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10.12.2016 - 22:17
Foto: Jens Oellermann

Wallis Bird: "Jede Stadt ist besser als London"

10.04.2014, 17:00
Wenn man der sympathischen Exil-Berlinerin Wallis Bird gegenübersitzt, unterliegt man unweigerlich ihrer natürlichen Fröhlichkeit und verzettelt sich schnell in Gespräche über Erfahrungen und Reisetipps zu ihrer Heimat Irland. Die 32-Jährige ist zudem gerade dabei, mit ihrem neuen Album "Architect" durchzustarten, ohne dabei auf große Plattenfirmen oder Egoismus zu setzen. Freiheit sieht sie als höchstes Gut.

"Krone": Wallis, du bist vor einem Jahr von London nach Berlin gezogen. Welche Unterschiede erkennst du?
Wallis Bird: Erst einmal möchte ich über euch Österreicher reden, weil ich ja gerade hier in Wien bin. Ihr seid ziemlich ähnlich wie wir Iren – so warmherzig und lustig, außerdem sehr offen. Ich genieße diese Mentalität, und sie erinnert mich ein bisschen an mein Zuhause. Nach Berlin bin ich gezogen, weil ich in London überhaupt keine Kreativität mehr hatte – ich hatte ungefähr zwei Jahre lang keinen einzigen Song geschrieben. Ich bin in London geblieben und habe nach Inspirationen gesucht und mir eingeredet, dass die Stadt perfekt für mich ist. Immerhin gilt London für viele ja als kulturelle Hauptstadt Europas. Ich bin dann schnell draufgekommen, dass ich keine Mitstreiter für meine Musik finde. Alle waren zu beschäftigt mit Arbeit, um ihre Mieten zu bezahlen. Irgendwie schläft dort jeder um 2 Uhr morgens, und ich will in keiner Stadt leben, die schläft. Vor allem nicht als Künstlerin – dort wachst du zu dieser Zeit eher auf (lacht). Ich war in einem so kleinen Apartment, wo nicht mal die Sonne reinkam – das habe ich alles erst später realisiert, als ich schon in Berlin war. Natürlich habe ich von London vielleicht gelernt, aber ich glaube jede Stadt ist besser für mich. Auch wenn es hart ist, das zu London zu sagen.

"Krone": Die Songs für dein neues Album "Architect" hast du also erst in Berlin geschrieben?
Bird: Ja, ich habe nur den letzten Track des Albums, "River Of Paper", in London geschrieben. Das Lied ist auch eine Fortsetzung zum vorherigen Album, das sehr in sich ruhte und gemütlich war. Das bin aber nicht ich. Ich bin voller Energie und liebe Sport, aber ich habe in London überhaupt nichts gemacht. Ich habe auch nicht gezeichnet und keinen Sex mehr gehabt – ich war nur mehr unglücklich, und erst in Berlin kamen die Lebensgeister und alten Hobbys wieder zurück. Berlin ist wie ein Pfeil, der mich direkt getroffen hat. Hier vermischen sich alte Architektur und Graffiti- Bemalungen – die perfekte Symbiose aus Alt und Jung. Man fühlt einfach, wie die Architekten den Menschen nach dem Kriegsende hier das Gefühl von Platz und Freiheit gegeben haben. Das ist richtiges Handwerk. Die großen Fenster, all die Holzböden – es soll etwas Lebenswertes wiedergeben.

"Krone": Stimmt es, dass du auf "Architect" eine zerbrochene Beziehung behandelst?
Bird: Diese Beziehung war nur ein kurzer Prozess, und ich habe sehr schnell und stark gemerkt, dass ich weitergehen muss. Es gab da keinen Punkt, an dem nichts mehr passte, es war eher so ein unschlüssiges "Naja- Gefühl". Es kam dann ein Moment, an dem ich merkte, dass ich seit zwei Monaten keinen Sex mehr hatte. Ich meine, wir wohnten zusammen, hatten eine Beziehung und ein gemeinsames Zuhause – allerdings keine Verbindung mehr. Wir waren einfach nur mehr gute Freunde, aber keine Partner. Ich musste dann einfach loslassen und eben damit auch die Stadt verlassen. Der Umzug war wie eine neue Haut für mich. Ich konnte das Leben aber noch nicht vollends hinter mir lassen. Ich muss wohl mal Pause machen, um das alles zu reflektieren – vielleicht habe ich es in zwei Jahren oder so abgehakt.

"Krone": Du hast sehr viele persönliche Texte auf deinem neuen Album. Macht dich das nach außen hin nicht verletzlich?
Bird: Verletzlich fühle ich mich nur, wenn ich die Songs ohne Emotion spielen muss. Das ist so, wenn du dein erstes Album veröffentlichst – da musst du zwangsweise alle diese Songs spielen, doch je mehr Alben und Material du hast, umso eher kannst du abwechseln und Songs wählen, die auch zu deiner richtigen Verfassung und Stimmung passen. Nur so kommt man ehrlich rüber. Da ich im Hier und Jetzt lebe, sind von 13 Songs auf meiner Tour acht neu. Den Rest spiele ich ehrlich gesagt nur, um die Leute auch zufriedenzustellen. Es ist natürlich nicht lustig, wenn du Eintritt bezahlst und nichts von den älteren Sachen zu hören bekommst. Wenn ich aber auf der Bühne stehe und Songs spiele, zu denen ich gerade nichts oder nichts mehr fühle, wird das jeder im Publikum bemerken. Das ist doch reiner Bullshit.

"Krone": Der Großteil von "Architect" ist ein sehr tanzbares, fröhliches Album. Bist du jetzt eine glückliche Person?
Bird: Ich habe mich in Berlin wieder verliebt, das war auch ausschlaggebend dafür. So wie es immer passiert, oder? Du ziehst in ein neues Land, veränderst deine Frisur, und prompt verliebst du dich wieder (lacht). Es ist so, als ob du noch einmal ein Teenager wirst.

"Krone": Der R&B- lastige Song "Hardly Hardly" wird von vielen schon als der kommende Sommerhit gesehen, der dir den endgültigen Durchbruch bringen soll. Ängstigt dich der Gedanke, berühmt zu werden, weil du damit einhergehend vielleicht auch mit der Klatschpresse zu tun bekommst?
Bird: Nein, ich rede mit allen Menschen. Auch mit solchen, die nicht nett zu mir sind. Aber klar – den Erfolg würde ich eher meinem Team als mir selbst gönnen. Das ist die wahre Erfolgsstory. Sie sind der Inbegriff einer Independent- Truppe, die einfach arbeitet und Fortschritte setzt. Sie haben mir selbst geholfen zu wachsen. Ich wäre ein verdammter Niemand ohne mein Team – auch wenn ich viel arbeite. Einen Hit zu haben, wäre hervorragend, damit auch meine Bandkollegen die Früchte für die harte Arbeit ernten. Wir sind wie eine Familie – wenn die Kohle bei mir reinkommen würde, würde ich sie sofort an die Leute um mich herum weitergeben.

"Krone": Deine Bandkollegen kommen auch aus aller Herren Länder.
Bird: Mittlerweile sind aber alle in Berlin stationiert, was das Proben natürlich wesentlich vereinfacht. Wenn wir nicht zusammen sind, versuche ich, den anderen immer über das Internet zu erklären, welche Arrangements ich gerne hätte oder aus welchem Grund etwas in welche Richtung gehen sollte. Bevor wir überhaupt üben, gibt es sehr viel Kommunikation zwischen uns, damit auch alle anderen ein Gefühl haben, woher die Songs eigentlich kommen. Wir treffen uns dann meistens eine Woche und üben zehn bis zwölf Stunden am Tag. Somit ist auch das Gemeinschaftsgefühl wieder da.

"Krone": Du warst früher auch bei großen Labels unter Vertrag – geht es dir jetzt ohne diesen Rückhalt besser?
Bird: Das erste Album wurde weltweit, das zweite dann in Europa vertrieben – schon damals sank also die geografische Verbreitung. Beim letzten Album waren wir dann nur mehr in England in den Läden, den Rest Europas mussten wir selbst durch Auftritte bemustern. Jetzt machen wir wirklich schon alles. Ich hatte keinen Bock mehr, einen Deal mit 20 Leuten auszumachen, wenn ich nur eine Antwort auf eine Frage will. Das hat mich so unheimlich genervt. Wir haben so hart gearbeitet, und es war immer sehr mühsam, wenn deine Pläne geändert wurden – jetzt ist das nicht mehr der Fall. Wir als Team sind nun unsere eigenen Chefs, können arbeiten, wie wir es für richtig halten, und schneiden diese Arbeit ganz auf unsere Fähigkeiten zu. Ich muss noch einmal auf mein Team zurückkommen – die sind so clever, ich vermisse wirklich gar nichts. Wir haben selbst 10.000 CDs gekauft, und hoffentlich kriegen wir die auch wieder weg.

"Krone": Es ist im Zeitalter der downloadbaren Songs überhaupt noch nötig, bei einem großen Label zu unterschreiben?
Bird: Ich glaube nicht. Kunst und Geld harmonieren ohnehin nicht sonderlich gut. Du brauchst natürlich das Geld, um deine Produktion zu machen und die Sachen zu vertreiben. Aber wir haben Crowdfunding- Plattformen wie Kickstarter und noch viele andere, um ohne großes Label das Ding durchzuziehen. Aber man muss schon auch die Menschen darauf aufmerksam machen, dass sie für die Musik bezahlen sollen. Da steht nicht nur die Kunst dahinter, sondern ein ganzes Leben, eine Existenz einer Person – oder sogar mehrerer Personen. Bitte versteht einfach, dass es einen Austausch geben muss. Ob das jetzt Geld oder etwas anderes ist. Kunst und Geld sind nicht miteinander verheiratet, aber wir brauchen beides, um zu leben. Lass uns mal sehen, wo die Majorlabel in 20 Jahren stehen. Ich denke, dass ist dann weit mehr produktbasiert als musikbasiert.

"Krone": Kommen wir lieber zu Fröhlicherem – am 6. Mai spielst du in der Wiener Arena. Du warst sowieso schon sehr oft bei uns zu Gast. Stimmt es, dass du schon einmal im Burgtheater aufgetreten bist?
Bird: Daran kann ich mich erinnern – das war ein geiles Konzert. Die Leute sind dort voll abgegangen, wie es eigentlich immer in Österreich ist. Ich werde in Wien eine sehr intime, aber auch tanzbare Show spielen. Ich garantiere euch, dass es geil wird.

Wer diese "geile" Show am 6. Mai in der Wiener Arena besuchen möchte, bekommt noch Karten unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

10.04.2014, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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