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05.12.2016 - 18:52
Foto: Lawrence Watson

Young Rebel Set: "Waren früher dauernd besoffen"

01.01.2014, 08:00
Die britischen Folk-Rocker Young Rebel Set haben zwischen ihrem Debütalbum und dem neuen Werk "Crocodile" nicht nur eine musikalische, sondern auch eine persönliche Wandlung durchgemacht. Die "Krone" hat sich mit den beiden Gitarristen Andrew Parmley und Mark Evans zusammengesetzt, um über besoffene Konzerte, Fußballspiele mit Thees Uhlmann und die Unterschiede zwischen Tour- und Familienleben zu sprechen.

"Krone": Obwohl ihr aus dem beschaulichen englischen Städtchen Stockton- On- Tees stammt, seid ihr in Deutschland richtig bekannt geworden, da euch Thees Uhlmann entdeckt hat und ihr schon vor dem ersten Plattenvertrag viele Shows dort gespielt habt. Erinnert ihr euch noch an diese Zeiten?
Andrew Parmley: Ganz zu Beginn haben wir schon einige Clubshows in England gespielt, bis uns ein Schweizer Promoter eingeladen hat, zu kommen. Wir haben natürlich zugesagt, wollten aber gleich mehr Konzerte in der Schweiz, Deutschland und Österreich spielen. Das hat Thees damals mitgekriegt, woraufhin er uns bei einer Show in Newcastle gesehen und engagiert hat. Daraus hat sich in den letzten drei Jahren eine wirklich enge Beziehung ergeben. Als er uns dann auch bei seinem Label Grand Hotel Van Cleef untergebracht hat, kam der Stein in Deutschland ins Rollen.

"Krone": Ihr habt als Band erst unlängst ein Fußballspiel gegen das Label bestritten.
Parmley: Wir haben die mittlerweile schon zweimal besiegt.
Mark Evans: Die sollten vielleicht das nächste Mal mit dem Team von St. Pauli antreten – ich glaube, das haben die Jungs dringend nötig (lacht).

"Krone": Ihr seid prinzipiell begeisterte Fußballfans.
Evans: Wir alle, das stimmt. Es gibt aber wenig Diskussionen, weil wir alle Fans des Middlesbrough FC sind. Sie sind einfach die Besten und wie alle richtig guten Fans stehen wir in guten wie in schlechten Zeiten zu den Jungs.

"Krone": Momentan dümpeln sie ja in der zweiten englischen Liga herum. Früher spielte auch der österreichische Verteidiger Emanuel Pogatetz bei eurem Lieblingsteam.
Parmley: Absolut richtig – über den "Mad Dog" haben wir gerade vorher gesprochen. Was für ein Zufall (lacht).

"Krone": Kommen wir zurück zur Musik. Auf eurem neuen Album "Crocodile" ist das Lied "Berlin Nights" zu finden, das eindeutig von euren Deutschland- Erlebnissen inspiriert ist. Worum geht es genau?
Parmley: Der Song war eine Kooperation von Sänger Matty und mir, bevor wir ins Studio gegangen sind. Ich hatte den Refrain und Matty die Verse – den Text haben wir erst später geschrieben.
Evans: Es ist eine klassische Erzählung von Romantik. Berlin war dafür einfach die perfekte Stadt, weil sie so eine nette Atmosphäre hat und ein schönes Bild für dieses Thema abgibt. Außerdem waren wir schon sehr oft selber dort, aber ich werde jetzt nicht verraten, worum es sich genau dreht. Diese Mühe sollen sich schon die Hörer selbst machen.

"Krone": Habt ihr aufgrund eurer Deutschland- Erfolge jemals darüber nachgedacht, dorthin zu ziehen?
Parmley: Das liegt auch daran, wie bekannt unsere Musik hier wird. Wir sind ja ohnehin in vielen Ländern unterwegs, ich weiß nicht, ob wir dort sesshaft werden möchten. Das hängt davon ab, was die Zukunft für uns bereithält.
Evans: Es ist wirklich schön, in all den deutschsprachigen Ländern zu touren und den Kontakt mit den Fans zu haben, aber wie du sicher selbst weißt, ist es dann schön, wieder nach Hause zu kommen. Man weiß nie, was die Zukunft bringt, aber derzeit sind wir mit der Situation glücklich, wie sie ist.

"Krone": Habt ihr auch noch Erinnerungen an die österreichischen Shows?
Evans: Klar doch, mit den Jahren ist auch das Publikum hier mitgewachsen. Ich erinnere mich etwa an tolle Auftritte im B72 und an ein Open Air in der Arena.

"Krone": Warum hat euer Albumtitel "Crocodile" eigentlich so gar nichts mit den Songs zu tun?
Evans: Wir hatten eine kleine Liste mit möglichen Titeln und "Crocodile" hat sich dann bei allen durchgesetzt. Jeder hatte so seine eigenen Gründe, warum er das Wort toll fand, ich persönlich verband es mit einer Filmszene, wo zwei Zwillinge aufstehen und gleichzeitig dieses Wort sagen. Dort hat das Wort einfach die Telepathie zwischen den Brüdern repräsentiert, und diese Telepathie hatten wir auch im Studio, weil wir immer wussten, was wir wollten, und wie wir am besten dort hinkommen.
Parmley: Es ist einfach eine Art Verbindung innerhalb unserer Band, weil wir meistens wissen, was der andere gerade so denkt oder macht. Ich fand das Wort einfach stark und aussagekräftig. So wie damals die Beatles mit "Revolver", obwohl ich unsere Band natürlich niemals mit den Beatles vergleichen würde (lacht). Wir hatten so viele Ideen für politische Titel, wollten das aber nicht so durchziehen und haben uns dann noch einmal zusammengesetzt, um das Thema zu vereinfachen.
Evans: Mitgespielt hat auch die Tatsache, dass es den Titel als solches meines Wissens noch auf keinem Album gab. Das ist ja heute gar nicht mehr so leicht, etwas Originelles und nicht Dagewesenes zu finden.

"Krone": Im Vergleich zu eurem Debütalbum "Curse Our Love" habt ihr euren Sound ordentlich verändert, etwa weniger Folk in den Songs. Warum habt ihr das gemacht?
Parmley: Ich weiß nicht so recht. Als wir mit der Musik angefangen haben, haben wir uns sowieso nie in einer Folk- Szene verortet und auch keine Gedanken daran verschwendet. Wir haben uns als Musiker und Songwriter weiterentwickelt und haben dann die Elemente, mit denen wir nicht so glücklich waren, aus dem Sound rausbefördert. Zum Beispiel die Harmonika oder die Mandoline. Im Studio lag es dann an Produzent Paul Savage, der daran geglaubt hat, dass wir einen Sound finden, der wirklich nur auf uns zugeschnitten ist. Ich finde die neuen Songs sind vielleicht nicht so eingängig, aber eben gereifter, erwachsener und genauer entwickelt.
Evans: Es hat sich auch dahingehend viel geändert, dass wir von sieben auf fünf Bandmitglieder geschrumpft sind. Wir waren einfach ehrlich zu uns selbst. Ich habe damals auch Mandoline gespielt und fand das sehr lustig, über weite Strecken sehe ich mich aber schon als Gitarristen. Wenn du eine Band hast und dein Herzblut reinsteckst, machst du einfach keine Musik, die dich nicht vollständig glücklich macht.

"Krone": Warum habt ihr euch eigentlich von den anderen beiden Bandmitgliedern getrennt?
Parmley: Das hatte verschiedene Gründe. Unser Usprungsgitarrist Paddy Jordan bekam Kinder und hatte dann ein geregeltes Familienleben samt Haus. Das war dann der Punkt, wo wir und er erkannt haben, dass eine Zusammenarbeit mit voller Konzentration nicht mehr möglich ist. David Coombe, der bei uns die Mundharmonika spielte, passte aus künstlerischen Gründen nicht mehr dazu.
Evans: Es wurde für ihn immer schwieriger, eine Rolle innerhalb der Band zu finden. Auf "Crocodile" hat uns die Harmonika nicht mehr gepasst und David spielt auch sonst keine Instrumente. Wir sind einfach an dem Punkt angekommen, wo wir wussten, dass es so einfach nicht mehr weitergeht. Natürlich erinnern wir uns mit Freude und Spaß an die vier, fünf vergangenen Jahre als Sieben- Mann- Band zurück, aber es war einfach Zeit für Veränderung.

"Krone": Ihr bezeichnet euch auch persönlich gereifter. Wie ist das zu verstehen?
Parmley: Sänger Matty hat jetzt zum Beispiel schon zwei Kinder und auch der Rest von uns ist einfach reifer geworden.

"Krone": Weniger Alkohol oder solche Scherze?
Parmley: Das definitiv! Das war irgendwie der Geist unserer Anfangstage – möglichst viel zu trinken und nicht an die Konzerte zu denken. Aber wir haben erkannt, dass wir unseren Lebenstraum leben und das nicht mehr so machen können. Du würdest auch nicht um 6 Uhr morgens besoffen ins Büro gehen.
Evans: Versteh mich nicht falsch, natürlich genießen wir unsere Getränke, überlegen uns mittlerweile aber schon vorher, wann wir was trinken sollen und wann nicht. Wenn du dir "Crocodile" anhörst, wäre es kaum möglich gewesen, so besoffen an die Sache heranzugehen, wie wir das vielleicht am Debütalbum gemacht haben. Wir sind ja viel komplexer geworden und mussten dadurch auch viel fokussierter sein.

"Krone": Wart ihr denn auf der Bühne auch immer so betrunken?
Evans: Permanent.
Parmley: Eigentlich jedes einzelne Konzert. Vor einem Jahr – ich weiß gar nicht mehr, wo das war – waren wir bei einem Gig so stockbesoffen, dass wir beschlossen haben, das jetzt endgültig zu ändern. Wir haben gemerkt, dass wir uns so auch nicht verbessern werden, denn besoffen kannst du so viele deiner Fähigkeiten gar nicht ausspielen.
Evans: Wenn du Festival- Slots und große Touren kriegen und Alben veröffentlichen willst, musst du einfach professionell sein. Wenn du da alles verkackst, kommt sofort der Nächste und nimmt deinen Platz ein.

"Krone": Eure Bandkonstellation ist sehr interessant. Zwei Brüderpaare und der Sänger. Wie läuft das bei euch ab? Gegenseitige Brüderkämpfe? Sänger gegen beide Brüderpaare? Jeder gegen jeden?
Parmley: Absolut gar nicht. Natürlich kommt es vor, dass dich der eine oder andere aufreibt, aber wir Brüderpaare kennen uns jetzt schon seit 20 Jahren sehr gut und wenn wir uns mal in die Haare kriegen, wird darüber geschlafen und am nächsten Tag interessiert das schon niemanden mehr.
Evans: Sänger Matty ist vielleicht kein biologischer Bruder, aber wir kennen ihn auch schon an die zehn Jahre, was ihn zu einem Bruder macht. Wir können zu uns völlig ehrlich sein und wirklich sagen, was wir wollen – das ist unheimlich wichtig. Ich vergleiche uns immer mit einer Fußballmannschaft. Jeder spielt seine Rolle im Team und muss die bestmöglich ausfüllen.

"Krone": Wer ist denn der Torjäger?
Evans: Das bin dann wohl ich (lacht).
Parmley: Ich sitze nur auf der Auswechselbank (lacht).

"Krone": Ihr seid nicht bekannt genug, um mit großen Nightlinern durch die Gegend zu fahren, sondern lebt euren nomadischen Lebensstil eher in kleinen Bussen. Was gibt es denn da für Nachteile in eurem Fall?
Evans: Es hapert am Geld (lacht).
Parmley: Am öftesten packt uns wohl das Heimweh. Das beginnt schon bei so Sachen wie der heimischen Küche, die zum Beispiel ich persönlich immer stark vermisse. Aber wir sind das jetzt seit etwa sechs Jahren gewohnt und es ist innerhalb der Band für den einen schwieriger, für den anderen weniger schwierig.
Evans: Es gibt natürlich Momente, in denen du nachzudenken beginnst. Viele meiner Freunde haben Frau, Kinder, Auto, Haus und gute, sichere Jobs. Das alles trifft auf mich nicht zu. Aber sobald ich abends auf der Bühne stehe und uns 500 bis 1.000 Leute zujubeln, weiß ich wieder, warum ich das mache.

"Krone": Dauerhaft in großen Arenen zu spielen ist auch euer primäres Zukunftsziel?
Parmley: Durchaus. Niemand will sein restliches Leben vor 200 Leuten pro Abend auf Club- Toiletten spielen.
Evans: Du musst einfach ambitioniert sein und an dich selbst und die Band glauben. Es ist schon toll, immer ausverkaufte kleine Shows zu spielen, aber es ist auch nicht das ultimative Ziel für uns. Mir wäre es wichtig, große Festivals zu headlinen, immer bessere Alben zu produzieren und jede Show besser zu machen als die letzte. Ansonsten könnten wir das Projekt auch vergessen.

"Krone": Wer kümmert sich bei euch um das Songwriting?
Parmley: Früher mal brachte Matty die Ideen, die wir dann als Band weiter ausgearbeitet haben, aber mittlerweile sind wir da vielseitiger aufgestellt. Es ist auch völlig egal, wer den Song jetzt findet, solange er gut ist. Als wir "Crocodile" aufgenommen haben, hatten wir viele rohe Grundfragmente der Songs und das war eine total neue Erfahrung für uns. Paul Savage, unser Produzent, war wie ein Schiedsrichter. Das war sehr wichtig für uns, jemanden zu haben, der dich in die Schranken weist und gute von schlechten Ideen auseinandersortieren kann. Wir arbeiten jetzt prinzipiell immer so – es geschieht viel mehr im Kollektiv als früher.

"Krone": War es einfach, mit der Autorität eines Paul Savage umzugehen?
Parmley: Absolut, es war fantastisch.
Evans: Für mich war er ohne Zweifel die bislang wichtigste Person, mit der wir arbeiten durften. Er hat uns einfach bis an die Leistungsgrenzen gepusht und auch dafür gesorgt, dass wir mannschaftsdienlicher an die Sache herangehen. Früher haben wir viele Ideen zu früh verworfen und Paul hat uns gezeigt, dass es egal ist, woher die Idee stammt, sie sollte zumindest in Erwägung gezogen werden. Wir haben davor schon andere Produzenten getestet, aber die meisten haben nicht so ganz erkannt, wie wir arbeiten. Die Ergebnisse waren damals nicht ganz so gut, wie wir es gerne gehabt hätten.

01.01.2014, 08:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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