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19.01.2017 - 21:38

Willy DeVille: "Pistola"

15.02.2008, 17:44
Er ist der wandelnde Rock'n'Roll, hat eine Lebensgeschichte, deren Anekdoten den Rahmen einer Autobiografie wohl sprengen würden und sieht aus, als wäre er einem Tarantino-Film entsprungen. Seit fast 40 Jahren ist Willy DeVille "on the road" und führt ein Leben mit der Musik. Auf seinem neuen Album "Pistola" stellt sich der vielseitige Rockmusiker mit Sitz in New Orleans den Dämonen seiner Vergangenheit und kramt ganz tief in seiner Seele - und in denen seiner Zuhörer.

Willy DeVille wuchs in Connecticut im Nordosten der USA auf. Seine Großmutter war eine "Native American" vom Stamm der Irokesen, väterlicherseits hat er irische und spanische Vorfahren. "Es ist wie bei einem Straßenköter", sagte Willy DeVille einst in einem Interview. Als junger Musiker trieb er sich in New York herum, sog den Blues von John Lee Hooker in sich auf und spielte mit allerlei zwielichten Typen, die ihr Geld überall sonst, nur nicht mit Musik verdienten.

1975 zieht es ihn nach San Francisco, wo er den Namen Willy DeVille (bis dato hieß er William Borsay) annimmt und die Band "Mink DeVille" gründet, mit der er bis 1985 insgesamt sechs Alben aufnimmt und mit "Spanish Stroll" einen Hit landet - jedoch nur ein Europa, was bis heute mit fast all seinen Veröffentlichungen so blieb. DeVilles Leidenschaft für den Blues vermischt sich zusehends mit anderen Musikrichtungen wie Funk, Latin Rock und Country, was zur Folge hat, dass bis Mitte der Achtzigerjahre jedes Gründungsmitglied von "Mink DeVille" seine Kündigung eingereicht hat - außer Willy.

1987 veröffentlicht er sein erstes Album unter eigenem Namen und ist bis heute ein Garant bzw. Geheimtipp für anspruchsvollen Rock'n'Roll, der keine Scheu vor anderen Genres wie Blues, Latinrock, Funk, bis hin zum kitschigstem Country kennt. Seinen festen Wohnsitz - sofern man bei einem Tourbus- Nomaden wie ihm von fest sprechen kann - hat er in New Orleans, der musikalischsten Stadt der USA, die in seiner Musik immer mehr Gewichtung erhält. 

"Pistola"

Willy DeVilles Songs waren nie sonderlich persönlich. Er erzählte gute Geschichten, dichtete raffinierte Poesie und war in seinen Stories stets auf der Straße, wenn nicht in der Gosse zuhause. Nach 31 Jahren als Recording Artist blickt er auf seinem neuen Album "Pistola" zum ersten Mal den Dämonen seiner Vergangenheit ins Auge, singt über seine Heroinsucht, die ihn um ein paar Falten reicher machte, seine Navajo- Wurzeln, die bisher nie ein Thema waren, und lässt die Welt auf schroffe Art an seinen Erfahrungen teilhaben.

"I ain't no rocket, just a shooting star", heißt es auf dem Opener "So So Real", einem Song über Erwartungen inmitten unseres modernen Treibens, dem DeVille auf dem gemächlichen Hin und Her des bluesigen Rock'n'Roll- Rhythmus davonreitet. Auf "Been There Done That" fröhnt er dem Funkrock und erzählt für alle, die glauben etwas erlebt zu haben, was an ihm unbeindruckt abprallt. Heroin - done that. Ohne Geld auf der Straße - been there.

Was "Pistola" prägt, sind aber nicht nur die kleinen Enthüllungen Willy DeVilles. Einmal mehr geben sich die Genres die Klinke in die Hand: Kirchenglocken und Gospelgesang auf "When I Get Home", Trauerzug samt New- Orleans- Marching- Band auf "The Band Played On", John- Denver- Sound mit Pedal Steel auf "Louise", der einzigen Coverversion auf "Pistola"; Quentin Tarantino nahm einen Song Willy DeVilles für seinen Soundtrack zu "Deathproof". Als er Robert Rodrigez bei dessen Vampir- Clash "From Dusk 'Til Dawn" behilflich war, hätte er einen satten, schweren Tex- Mex- Kracher wie "You Got The World In Your Hands" mit offenen Armen empfangen.

Unter den 10 Songs auf "Pistola" findet sich aber auch so manche Überraschung. "I Remember The First Time" würde man, käme es von einem anderen, schlicht als Schlager abtun und die Anziehungskraft des gesprochenen "The Stars That Speak" tendiert in Richtung Johnny Hill - obwohl DeVilles diabolisches Lachen und die tiefe, brummige Stimme schon ab und an für Gänsehaut sorgen. Auch auf "The Mountains Of Manhattan" spricht DeVille. Er erzählt eine Geschichte zum dumpfen Klang einer Handtrommel, die einen Lagerfeuertanz einschlägt, spielt auf einer Indianerflöte und trägt den Zuhörer in die weite, kahle, heiße Prärie- Landschaft.

Der beste Song auf "Pistola" verrät sich schon am Titel, denn hinter "I'm Gonna Do Something The Devil Never Did" verbirgt sich genau das, was man erwartet: Ein rotziger, tiefschwarzer Blues- Song, bei dem Willy DeVille dem Teufeln den Stinkefinger zeigt und ihm die Zigarette im Handteller ausdrückt. Großartig!

8 von 10 Dämonen- Jägern



Christoph Andert

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