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27.07.2017 - 19:59
Foto: Warner Music.

Trivium: "Die Leute wissen, wir machen Metal"

18.10.2013, 17:00
Mit "Vengeance Falls" nimmt die amerikanische Metalband Trivium einen weiteren Anlauf, sich endgültig in den europäischen Mainstream-Charts festzusetzen. Die "Krone" unterhielt sich mit Sänger Matt Heafy über die mit viel Kritik begleitete Entwicklung der Band, die Mühen des frühen Berühmtwerdens und gefährliche Begegnungen in dunklen Gassen.

"Krone": Matt, du sitzt während dieses Interviews gerade in Berlin. Wie fühlst du dich bei dem derzeitigen Promo- Stress?
Matt Heafy: Ich bin total entspannt. Berlin ist für mich die "Ess- Hauptstadt" Deutschlands. Ich esse für mein Leben gern und bin noch immer ziemlich fertig von Essen und Wein gestern Abend.

"Krone": Euer neues Album "Vengeance Falls" habe ich mir mehrmals angehört und ich finde es wirklich gut und sehr durchdacht. Worauf bezieht ihr euch mit dem Albumtitel? Wer verdient eure Rache?
Heafy: Gute Frage. Als wir uns an die Arbeit zu diesem Album machten, wollten wir es eigentlich "Weak" nennen. Als wir aber die Gesangsspuren für den Song "Vengeance Falls" fertig hatten, kam unser Produzent David Draiman auf uns zu und meinte, dass nicht nur der Song, sondern auch die Grundbotschaft federführend für das gesamte Werk sein könnten. Wir haben uns dann relativ schnell darauf geeinigt, denn "Vengeance Falls" ist ein sehr dunkles und rachsüchtiges Album geworden, das nach all jenen, die es verdienen, Vergeltung schreit. Wenn du mich jetzt fragst, wer die Rache verdient, ist das ganz einfach zu beantworten. Wenn du die Nachrichten einschaltest, siehst du menschliche Gräueltaten und Leute, die sich gegenseitig verletzen. Außerdem geht das Album sehr stark in die Richtung all der Probleme, Interessen und Gedanken von mir selbst. Es bezieht sich auf all die negativen Seiten, die mir auf unserer Welt nicht gefallen.

"Krone": Auch das Artwork versprüht eine sehr sinistre Atmosphäre. Folgt das Album einem groben Konzept?
Heafy: Viele Leute sehen "Vengeance Falls" als ein Konzeptalbum und ich bin auch sehr offen für die Sichtweisen unserer Hörer und Fans, aber im Prinzip gibt es keine Verbindungen zwischen den einzelnen Songs.

"Krone": Weil du anfangs schon David Draiman erwähnt hast – "Vengeance Falls" ist euer erstes Album, bei dem der Disturbed- und Device- Sänger als Produzent hinter den Reglern gesessen ist. Wie seid ihr mit ihm in Kontakt getreten?
Heafy: 2005 haben wir in Chicago vor Danzig gespielt und da kam David auf uns zu und sagte, er sei ein großer Fan von Trivium. Das hat uns total umgehauen, weil wir selbst schon viele Jahre lang Fans seiner Band waren. 2011 haben wir ihm beim Mayhem Festival schließlich eine Kopie unseres damaligen Albums "In Waves" zugesteckt. Er hat sich das Album angehört und dann gesagt, er hätte noch keine Band gesehen, die zwischen zwei Alben in puncto Songwriting einen derart großen Qualitätssprung vollzogen hätten. Er kam dann auf den Gedanken, dass wir aus einer Kooperation etwas wirklich Großartiges erschaffen könnten. Wir waren anfangs noch etwas skeptisch, aber als wir ihn besser kennenlernten, kamen wir auch drauf, dass er einen großen Einfluss auf die Produktion der Disturbed- und Device- Alben hatte. Er hat dann einfach all unsere Voraussetzungen erfüllt. Wir wollten jemanden, der über seine Tätigkeit Bescheid weiß, der Gesang, Schlagzeug und Gitarre produzieren kann und der möglichst ein Fan von Trivium sein sollte – es war also perfekt.

"Krone": Was war der Grund, dass "Vengeance Falls" so viel aggressiver als "In Waves" klingt?
Heafy: (lacht) Ich danke dir wirklich für diese Feststellung – das ist für mich das größte Kompliment. Ich würde behaupten, dass "Vengeance Falls" Stile und Spielarten all unserer fünf vorherigen Alben verinnerlicht. Du hörst zumindest Elemente und Teile aus unserer kompletten Vergangenheit heraus. Wir wollten eine komplette Vision umsetzen, etwas Prägnantes erschaffen. Auf "Shogun" hatten wir thrashigere, aber auch lange, epische Songs. Auf "In Waves" waren die Songs entweder richtig hart oder sehr melodisch. Auf "Vengeance Falls" wollten wir nicht zu viele Songs platzieren, diese dafür aber klanglich auf möglichst einer Linie aufreihen. Als ich dann die ersten Ideen für die Texte hatte, wusste ich einerseits, dass sie nach Rache schreien und sehr offensiv sind, andererseits wusste ich aber auch, dass die Musik dazu passen müsste. Jeder Aspekt des Albums malt ein Bild aus Wut, Zorn und Rache für diejenigen, die es verdienen.

"Krone": Mein persönlicher Favorit ist "Incineration: The Broken World", weil der Song einerseits sehr aggressiv und kraftvoll, andererseits aber auch melodisch und episch klingt. Wie lange arbeitet ihr an den Songstrukturen?
Heafy: Im Laufe der Zeit ist "Incineration" auch einer meiner Favoriten geworden. Das Tolle an dem Song ist, dass er die gleiche Wuchtigkeit wie "Shogun" besitzt, aber nur halb so lang dauert und dich trotzdem nicht mit dem Gefühl zurücklässt, dass hier noch etwas fehlen würde. Wir haben beim eröffnenden Riff die Stimme darüber gelegt und auch ein schönes Solo eingebaut. Für das neue Album haben wir viele Songs überdacht oder auch neu eingespielt. Die Grundmelodie von "Incineration" gab es schon gut ein Jahr, bevor wir den Song aufgenommen haben. Das Riff ist mir in einem Umkleideraum auf Tour eingefallen – leider weiß ich nicht mehr wo. David hat uns geholfen, vor allem die zwei Minuten im Mittelteil gut zu gestalten, weil wir anfangs innerhalb der Band nicht ganz zufrieden damit waren.

"Krone": Deine Stimme klingt auf dem Album ohnehin vielseitiger als je zuvor. Ist das auch David Draiman geschuldet?
Heafy: Für uns war der wichtigste Teil des Albums herauszufinden, wer ich als Sänger überhaupt bin. David war es einfach wichtig, dass die Vocals nach Matt Heafy klingen und nicht nach einem Trivium- Sänger, der seine großen Idole kopieren möchte. Dieser Kritikpunkt kam bei unseren älteren Alben des Öfteren auf. Dieses Mal arbeitete ich mit einem Mann, der für das Singen lebt und genau weiß, was man aus einer Stimme herausholen kann. Nur er machte es möglich, dass ich mir neue Gesangstechniken zulegen konnte. Es gibt auf "Vengeance Falls" auch keine Produktionstricks oder Auffettungen im Stimmbereich – was du hörst, ist alles echt. David hat mich dazu gepusht. Das war eine große Herausforderung für uns, dass wir einfach alles wirklich real und echt gestalteten.

"Krone": "In Waves" war vor zwei Jahren endgültig euer künstlerischer und auch kommerzieller Durchbruch in Europa. Wie viel Sorge steckte jetzt dahinter, diesen Erfolg bestätigen oder gar toppen zu müssen?
Heafy: Eigentlich nicht so viel. Wir sind eher aufgeregt über den Weg, den wir jetzt einschlagen werden, und was mit der Band passiert. Es ist auch immer sehr länderspezifisch. In Großbritannien schlug etwa "Ascendancy" richtig gut ein, aber "The Crusade" ließ uns wieder zurückfallen. In Deutschland war jedes Album ein sehr kleiner Schritt nach vorne und als wir "In Waves" veröffentlichten, hatten wir plötzlich das Gefühl, dass uns das Land endlich so richtig verstanden hat. Verbunden mit den Festival- Shows und den zwei neuen Songs, die dort teilweise mehr Begeisterung hervorgerufen haben als unsere größten "In Waves"- Stücke, stieg natürlich die Selbstsicherheit. Das war ein guter Indikator dafür, dass "Vengeance Falls" hoffentlich wirklich gut einschlagen wird.

"Krone": Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, habt ihr euch nicht von Trends wie Metalcore mitreißen lassen, sondern euren Sound auf natürlichem Weg entwickelt. War es nicht manchmal schwierig, sich gegen die aufgelegten Dogmen des Musikgeschäfts zu stemmen?
Heafy: Definitiv. Vor allem, als wir jünger waren, haben uns viele Menschen in diese Subgenres abgestempelt, obwohl wir selbst immer wussten, dass die meisten Sachen davon nicht zeitlos sein würden. Mittlerweile sind wir schon so lange im Geschäft und haben so viele kleine Nebengenres überlebt, dass auch die Leute mitgekriegt haben, dass Trivium eine Metalband ist und mittlerweile ein gutes Jahrzehnt überstanden hat. Wir haben mittlerweile sechs Alben veröffentlicht und das ist schon gutes Zeichen für Beständigkeit.

"Krone": Nicht enden wollend sind auch die Vergleiche mit Metallica.
Heafy: Ja, speziell zu Zeiten von "The Crusade" kamen diese Vergleiche auf. Metallica brachten uns in den Metal, das ist richtig, und als wir noch 17, 18 Jahre alt waren, wollten wir auch in die Richtung unserer Favoriten einschlagen. Aber je älter wir wurden, umso stärker kam der Wunsch auf, einen eigenen Weg zu beschreiten. Mit dem Alter wurde auch die Haut dicker und die negativen Meldungen haben uns auch nicht mehr sonderlich tangiert.

"Krone": Als ihr mit "Ascendancy" erstmals durchgestartet seid, warst du 19 Jahre alt. Kam dieser Erfolg nicht etwas zu schnell?
Heafy: Am Erfolg lag es weniger. Zwischen unserem Debüt "Ember To Inferno" (2003) und "Shogun" (2008) waren wir oftmals Kritik ausgesetzt. 99 Prozent der Kritik war positiv, aber auf den einen negativen Prozentpunkt habe ich mich persönlich immer stark aufgehängt. Mal wurde die Songstruktur kritisiert, mal das ganze Album, mal ich persönlich – das hat mir damals große Sorgen bereitet. Das änderte sich alles mit dem Alter und war sehr wichtig für meine Entwicklung. Ich bin glücklich, etwas machen zu können, was ich liebe. Ich kann Metal spielen, sehe die Welt und bekomme kostenlose Unterkünfte – es gibt nichts, über das ich mich beschweren könnte.

"Krone": Ihr hattet unlängst ziemlichen Stress mit einer Gang, als ihr in den USA ein Konzert gegeben habt. Was ist dort passiert?
Heafy: Viele Menschen haben Probleme mit ihrer Vergangenheit und ihrem Leben und unglücklicherweise war ich dort das Opfer eines zufälligen Gewaltaktes. Man hört immer wieder viele Geschichten, was Menschen anderen antun, und das war einer der ganz seltenen Momenten in meinem Leben, wo ich das selbst erleben musste. Das war auch ein gewichtiger Teil der uns dazu führte, ein rachsüchtiges, wütendes Album zu schreiben. Ich will aber nicht sagen, wo das passiert ist, weil die Leute sich dadurch nicht bestätigt fühlen sollen. Es war irgendwo in den Staaten.

"Krone": Kommen wir zu etwas Fröhlicherem. Ihr seid auch in Wien immer gern gesehene Gäste – hat du Erinnerungen an die Shows in Österreich?
Heafy: Österreich war immer so etwas wie ein Sprungbrett für unsere Karriere und ich kann mich daran erinnern, dass schon anfangs immer 50 bis 150 treue Fans bei unseren Konzerten waren. Die letzte Show mit As I Lay Dying war total ausverkauft und unzählige Leute haben mitgesungen und kannten die Gitarrenriffs. Es ist einfach großartig, wenn du mitverfolgen kannst, wie du als Band in einem Land wächst. Wie du dir denken kannst, gehört Wien auch außerhalb der Musik zu meinen Lieblingsstädten. Euer Wein und eure Schnitzel sind einfach unschlagbar.

"Krone": Im Herbst seid ihr erst einmal in den USA unterwegs. Wann werdet ihr wieder in Europa zu sehen sein?
Heafy: Im Februar/März 2014 werden wir eine Headliner oder Co- Headliner- Tour spielen.

"Krone": Bis auf den Tausch eures Schlagzeugers vor drei Jahren habt ihr auch eine sehr homogene, gut haltende Bandbeschaffenheit. Wie wichtig ist das für den Erfolg von Trivium?
Heafy: Wie die meisten Menschen, haben wir unsere Hochs und Tiefs. Es gab auch einmal eine Zeit, wo die Chemie innerhalb der Bandmitglieder einfach nicht mehr da war. Das lag auch gar nicht so sehr am Austausch des Schlagzeugers, sondern daran, dass wir vier nicht mehr wirklich kompatibel waren. Es gab viele Wechsel innerhalb der Crew und die Veränderung bei der Plattenfirma – das war nicht einfach für das Bandgefüge. Viele Bands hätten wohl den Hut drauf geschmissen und auch wir waren uns kurzzeitig nicht sicher, wie es weitergehen sollte, aber glücklicherweise ging alles gut, und nur so konnten wir werden, was wir sind. Es war so schön zu sehen, dass wir bei "Vengeance Falls" wieder so gut zusammenarbeiten konnten. Und auch wenn das Album sehr dunkel und aggressiv ausgefallen ist, haben wir in den professionellen Arbeitszeiten untereinander immer Spaß gehabt. Man braucht auch immer etwas Selbstironie für ein gutes Bandgefüge. Momentan läuft alles wirklich gut.

"Krone": Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich es sehr interessant und ungewöhnlich finde, dass ihr die meisten Songs während des Tourens schreibt.
Heafy: Ich finde die schlimmste Zeit zum Songschreiben ist genau die, in der du dich komplett darauf fokussierst. Man muss die Chance nutzen, wenn die Inspiration auf dich zukommt, und das passiert bei uns sehr überraschenderweise oft, wenn wir gerade unterwegs sind (lacht).

18.10.2013, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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