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06.12.2016 - 09:23
Foto: APA/HERBERT P. OCZERET

Wolfgang Ambros: "Mir hat keiner Bescheid gesagt"

14.06.2015, 12:08
Austropop-Legende Wolfgang Ambros als "Late Night Act" beim Nova Rock war die eigentliche Sensation dieses Festivaljahres. In einem Radio-Voting setzte sich der 63-Jährige gegen die Partyfraktionen Scooter und Dr. Alban durch, sein Auftritt nach den Toten Hosen geriet am Samstagabend vor etwa 20.000 Fans zum Triumphzug. Im Vorfeld gewährte uns Ambros wenige Minuten seiner kostbaren Zeit und erklärte in bester Laune, warum er gar nichts von dem Voting wusste, weshalb junge Menschen seine Lieder auf der Gitarre spielen und wieso man mit weiteren neuen Songs rechnen darf.

"Krone": Wolfgang, dein letztes Album "190352" wurde nach deinem Geburtstag benannt. Wie kam das bei den Fans an?
Wolfgang Ambros: Grundsätzlich gut. Man fragt sich halt immer öfter: "Wozu das alles?" Man verkauft heute ja kaum mehr Alben, weil alles anders vonstattengeht. Es ist eine Menge Arbeit und man will was Ordentliches abliefern, was bedeutet, dass ich mich lange damit beschäftigt habe, nur um am Ende festzustellen, dass die ganze Arbeit, die ich gemacht habe, im Verkauf nur sehr wenig Anklang findet. Es wird aber im Regionalradio recht gern genommen. Die Leute kommen zu mir nach Tirol und sagen dann oft: "Heast, der Tiroler hat schon wieder was g'spielt, das kennen wir ja eh." Im Handel gibt es die CD ein paar Wochen lang und dann wird sie wieder aus dem Repertoire genommen. Der Rest ist auf irgendwelchen Sticks verteilt, wovon ich so gut wie nichts habe. Man denkt sich dann schon manchmal: "Fuck, wozu tu ich mir das an?"

"Krone": Und wozu?
Ambros: Weil ich mich doch noch einmal äußern möchte, und das nur in dieser Form geht. Ich bin keiner, der das irgendwie vorher zusammenbastelt, sondern gehe in ein Studio und spiele mit der Band. Es ist aufwendig und teuer und die Frage ist, zahlt sich das aus oder nicht? Egal, ich werde schon wieder was machen, lasse mich aber nicht darauf festnageln. Nicht so wie andere Kollegen, die sagen, dass es nächstes Jahr was gibt. In zwei Jahren gibt es jedenfalls das 45. Bühnenjubiläum, was sehr schön ist. Ich habe ein paar Songs geschrieben, die müssen jetzt einmal gemacht werden.

"Krone": Wenn dir beim Nova Rock zum Beispiel mehr als 20.000 Menschen zujubeln, ist das mehr für dich als das Monetäre?
Ambros: Na sicherlich. Ich bin in der glücklichen Lage, ein ziemlich breites Repertoire zu haben, und kann das Programm wechseln, wenn mich eines nicht mehr freut zu spielen. Dann wird mit der Band herumgestritten, diskutiert und es gibt was Neues. Das ist wieder aufregend, wie es dann ankommt und wie es sich anfühlt. Ohne die Klassiker kommt man ja ohnehin nicht aus.

"Krone": Dein letztes Album hat eine andere Band eingespielt als die, die du jetzt hast.
Ambros: Das ist richtig, aber das war nur deshalb so, weil die anderen keine Lust mehr hatten. Das hat ihnen nicht so gefallen und dadurch sind wir auseinandergedriftet. Ich war immer schon so, dass ich neugierig war, wie denn zum Beispiel etwas klingen würde, wenn ich etwa mit dem Friedrich Gulda zusammenspiele, oder wem auch immer. So bleibt es einerseits spannend und zum Zweiten habe ich überhaupt keine Berührungsängste. So wie beim Radiohead- Cover, das am Album ist.

"Krone": Wenn wir hier vom Nova Rock reden, hättest du dir gedacht, dass du gegen Scooter und Dr. Alban das Ö3- Voting bei den Fans gewinnen würdest, um als "Special Act" aufzutreten?
Ambros: Ich habe nicht einmal gewusst, dass es ein Voting gibt. Bevor das alles losgegangen ist, bin ich für etwa drei Wochen nach Afrika geflogen. Das war haargenau der Zeitraum, wo dieses Voting stattfand. Ich habe in Afrika ein eigenes Telefon und telefoniere dort intern mit wenigen Leuten, die ich kenne. Für die meisten bin ich nicht erreichbar. Einmal am Tag, so gegen Abend hin, öffne ich den Speicher und schau, was so passiert ist. Üblicherweise sind da zwei bis drei Voice- Mails, aber an diesem einen Tag ging das über. Was ist denn jetzt los? (lacht) Ich habe dann gelesen: "Gratuliere, du hast gewonnen." Als Erstes denkst du dabei ja an irgendwelche schwindligen Gewinnspiele, wo du was einzahlen musst und dann kriegst du eh nichts. Tatsache ist, dass ich trotzdem noch einen Tag brauchte, bis ich de facto gewusst habe, worum es wirklich geht: Dass wir auserwählt sind, um halb eins in der Nacht nach den Hosen auf einem riesigen Festival zu spielen. Da war die Begeisterung augenblicklich einmal, sagen wir, enden wollend. Ich habe mir gedacht: "Warum sagt mir das keiner? Warum weiß ich nix davon?" Dann habe ich mit meinem Manager geredet und ihn gefragt, ob er noch ganz dicht ist, er hätte ja zumindest was sagen können. Aber er wollte mich im Urlaub nicht stören, weil es wäre doch eh ohnehin super. Was super ist und was nicht, entscheide aber schon noch ich selbst. In dem Moment war ich leicht pikiert, aber es war eben so, und mich haben sie dann plötzlich dauernd auf Ö3 gespielt. Ich habe das dann so hingenommen, denn was hätte ich tun sollen? Absagen? Ich habe dann meine Band angerufen und alle haben davon gewusst, außer ich selbst. Ich war so weit weg, da steht das halt nicht einfach in der Zeitung. Die "Daily Nation" schreibt nicht über den Ambros am Nova Rock.

"Krone": Nach mehr als 40 Jahren auf der Bühne hast du fast alles erlebt - ein Auftritt nach Mitternacht beim größten Rock- Festival des Landes ist aber eine total neue Situation für dich. Vor allem spielst du vor vielen Leuten, die nicht unbedingt größte Fans deiner Musik sind. Bist du da noch nervös in so einer Situation?
Ambros: Zweiteres würde ich generell in Abrede stellen, denn ansonsten wäre es nicht möglich gewesen, dass doch so viele Leute für mich gestimmt haben. Eine Vielzahl der 20- bis 25- Jährigen, die heute da sind, spielen meine Lieder auf der Klampfe beim Lagerfeuer – das ist jetzt schon seit 43 Jahren so. Ein Ende ist in diesem Sinn keines in Sicht. Deshalb werden wir halt doch wieder ein paar neue Songs machen, damit die Leute wieder was fürs Lagerfeuer haben. Mit jeder Erfahrung - auch mit dieser hier beim Nova Rock - lernt man was Neues. Das ist aber ganz sicher nicht das größte Open Air, das wir je gespielt haben. Jeder Mensch sagt aber, hier zu spielen wäre eine große Ehre, ja gut, dann nehme auch ich das so zu Kenntnis und werde versuchen, dieser Ehre gerecht zu werden.

14.06.2015, 12:08
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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