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09.12.2016 - 05:12
Foto: Sony Music

The Script: "Wir werden wohl nie so groß wie U2"

30.01.2013, 18:15
Das irische Dreigespann The Script ist derzeit in aller Munde und hat mit der Hitsingle "Hall Of Fame" auch die österreichischen Charts im Sturm erobert. Die "Krone" unterhielt sich mit Sänger Danny O'Donoghue über die Hintergründe des neuen Albums "#3", den Schmerz, Familienmitglieder zu verlieren, und warum Iren gerne durch das Hintertürl gehen.

"Krone": Danny, mit euer Single "Hall Of Fame", die ihr mit Will.I.Am gemacht habt, seid ihr jetzt auch in den österreichischen Single- Charts auf Platz eins gelandet. Wie empfindest du diese Erfolgswelle, die The Script schon seit Jahren erleben?
Danny O'Donoghue: Wir könnten uns nicht besser fühlen. Wir wollten ja ursprünglich nur einen guten Song mit einer tollen Botschaft schreiben, der die Welt umarmen sollte. Was dann von der Konzeption bis zur Fertigstellung passiert ist, war der Wahnsinn. Der Text von "Hall Of Fame" ist ja nicht mal in eurer Muttersprache, was bedeutet, dass dieser Song wirklich viele Grenzen überwindet. Es ist einfach großartig zu sehen, dass so viele Menschen von diesem Song angezogen werden. Ich danke wirklich allen Menschen da draußen, die nicht nur unsere Single, sondern unsere ganze Ideologie mögen und teilen. Das ist fantastisch.

"Krone": Ihr könntet mit dem Song "Hall Of Fame" durchaus in die Hall of Fame einziehen.
O'Donoghue: (lacht) Das war natürlich niemals unsere Intention, aber hey – bestünde diese Möglichkeit, würde ich alles dafür geben, sie nutzen zu können. Vielleicht kommen wir auch einfach durch das Hintertürl rein. Das ist das, was wir Iren machen – auch wenn wir nicht eingeladen sind, finden wir einen Weg dorthin.

"Krone": Dieser Song wird auch der Titeltrack des neuen Til- Schweiger- Films "Kokowääh 2". Ist das etwas Spezielles für euch, nachdem der Film aus Deutschland kommt?
O'Donoghue: Natürlich. Wenn ein Schauspieler wie Til Schweiger hinter dir steht und deinen Song unbedingt haben möchte, ehrt dich das natürlich. Es gibt kein größeres Kompliment, als von jemandem gewählt zu werden, der seine eigene Form von Kunst liebt und gut ist in dem, was er macht. Das ist vielleicht auch ein Mitgrund, warum dieser Song so erfolgreich ist – weil ein Mann wie Til Schweiger völlig zu uns und dem Lied steht und den Song einfach liebt.

"Krone": Ihr seid trotz des steigenden Erfolgs immer noch die netten Jungs von nebenan. Fällt einem das Am- Boden- Bleiben mit der Zeit schwerer?
O'Donoghue: Ja, es ist manchmal schon schwierig, bodenständig zu bleiben. Du bekommst Lob von allen Seiten, verkaufst viele Platten und spielst in fetten Stadien. Aber unser Ziel ist und war es immer, tolle Songs zu schreiben – alles andere ergibt sich dann. Im Endeffekt sind wir begeisterte Songwriter, für die alles, was noch dazukommt, ein Bonus ist. Wir würden auch ohne unseren Erfolg weiterhin Songs schreiben. Ich arbeite mit zwei tollen Jungs in der Band, und das macht mich demütig.

"Krone": Ihr bezeichnet euch selbst gerne als "normale Typen in außergewöhnlichen Situationen". Fühlt ihr euch wirklich noch wie die Jungs aus den Hinterhöfen Dublins?
O'Donoghue: Wir fühlen uns mittlerweile wie junge Männer aus Dublin (lacht). Wir hatten ja nie gedacht, dass wir mal aus Irland oder überhaupt aus Dublin rauskommen würden, um auf der ganzen Welt zu spielen. Wir treiben wie der Wind in den Segeln und wissen nicht, wo wir schließlich enden werden.

"Krone": Ihr beginnt also nicht, Hotelzimmer niederzureißen?
O'Donoghue: Nein, wir haben das in Berlin versucht, als wir die Feuerwehr riefen, weil ein Zimmer brannte. Die haben dann das ganze Hotel evakuiert (lacht). Das Lustige daran war, dass ich unserem Gitarrist Mark die Schuld gab und er mir.

"Krone": Stimmt es, dass es von euch The- Script- Tee und dazugehörige Becher gibt?
O'Donoghue: Das war nur ein Scherz. Das war die Idee einer Teefirma, weil wir so viel Tee trinken. Das war eher albern (lacht).

"Krone": Seid ihr Iren nicht eher dem Whiskey oder dem Guinness- Bier zugeneigt?
O'Donoghue: Unser Schlagzeuger Glen ist eigentlich der Typ, der für den hohen Teekonsum verantwortlich ist. Mark (Gitarrist, Anm. d. Red.) ist schon eher der Whiskeytrinker. (lacht)

"Krone": Zurück zur Musik – The Script haben viel Seele in ihrem Sound und lieben das herkömmliche Spielen mit Instrumenten. Ihr verzichtet auf die so populären elektronischen Zusätze. Weshalb?
O'Donoghue: Wir sind schlichtweg eine Band. Ich finde nicht, dass man sich als Band bezeichnen kann, wenn man keine Gitarren, Bässe oder Keyboards bedienen kann. Mit natürlichen Instrumenten zu spielen, gibt uns auch viel mehr Gefühl bei der Ausarbeitung von Songs. Es ist wichtig, dass Menschen diese Instrumente bedienen, denn nur aus dieser Kombination entstehen Vibrationen, die dir bis in den Bauch gehen. Wenn du Klavier oder Piano spielst, erzeugst du automatisch mehr Emotionen als auf anderen Instrumenten. Natürliche Instrumente klingen einfach besser. Da ist nichts Magisches dahinter – das ist einfach meine Meinung dazu.

"Krone": Experimente mit computergenerierten Sounds wird es von euch also nicht geben?
O'Donoghue: Wenn du Musik von Kanye West oder Jay- Z im Radio hörst, klingt die Snare des Schlagzeugs oft so wuchtig. Wir haben ein Programm, mit dem wir diesen Sound verbessert haben – damit klingen die Songs im Radio oder in Clubs auch viel besser. Das waren auch schon alle Experimente.

"Krone": Ihr hattet auch schwere Zeiten und innerhalb der Band wichtige Familienmitglieder verloren. Ist das Songschreiben so etwas wie ein Ausgleich, ein Verarbeitungsprozess für euch?
O'Donoghue: Ein bisschen. Als wir unser erstes Album geschrieben haben, haben sich Songs wie "The End Where I Begin" darauf bezogen. Wir mussten damals wirklich harte Momente überstehen, und das hat sich im Songwriting niedergeschlagen. Würden wir jetzt, vier Jahre später, noch dieselbe Sichtweise darauf haben, wäre das furchtbar. Der Schmerz wird immer derselbe bleiben, aber der Umgang damit verändert sich. Aber klar – den Erfolg, den wir in den vergangenen Jahren hatten, den können Elternteile von uns nicht mehr sehen. Das sind Situationen, die schwierig sind. Aber mit dem neuen Album "#3" haben wir uns etwas davon gelöst.

"Krone": Ihr seid bei den Brit Awards als "Best International Group" nominiert, habt dann aber in einem Interview verlautbart, dass ihr den Preis gar nicht wollt. Warum?
O'Donoghue: Aus diesem Statement ist ein bisschen mehr geworden, als es eigentlich ist. Natürlich würde mir diese Auszeichnung viel bedeuten, aber ich brauche diesen Award nicht. Ich richte mein Leben nicht nach Kritiken oder Auszeichnungen aus. Will ich den Award und vielleicht die beste Band Europas sein? Ja, warum nicht? Aber noch einmal – ich brauche diesen Award nicht, um bemerkt zu werden. Mich machen die Shows, die Alben, die Musik glücklich – nicht die Preise.

"Krone": Was sind für dich als Musiker die magischsten Momente?
O'Donoghue: Es gibt so viele davon. Ich mag es aber wirklich zu wissen, dass ich einen fertigen Song in der Tasche habe. Ich gehe dann schlafen und bin zufrieden mit der Welt – arbeite ich aber an einem Song und kriege ihn nicht fertig, dann beunruhigt mich das. Auch auf der Bühne zu stehen und deine Fans zu beobachten, wie sie die Texte fehlerfrei mitsingen, für die du so hart gearbeitet hast, ist ein gewaltiges Gefühl. Es hat alles Vor- und Nachteile. Das gilt auch fürs Touren und Reisen.

"Krone": Ihr habt schon mit Take That, U2 und Paul McCartney gespielt. Ist eine Begegnung besonders positiv hervorgestochen?
O'Donoghue: (überlegt kurz) Definitiv U2. In meiner Heimatstadt Dublin mit der größten irischen Band der Geschichte zu spielen, das war unbezahlbar. Es war auch unglaublich toll zu hören, dass sie unsere Musik mögen. Bono hat so viele nette Sachen gesagt – das hätte er nicht nötig. Wir haben mit Adele, Take That und Paul McCartney gespielt, aber da U2 aus meiner Heimatstadt sind, hat das eine besondere Bedeutung für mich.

"Krone": Wäre es möglich, dass ihr mal so bekannt und erfolgreich werdet wie eure Idole U2?
O'Donoghue: Nein, das glaube ich nicht. Die haben 13 Alben heraußen, wir gerade einmal drei. Das ist wirklich eine schwierige Frage – reden wir doch in 20 Jahren noch einmal weiter.

"Krone": Sag niemals nie.
O'Donoghue: Das sagt meine Mutter auch immer.

"Krone": Würdet ihr nach dem Erfolg von "Hall Of Fame" gerne öfters mit Will.I.Am zusammenarbeiten?
O'Donoghue: Ich würde das ziemlich gut finden. Wir werden unser Songwriting jetzt nicht darauf zuschneiden, aber sollte es zusammenpassen, wäre es toll, könnten wir noch was auf die Beine stellen.

"Krone": Bezieht sich der Albumtitel "#3" nur darauf, dass es euer drittes Album ist, oder steckt da mehr dahinter?
O'Donoghue: Auf den ersten Blick denkt man sich vielleicht wirklich "Oh Gott, sind die faul", aber je weiter du dahinter blickst, umso mehr Verbindungen entdeckst du. Wir haben die Songs auch im Studio #3 aufgenommen, es ist unser drittes Album, ich habe am 3. Oktober Geburtstag und wenn du alle "E"- Buchstaben im englischen Wörterbuch umdrehst, sehen sie aus wie eine 3. Ich finde diese Verbindung von Buchstabe und Zahl, diese Symbolik, sehr interessant.

"Krone": Ihr seid derzeit rundum auf Achse, nur leider nicht in Österreich. Können wir euch bald mal hier begrüßen?
O'Donoghue: Wir würden furchtbar gerne kommen, hätten aber nie damit gerechnet, was "Hall Of Fame" momentan so alles auslöst. Das Problem ist nur, dass wir so einen dichten Tourplan haben, dass sich das in nächster Zeit wohl kaum ausgehen wird. Wir haben zwischenzeitlich ein paar freie Tage, vielleicht kommen wir da noch wo unter.

"Krone": Ihr habt eine Zeitlang in den USA gelebt und seid wieder nach Dublin zurückgezogen. Wäre es von der Business- Seite her gesehen nicht besser gewesen, dort zu bleiben?
O'Donoghue: Ich dachte mir, dass Großbritannien der bessere Raum für uns wäre, weil unsere Musik nicht typisch amerikanisch ist. Ich denke, wir haben den richtigen Weg gewählt: in Irland beginnen, dann in die USA zu gehen, um Musik zu produzieren, und wieder nach Großbritannien zurückzukehren, um uns als verbesserte und versiertere Musiker zu präsentieren. Britische Alben haben mehr Rock- Chorusse, wohingegen in Amerika immer mit Hip- Hop- Elementen gearbeitet wird. Ich denke, wir haben beide Welten gekreuzt und deshalb auch den richtigen Schritt gemacht.

30.01.2013, 18:15
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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