforscher Robert Jungk, der 1992 bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich für die Grünen antrat, oder der aus Vorarlberg stammende Bischof Erwin Kräutler, der sich in seiner Diözese in Brasilien für die Erhaltung des Regenwaldes einsetzte.

22.09.2016, 16:55
AG/red
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