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09.12.2016 - 23:47
Foto: Klemens Groh

Wanda: Nie genug von Leben, Liebe und Tod

27.10.2016, 17:00

Nach zwei Nummer- eins- Alben folgte die Krönung auf dem Livesektor: Am 22. April bejubelten 12.000 Menschen die heimischen Popstars Wanda in der ausverkauften Wiener Stadthalle. Ein einzigartiges Erlebnise, dass die Band auf der Live- CD/DVD "Amore meine Stadt" verewigt hat. Im Interview mit der "Krone" schilderten Frontmann Marco Michael Wanda und Keyboarder Christian Hummer, welch bleibenden Eindruck dieses Konzert hinterließ, worauf sich die Wanda- Fans 2017 gefasst machen müssen und wieso man sich mit dem nächsten Album vielleicht Christus annähern wird.

"Krone": Ihr seid erst vor kurzem von eurer Mittelmeer- Kreuzfahrt mit Voodoo Jürgens, dem Nino aus Wien und Fuzzman zurückgekehrt - wie lief dieses Projekt?
Marco Michael Wanda: Es war sehr nett. (lacht) Es waren viele Freunde von uns dabei, eine große Travel- Party. Man entwickelt ein schönes Gruppengefühl, wenn man sich auf dem Schiff auf Augen- oder Promillehöhe begegnet. Wir haben viele Menschen kennengelernt, die alle sehr höflich waren. Niemand wollte jemanden vereinen, die Fans waren nett und interessiert. Unsere Gemeinsamkeiten waren die Abenteuerlust und die Liebe zu unserer Musik - eine gute Grundlage, um vier Tage Spaß zu haben.

Als krönenden Abschluss habt ihr in Bologna selbst euren Hit "Bologna" gespielt - war das ein besonderes Gefühl?
Wanda: Vor allem aufbauend auf die Geschichte des Theaters. Es heißt Teatro Duse und Duse war bekanntlich die Geliebte von Mussolini. Das ist schon einmal eine schräge Geschichte an sich. Es war für uns zudem bewegend dort zu spielen, wo unser ganzer Ruhm quasi herkommt. Mit diesem Song hat hier und in Deutschland doch einiges angefangen. Am Ende hatte ich eine Träne in den Augen. Unser Bassist auch, aber er klärte mich danach auf, dass es nur der Schweiß war. (lacht)

Stimmt es, dass du dort deine berühmte Lederjacke endgültig bestattet hast?
Wanda: Das habe ich nur gesagt, damit die Presse was zu schreiben hat. (lacht)

Also wird es sie bei den Dezember- Konzerten in Österreich noch zu sehen geben?
Wanda: Langsam ist sie wirklich kaputt. Ich habe sie jetzt zweimal ins Spital gebracht, zu einem Schneider aus dem ersten Bezirk, aber der kann auch nichts mehr machen. Er ist Italiener und meinte, die Jacke solle unbedingt so bleiben. (lacht)

Foto: Klemens Groh

Würdet ihr so eine Kreuzfahrt noch einmal wagen?
Christian Hummer: Vielleicht eine Zeppelin- Fahrt. Ich weiß aber nicht, was es für Kapitäne gibt.
Wanda: Die Partie mit dem Voodoo, dem Nino aus Wien, Fuzzman, Ostrowski und Votava war schon sehr toll. In dieser Konstellation könnte ich mir das schon vorstellen als Piratengang.

Oder mit David Hasselhoff, der nun selbst auf große Kreuzfahrt geht.
Wanda: Der und Gabalier - jetzt beginnen alle, uns das nachzumachen. (lacht)

Die Live- CD/DVD "Amore meine Stadt" führt uns noch einmal zurück zu eurem Stadthallen- Gig im April, wo ihr von 12.000 Fans bejubelt wurdet. Es gibt auch eine kleine Doku, wo man euch von eurem ersten Konzert 2012 im Wiener Werk bis zur Stadthalle verfolgen kann. Wie schwer war diese rasant steigende Popularität zu verarbeiten?
Hummer: Wir haben das nie verarbeitet. Es war auch nicht notwendig, denn es geht immer weiter und wir arbeiten hart. Wenn man arbeitet, dann bleibt nicht so viel Zeit zum Verarbeiten. Es gab vielleicht drei Momente in den letzten Jahren, wo es uns wirklich arg vorkam, darüber nachzudenken, was so alles passiert ist. 20 Minuten später lässt man das aber wieder, weil es ohnehin nirgends hinführt. (lacht)

Die Schritte waren dennoch imposant - Werk, Chelsea, Gasometer, Stadthalle. All das in vier Jahren und in nur zwei Jahren mit veröffentlichten, physischen Produkten.
Wanda: Vom sentimentalen Duktus her hat es sich nie verändert. Es ist immer noch ein sich auf Augenhöhe begegnen mit dem Publikum. Genau so, wie es auch früher war. Wir sind immer noch so dilettantisch bis bemüht wie früher und schauen uns auch noch ähnlich. Es ging alles so schnell, dass die Reflektionsebene noch lange kein Thema ist.

Ihr hattet 2016 sehr viele Highlights - vom Nova Rock über das deutsche Highfield Festival bis hin zur Burg Clam. Ist der Stadthallen- Gig trotzdem noch darüber zu stellen?
Wanda: Es war der Beginn von etwas - vor allem mit uns musikalisch. In der Stadthalle haben wir uns selbst anders erlebt. Wir haben zudem gemerkt, dass man auch mit 12.000 Menschen eine intime Show fahren kann und das war für mich im Vorfeld ein Fragezeichen. Es ist uns gelungen, das Konzert locker runterzuspielen. Ich habe gelernt, wie ich noch besser im Flow bleibe, wie ich mich noch natürlicher bewege und wie ich mich weniger schäme, dessen was ich da tue. Das spielt vor so vielen Leuten immer noch mit. Wir sind als Musiker stark gewachsen.
Hummer: Es gibt kaum noch ein Konzert, wo von uns in der Band jemand das Gefühl hat, dass er nicht mehr richtig hineinfindet. Wir sind in diesem Jahr so weit fortgeschritten, dass wir da sehr souverän geworden sind. Das begann ca. in der Stadthalle.

Was für ein Gefühl ist das, wenn man auf die Bühne geht, die ersten Wörter sagt und man aus 12.000 Kehlen eine Replik kriegt?
Wanda: Ich habe anfangs ja "Herzlich Willkommen" gesagt und drei Songs später, "ich weiß nicht was ich sagen soll, vielleicht fällt mir später etwas sein". Ich war ein bisschen wortstad dort und mir kam erstmals gar nichts. Auf der DVD sieht man auch, dass hier etwas passiert und auch etwas zu schnell passiert. Es ist ein Dokument einer ungewöhnlichen Karriere, die sich so in Österreich wohl auch nicht wiederholen wird.

Passiert euch selbst auch vieles zu schnell?
Wanda: Manchmal ja, manchmal nein. Es geht uns aber gut.

Gibt es Momente, wo ich euch von der Popularität und der Öffentlichkeit überfordert fühlt?
Wanda: Von der Popularität nicht. Wir sind eher bemüht, in unserem Handwerk reifer und besser zu werden. Wir wollen das Publikum noch mehr wahrnehmen und noch mehr Leidenschaft spüren lassen. Das ist unser Job und unser Lebensinhalt. Den Applaus beziehen wir nie auf uns, sondern auf das, was wir gemeinsam mit dem Publikum erarbeiten.

Viele hätten euch nie zugetraut, dass ihr die Stadthalle so füllen würdet - habt ihr ein bisschen Genugtuung verspürt als ihr gesehen habt, dass es eben doch geht?
Wanda: Kategorien wie Rache kommen für uns nicht in Frage. Alles bei uns soll eine positive Endaussage haben.

Es gab dann aber auch Konzerte wie im Frühling in Linz vor Queen, wo man das Gefühl hatte, zwischen euch und dem Publikum funktioniert einfach etwas nicht.
Wanda: Das soll passieren. Es ist vor allem dadurch so deutlich geworden, da wir sonst immer so unglaublich toll aufgenommen werden. Das war das einzige Mal, dass es nicht gut ging.
Hummer: Am Ende lief es aber gut, es hat einfach länger gedauert, bis wir die Leute zu uns bewegt haben.

Macht euch so eine Situation unsicher, weil ihr sie im Normalfall nicht gewohnt seid?
Wanda: Nein, denn wir sehen die Schuld in diesem Fall bei uns und nicht beim Publikum. Das ist wie bei Sportlern. Wenn wir verlieren, haben wir etwas falsch gemacht und nicht der Gegner etwas richtig. (lacht)

Eure Band wird schon seit Längerem nur mehr mit Superlativen gleichgesetzt. Bringt euch das nicht zusehends unter Druck?
Wanda: Je höher der Superlativ, desto irrealer und uninteressanter wird es für mich. Ich glaube diesen Begriffen nicht, sondern nur daran, dass wir gute, wohlklingende und leidenschaftliche Musik spielen und das ist alles.
Hummer: Wir haben nicht darauf hingearbeitet, diese Superlative zu erhalten, deshalb haben wir auch keinen Druck, sie zu erfüllen. Das ist nicht unser Kaffee.
Wanda: Sie ängstigen uns nicht, sondern drücken eher aus, dass etwas richtig läuft.

Foto: Klemens Groh

Im Dezember spielt ihr zum Jahresabschluss noch sechs Konzerte in verschiedenen österreichischen Bundesländern. Werden sich diese von den bisherigen Wanda- Shows in diesem Jahr unterscheiden?
Hummer: Es könnte sein, dass schon ein neues Lied dabei ist, das wissen wir aber noch nicht so genau. Proben wird überbewertet. (lacht)
Wanda: Ich glaube, wir haben seit zwei Jahren nicht mehr geprobt. Wenn man so viel auf der Bühne steht, dann ist das Probe genug. Man sollte aber zumindest einmal vorher drüber reden, ob man den neuen Song wirklich spielen wird.

Stichwort neues Album - das soll 2017 erscheinen. Könnt ihr das schon genauer datieren?
Wanda: Im Spätsommer oder Herbst, sodass wir schön unseren Zwölfmonatstakt beibehalten werden. Vier Alben in vier Jahren quasi.

Werden darauf ausschließlich komplett neue Songs zu hören sein, oder greift ihr auch auf ältere Ideen zurück?
Wanda: Es ist immer ein bisschen ein Umackern und Neuinterpretieren von sich selbst - kombiniert mit frischen Ideen. Ich sehe das Liederschreiben als integralen Bestandteil meines Lebens. Wenn wir ins Studio gehen, dann nicht zwei Wochen am Stück, wie das andere Bands machen. Bei uns schwappt das so ins Alltagsleben rüber und wieder zurück. Ich sehe keine Grenze mehr zwischen Studio und Leben. Deshalb wird Altes und Neues dabei sein. Es wird auch etwas geben, das unser Publikum überraschen wird, aber ich habe keine Sorge, dass sich das Publikum nicht gleichermaßen mit uns entwickeln kann, um das auch zu genießen.

In welche Richtung wollt ihr überraschen? Singt ihr Lieder auf Englisch?
Hummer: Nein, es wird sich etwas an der Instrumentalisierung und den Arrangements ändern.
Wanda: Grundsätzlich geht es aber weiterhin um Leben, Liebe und Tod, denn man kann niemals genug darüber singen. Das werden immer unsere Kernthemen sein.

Nach "Amore" und "Bussi" müsste als Albumtitel nun ein Wort mit "C" und fünf Zeichen folgen …
Wanda: Mir ist noch nichts Gescheites eingefallen, vielleicht überspringen wir ein paar Buchstaben. Chianti oder Coco Chanel wäre doch nett. Oder gleich Christus? (lacht)

Du wurdest des Öfteren damit zitiert, dass sich nun ein altes Kapitel schließt und ein neues für euch beginnt.
Wanda: Diese Aussage stammt nicht genau so von uns. Das Leben unterteile ich nicht in Kapiteln. Es ist kein Buch, sondern ein lebendiges Maß.

Wie wichtig ist für euren Erfolg zur Musik euer Image?
Wanda: Ich konnte mich nie mit unserem Image identifizieren, denn ich begreife so etwas nicht.
Hummer: Was ist unser Image?

In meinen Augen die Wiener Strizzis, die im 2. Bezirk im Beisl gerne mal einen über den Durst trinken und die Tücken der Liebe besingen.
Wanda: Es ist sicher eine Halbwahrheit darin, wie bei einer Sage. Ein Image sollte für meine Begriffe eine Projektionsfläche sein. Was das Publikum in uns sieht, darf es auch in uns sehen. Spätestens wenn man ein Teil der öffentlichen Wahrnehmung wird, muss man diesen Pakt eingehen und ihn zulassen. Was unser Image aber wirklich ist, das weiß ich gar nicht.

Foto: Klemens Groh

Habt ihr mit euren Fans in diesem Jahr ein paar ganz besondere, spezielle Erlebnisse gehabt, die euch in Erinnerung geblieben sind?
Wanda: Immer wieder. Mir wurden oft Briefe zugesteckt, in denen mir die Menschen mitgeteilt haben, dass meine Texte sie insbesondere über schwere Lebensphasen hinweggetröstet haben. Es wurde sehr viel Persönliches mit uns geteilt. Ein Bundesheerler, der Grenzdienst machte, hat mir einmal geschrieben, dass er es ohne unsere Musik emotional gar nicht schaffen würde. Da war wirklich viel Bewegendes dabei. So viel, dass man sich die einzelnen Briefe gar nicht mehr merken kann. Es bleibt ein Gefühl zurück, dass man den Menschen etwas Lebendiges gibt und nicht nur etwas verkauft. Das ist wunderschön.

Fühlst du dich damit unter Druck gesetzt, auch weiterhin sehr bewegende, tiefsinnige Texte abliefern zu müssen. Eben quasi schon zu einem gewissen Qualitätslevel gefordert zu sein?
Wanda: Tiefsinniges zu schreiben war schon vor dieser Karriere mein großes Ziel. Ich empfinde somit nichts als Druck. Seit meinem fünften Lebensjahr schreibe ich Musik. Ich bin so routiniert, dass mir ein Druck nicht passieren kann. Wir machen uns einfach keinen Druck.

Schreibt ihr auch Musik und Texte, die nicht zu Wanda passen und die ihr gerne anders kanalisieren möchtet?
Hummer: In unseren unzähligen Nebenprojekten von denen niemand was weiß aus dem asiatischen Raum. (lacht)

Ihr habt für 2017 schon eine Deutschlandtour fix bestätigt - werdet ihr auch wieder in Österreich auftreten?
Wanda: Ja, wir besuchen einmal kleinere Städte, in denen wir noch nie waren. Insbesondere Niederösterreich wird sich freuen dürfen.

Glaubt ihr daran, dass es eine Art von Wanda- Omnipräsenz geben könnte? Dass ihr zu oft in denselben Ecken auf der Bühne steht?
Hummer: Die Leute, die uns hören wollen, denen kann das gar nicht zu viel werden. Das haben wir so aus Rückmeldungen erfahren. Und den anderen kann es egal sein, die müssen nicht hingehen, können wegschauen und weghören.

Vorerst sind Wanda aber noch auf vorweihnachtlicher Österreich- Tour unterwegs. Am 1. Dezember im Eventcenter Hohenems, am 2. Dezember in der Arena Nova in Wiener Neustadt, am 3. Dezember in der Grazer Stadthalle, am 10. Dezember in der Linzarena, am 21. Dezember in der Salzburgarena und am 22. Dezember in der Olympiahalle Innsbruck. Alle Infos und Karten erhalten Sie unter 01/588 85- 100 oder unter www.ticketkrone.at . Ermäßigungen unter www.kronebonuscard.at .

27.10.2016, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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