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11.12.2016 - 12:05
Foto: Viennareport

"Vielleicht wird es auch keine Stadion- Bands mehr geben"

24.04.2013, 14:23
Bevor Bon Jovi am 17. Mai in der Wiener Krieau losrocken, bat die "Krone" David Bryan und Tico Torres zum Gespräch. Im Interview sprachen die beiden über die Abwesenheit von Richie Sambora, warum es vielleicht keine Stadion-Bands mehr geben wird und was die Band mit der Fortpflanzung ihrer Fans gemein hat.

"Krone": Wenn das Wetter so weitergeht, könnte es bei eurem Wien- Konzert mal nicht regnen, sondern es könnte sogar noch Schnee liegen.
David Bryan: Wir haben bei euch sogar schon im Schnee gespielt. In Ischgl. Da war es saukalt. Ich konnte beim Keyboardspielen kaum meine Finger bewegen.

"Krone": Ihr feiert heuer euer 20- jähriges Österreich- Jubiläum.
Tico Torres: Österreich war für uns immer ein großartiges Land, großartige Leute, großartiges Essen. Mir taugt es da! Es scheint, als hätten die Leute Spaß, wenn wir kommen.
Bryan: Und Österreich hat ja auch so eine wahnsinnig wichtige Historie in der Musik. Immer wenn ich nach Wien komme, gehe ich ins Mozart- Haus und versuche dort irgendwas mitgehen zu lassen (lacht). Scherz beiseite, nein ich kaufe dort immer Andenken im Souvenir- Shop.

"Krone": Könnt ihr denn noch ganz normal durch Wien gehen oder werdet ihr ständig belästigt?
Bryan: Die Leute sind immer nett. Da bleibe ich auch gerne für Autogramme und Erinnerungsfotos stehen.
Torres: Umso weiter weg wir vom Hotel sind, desto einfacher wird es.

"Krone": Die Bühne eurer Hallen- Tour ist ja fast mickrig.
Bryan: Vergleichsweise. Im Stadion haben wir natürlich eine große, fette Show.

"Krone": Was dürfen sich die Fans denn von der großen Open- Air- Show in Wien erwarten?
Torres: Eine große, aufregende Produktion, denn wir wollen uns jedes Mal übertreffen. Es wird eine Überraschung. Auch für uns, denn wir haben die neue Bühne noch gar nicht gesehen.
Bryan: Spannend ist es auch, mit einem neuen Album auf Tour zu gehen, denn dadurch sind wir keine Nostalgie- Band, sondern voll im Trend. Die neuen Songs machen irre Spaß. Es ist immer spannend zu sehen, wie die live kommen.

"Krone": Die neuen Songs habt ihr ja sogar schon vor der CD- Veröffentlichung live gespielt.
Torres: Es war eigenartig, denn da waren sechs Songs im Programm, die niemand kannte.
Bryan: Aber schon bei der zweiten Show wurden sie mitgesungen, weil sie jeder schon durch YouTube kannte.

"Krone": Ist für euch die neue CD nur eine gute Ausrede für eine neue Tour?
Bryan: Das geht Hand in Hand. Eine Tour ist die beste Promotion für eine CD und eine CD die beste Promotion für eine Tour. So haben wir es immer gemacht. Und jetzt haben wir damit wieder einen Nummer- eins- Hit. Das ist nach 30 Jahren schon erstaunlich.
Torres: Das ist auch für die Fans super, weil die Show immer weiter wächst und auch die Fans immer weiter wachsen. Wir haben jetzt ja wirklich schon drei Generationen an Fans.
Bryan: Und die machen weitere Babys...

"Krone": Vielleicht sogar zu Bon- Jovi- Songs.
Bryan: Genau!
Torres: Es kommen also ständig neue Fans dazu.

"Krone": Und je mehr Babys, desto mehr könnt ihr von eurer Produktlinie "Rock Star Baby" verkaufen.
Bryan: Das ist unser Masterplan, erst die Babykleidung, dann meine Musicals. Wir liefern das "Rundum- glücklich- Paket" (lacht).
Torres: Ich werde meine Produktlinie nun für bis zu Zwölfjährige erweitern.

"Krone": Malst du auch noch?
Torres: Leider nicht mehr so viel. Die letze Bon- Jovi- Pause habe ich vor allem genützt, um Zeit mit meinem Sohn zu verbringen, da blieb für das Malen nicht mehr viel Zeit.

"Krone": Das Familienleben ist dein Luxus.
Torres: Es ist wichtig, denn kein Erfolg macht Sinn, wenn man daneben nicht auch noch leben kann.
Bryan: Am Anfang, als wir loslegten, da gab es nur uns. Doch dieses "uns" wächst zum Privatleben, und da heißt es nun Balance halten. Ich vergleiche das immer gerne mit einem Boxer: Die Familie steht in deiner Ecke - denn du gehst raus und kämpfst in der ganzen Welt. Aber die Ecke gibt dir Kraft.

"Krone": Wie bekämpft man den Lagerkoller einer Tour?
Torres: Eine Tour ist Arbeit. Ein Job. Eine Routine. Der beste Part ist, wenn das Hallenlicht erlöscht und wir auf die Bühne stürmen. Auf diesen Punkt arbeitet man den ganzen Tag hin. Den Rest der Zeit vertrödelt man einfach. Oder zumindest kommt es einem so vor. Und sonst schaut man, dass man so fit wie möglich für die Show ist.

"Krone": Wie schwierig war es für euch, als Richie Sambora beschlossen hat, jetzt einmal nicht mehr mitzuspielen?
Bryan: Es war nicht leicht. Gar nicht leicht.
Torres: Es wird großartig sein, wenn er wieder zurückkommt. Menschen müssen sich um manche Dinge kümmern, und das muss man sie auch tun lassen. Und selbst schaut man, dass man das Beste daraus macht. Das Leben muss weitergehen! Wir sind eine Familie, und da ist es wichtig, dass jeder das tut, was er tun muss. Diese Zeit und diesen Raum geben wir ihm.

"Krone": Seid ihr in Kontakt mit ihm?
Torres: Natürlich! Es ist wichtig für die Gesundheit einer Band. Natürlich macht es das für uns nicht leichter, aber Phil X macht seine Sache gut. Es ist wichtig, dass die Tour weitergeht. Die Show ist natürlich anders, aber sie kommt gut rüber. Und den Fans gefällt es.

"Krone": Wie reagiert das Publikum?
Torres: Sie jubeln und wir müssen nach vorne denken.

"Krone": Auf Twitter und Facebook gibt es auch keine beleidigten Fans, sondern viel Support für Richie.
Torres: Darum geht es auch nicht. Er muss sich nur um seine Sache kümmern und wir warten, bis er wieder zurückkommt.
Bryan: Die Fans unterstützen ihn und uns. Ich habe auch all diese Kommentare gelesen und freue mich darüber. Das zeigt mir, welche tollen Fans wir haben.
Torres: Wir können jetzt nur mehr warten und freuen uns, wenn er zurückkommt.

"Krone": Wisst ihr, ob er in Wien schon wieder dabei ist?
Torres: Keine Ahnung. Wirklich nicht.
Bryan: Das kann täglich passieren.

"Krone": Nach Zeltweg (1995) und Ebreichsdorf (2008) seid ihr nun die erste Rockband in der Krieau.
Torres: Das ist großartig. Ich hoffe, da kommt man leicht hin. Wien ist ja unser eigentlicher Tourstart, und deshalb proben wir auch einen Tag vorher - um zu sehen, wie alles funktioniert. Der Ort ist für die Produktion oder den Sound zweitrangig. Wichtig ist, dass die Leute gut hin- und auch wieder gut wegkommen. Denn wir kommen ja überall schnell hin.
Bryan: Wir haben 45 Trucks dabei.

"Krone": Niemand hat in Österreich mehr Konzerttickets verkauft als Bon Jovi.
Torres: Hoffentlich brechen wir auch mit dieser Show wieder alle Rekorde.
Bryan: Wir lieben es, in Österreich zu spielen und uns das Herz für euch zu zerreißen. Das Leben um dich verändert sich, aber das Live- Feeling wird für uns immer dasselbe sein.

"Krone": Ihr feiert heuer nicht nur 20 Jahre live in Österreich, sondern gleich 30 Jahre Bon Jovi.
Bryan: Und das gleich mit einem Nummer- eins- Album.
Torres: Das ist doch etwas sehr Ungewöhnliches. Wir sind dankbar, dass wir das erreicht haben, denn nicht viele Bands schaffen das.
Bryan: Es ist schon eine ziemliche Anstrengung, ständig neue, gute Songs rauszubringen und sich nicht nur auf der Vergangenheit auszuruhen.
Torres: Viele andere Bands machen das.
Bryan: Wir könnten auch jederzeit mit dem Songaufnehmen aufhören und nur mehr touren, aber das wäre doch gar keine Herausforderung mehr.

"Krone": Hättet ihr 1983 gedacht, dass ihr 2013 noch immer Stadien füllt?
Bryan: Da war selbst das Jahr 2000 ganz weit weg. Wir dachten, dass im Orwell- Jahr 1984 sowieso alles vorbei ist. Aber wir sind noch immer gut unterwegs.

"Krone": Wenn ihr heute als Newcommer neu starten müsstet ...
Torres: ... das wäre sicher schwerer.
Bryan: Doch ein Hit bleibt ein Hit! Wenn der Song passt, ist es egal, was gerade in der Welt rundherum passiert. Dieses "Wow- Gefühl" lässt die Erde kurz stillstehen. Da kauft man dann die Platte oder die CD oder den Download. Oder man schaut sich die Band auf YouTube oder am iPhone an. Und wenn es ein schlechter Song ist, dann hört sich das niemand an.

"Krone": Habt ihr das absolute Hit- Gespür?
Bryan: Wir hoffen es. Wenn man sich unsere Erfolgsgeschichte ansieht, dann haben wir die Formel schon ziemlich gefunden, aber es gibt keine Garantie. Wir backen den Kuchen und hoffen, dass er schmeckt. Hoffen, dass die Leute "Wow" sagen. Wir glauben aber ganz fest daran, dass es das Beste ist, das wir abliefern können.

"Krone": Außer Bon Jovi gibt es nur mehr eine Handvoll Stadion- Bands. Vor allem keine jungen.
Torres: Wir haben 30 Jahre darauf hingearbeitet. Aber vielleicht wird es wirklich nie mehr Stadion- Bands geben, weil sich das Business geändert hat. Die Leute kaufen nur mehr einzelne Songs.
Bryan: Wir wissen aber nicht, was kommt. Es gab keinen Grunge - bis Grunge kam. Jetzt kauft auch kaum mehr jemand CDs, sondern nur mehr Musik- Abos.
Torres: Doch egal was das neue Modell der Musik- Vermarktung wird, am Ende des Tages gehst du auf die Bühne - und dann kannst du entweder begeistern oder eben nicht.
Bryan: Und das ist auch das Erfolgsgeheimnis aller Casting- Shows: Schnapp dir das Mikro und sing. Entweder du kannst es oder nicht. Und all diese Shows lassen uns somit besser dastehen! Auch als Karaoke zum Trend wurde, haben viele plötzlich kapiert, dass gut singen wirklich schwer ist. Und das hilft wieder uns.

"Krone": Bei der 88.6- Musikwahl schaffte es "Livin' On A Prayer" auf Platz eins.
Bryan: Das zeigt uns, dass das ein zeitloser Hit ist, der die Leute bewegt. Die Kombination aus Song- Aussage und Feeling. Wir spielen das Lied für unser Leben gerne live.

"Krone": Damit habt ihr auch Queen, die Rolling Stones, die Beatles und Co. geschlagen,
Bryan: Who? (lacht)

"Krone": Ja, The Who auch.
Bryan: Das ist großartig!

"Krone": Planst du eine Fortsetzung deines Erfolgs- Musicals "Memphis"?
Bryan: "Memphis" wird ab September am Londoner West End laufen. Dann arbeite ich an einem neuen Musical namens "Chasing The Song". Da geht es um die Songwriter der 60er- Jahre, noch vor der Beatles- Zeit, basierend auf Brill Building. Nahe dran, aber fiktiv. Sonst wäre es ja ein Plagiat. Ich habe 25 Songs dafür geschrieben, jetzt sind wir im Produktionsstadium, und im Herbst 2014 soll die Broadway- Premiere steigen. "Memphis" läuft derzeit auf US- Tour.

24.04.2013, 14:23
Franziska Trost, Kronen Zeitung/frö
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