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24.04.2017 - 06:02
Helmut St. (41) wurde für den Mord an der Tanzlehrerin Ingrid Sch. (51) verurteilt.
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER, SALZI.AT, "Krone"

12 Fakten und Fragen zum Gmundner Sex- Mord

30.01.2017, 16:51

Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein Anwalts- Duo aus Linz und Salzburg behauptet, dass nach einer bestialischen Tat am Traunsee der Falsche in Haft sitzt. Die "Krone" hat die Tatsachen analysiert. Und erstmals meldet sich die Polizei zu Wort ...

  • Die Anwälte: Der wegen Mordes an der Tanzlehrerin Ingrid Sch. (51) verurteilte Gmundner Helmut St. (41) hat einen Top- Mann engagiert, denn sein Anwalt Franz Hitzenbichler kennt sich mit aussichtslosen Fällen aus: 2003 hat er Peter Heidegger aus dem Gefängnis geholt. Hitzenbichler wird vom Linzer Anwalt René Haumer unterstützt.
  • Die Gutachter: Auch diese sind nicht unbekannt: Gerichtsmediziner Gregor Thorwartl und Kriminologe Reinhold Nimmrichter haben den Fall im Nachhinein analysiert. Ihre Expertise ist die Grundlage für die Kritik an der Arbeit der Polizei.
  • Der Pokal: Die Trophäe ist sozusagen das "Corpus Delicti". Die Gutachter gehen davon aus, dass Sch. damit erschlagen wurde. Die Polizei sicherte darauf die DNA des Opfers und eine weitere unbekannte Spur - aber keine des Verurteilten. Bei den Ermittlungen im Sommer 2013 war vom Pokal als Tatwaffe keine Rede. Die Polizei ist nach wie vor davon überzeugt, dass der Pokal keine Rolle spielt.
    Die Tatwaffe war ein Pokal (li.), Ingrid Sch. wurden schwere Kopfverletzungen zugefügt.
    Foto: Markus Tschepp
  • Die Ermittler: Weil das Opfer vergewaltigt wurde, übernahm die Gruppe für Sexualdelikte den Fall. Wären Mordspezialisten tätig geworden, hätte sich ein Umstand nicht geändert: Für die Sicherung der Spuren sind ein und dieselben Experten verantwortlich.
  • Der Tatort: Weil Sch. zunächst noch lebte, stand deren - letztlich vergebliche - Rettung im Vordergrund. Im Garten ihrer Villa waren Einsatzkräfte - und auch sie ließen Spuren zurück. Zusammengefasst: Die Kripo war mit einer komplizierten Spurenlage konfrontiert.
  • Das Komitee: 200 Personen aus dem Umfeld des Verurteilten setzen sich für St. ein. Lehrer sind von seiner Unschuld ebenso überzeugt wie Unternehmer und ehemalige Arbeitskollegen. Recht relevant ist das für die Ermittlungen allerdings nicht. Sprecher der Initiative ist sein Freund Wilfried Huber.
    Im Garten dieses Hauses wurde das Opfer gefunden.
    Foto: APA/SALZI.AT

  • Der Staatsanwalt: Auch ein Notar wurde von den Anwälten als Unterstützer des Komitees präsentiert. "Er war Staatsanwalt", hieß es dazu. Tatsache: Der Notar war niemals Staatsanwalt, er war dort nur beschäftigt.
  • Die Gerüchte: Derzeit wird versucht, das Mordopfer zu diffamieren. Und dabei wird vor nichts zurückgeschreckt. Man wirft Ingrid Sch. etwa vor, sehr freizügig gelebt zu haben. Im TV wurden sogar Nacktbilder der Toten gezeigt. Das empört die Familie des Opfers, Ermittler, Richter und Staatsanwälte.
  • Die Wiederaufnahme: Beim Landesgericht Wels sind bis jetzt acht Wiederaufnahmeanträge samt Ergänzungen eingelangt. Ein Drei- Richter- Senat entscheidet, ob dem stattgegeben wird. Wann das sein wird, ist nicht absehbar.
  • Die Zeugen: Plötzlich gibt es im Fall neue Zeugen. Die Anwälte glauben, dass diese damals aus Scham geschwiegen haben. Ob sie für die Wiederaufnahme relevant sind, wird sich zeigen.
  • Der Verurteilte: St. sitzt in der Haftanstalt Suben. Dort beschäftigt er sich mit allen Details zum Fall und beteuert stets: "Der Falsche sitzt."
  • Die Zukunft: Wird dem Antrag zur Wiederaufnahme stattgegeben, beginnt alles von vorne. Möglich, dass St. freigesprochen wird.
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Polizei: "Es gibt keine Pannen und keinen Skandal"

Seit Wochen werden dem LKA Oberösterreich nach dem Mord an der Gmundner Tänzerin Ingrid Sch. Ermittlungsfehler vorgeworfen. LKA- Chef Gottfried Mitterlehner reagiert jetzt erstmals auf diese Kritik.

"Krone": Es wird behauptet, dass dem Gericht Zeugenaussagen vorenthalten wurden.
Gottfried Mitterlehner: Dem Gerichtsakt war eine vollständige Zeugenliste angeschlossen und im Gerichtsakt finden sich Zusammenfassungen der Zeugenaussagen. Die Verteidigung des Verurteilten war aufgrund der Akteneinsicht über diese Zusammenfassungen und die Zeugenliste somit umfassend informiert. Wären diese Aussagen für die Verteidigung von Bedeutung gewesen, hätte man jederzeit die Möglichkeit gehabt, entsprechende Beweisanträge zu stellen.

OÖ-LKA-Chef Gottfried Mitterlehner
Foto: APA/FOTOKERSCHI.AT

Sind bei den Ermittlungen damals Fehler passiert?
Ich kenne den Fall sehr gut. Insbesondere die ersteinschreitenden Beamten der Polizeiinspektion Gmunden, aber auch unsere Tatortgruppe und alle Ermittlungsteams haben exzellente Arbeit geleistet. Es gibt keine Pannen und damit auch keinen Ermittlungsskandal.

Egal, ob Mord, Raub oder Vergewaltigung: Die Spuren werden immer von denselben Beamten gesichert.
Wo gearbeitet wird, können Fehler passieren. Wir sind es gewohnt, dass unsere Arbeit überprüft, hinterfragt und kritisch beurteilt wird. In diesem Fall liegt jedoch keine kritische Auseinandersetzung mit unserer Arbeit vor, sondern es entsteht der Eindruck, dass es sich um eine relativ offensichtliche Diffamierungskampagne handeln könnte. Es geht nicht um die Sache selbst, sondern ausschließlich um das Erzeugen von Emotionen.

Ein Thema ist auch, dass in dem spektakulären Gmundner Fall damals nicht die Mordgruppe ermittelt hat.
Der Ermittlungsbereich für Sexualdelikte ist für Vergewaltigungen mit Todesfolge zuständig. Zwei sehr erfahrene Beamte haben die Ermittlungen geleitet. Richtig ist aber auch, dass, nachdem das Opfer leider einige Tage nach der Tat an den Folgen verstorben war, auch eine Zuständigkeit der Mordgruppe denkbar gewesen wäre. Jeder LKA- Beamte hätte gerne bei der Aufarbeitung dieses Falles mitgeholfen. Nach dem Tod der Frau wurde zwischen den Ermittlungsbereichen Leib/Leben bzw. Sexualdelikte einvernehmlich festgelegt, dass die kriminalpolizeilichen Erhebungen aufgrund des Informationsstandes und des bereits ermittelten Detailwissens weiter von der Gruppe Sexualdelikte geführt werden.

Robert Loy, Kronen Zeitung

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