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04.12.2016 - 10:15
Foto: Sony Music

The Script: "Unsere Zeit ist gekommen!"

17.09.2014, 17:00
Mit ihrem Erfolgshit "Hall Of Fame" haben sich die irischen Pop-Rocker The Script vor zwei Jahren an die Spitze der österreichischen Charts gespielt. Nun veröffentlichen sie ihr brandneues Album "No Sound Without Silence" und gehen dabei wesentlich bombastischer und massentauglicher ans Werk. Wir haben uns vor ihrem Auftritt in Hamburg mit den drei fixen Bandmitgliedern Danny O'Donoghue, Mark Sheehan und Glen Power getroffen, um tragische Ereignisse im privaten Umfeld, den Verzicht auf Politik in den Songs und weltweiten Heimvorteil zu sprechen.

"Krone": Stimmt es, dass "No Sound Without Silence" eigentlich der Name eines Songs war und jetzt nur als Albumtitel übriggeblieben ist?
Danny O'Donoghue: Das Lustige daran ist, den Titel hatten wir uns schon ganz am Anfang überlegt. Aber was ist ein Titel, wenn er keinen Song auf dem Album hat? Also haben wir eben einen Song mit diesem Titel geschrieben, nur war der schlussendlich nicht gut genug. Der Titel hat natürlich auch eine Bedeutung. Es geht darum, dass wir die Stille brauchen, um vorher nachzudenken, bevor wir etwas Kluges oder Vernünftiges sagen. Die andere Seite ist die physikalische. Damit ein Klang existieren kann, benötigt er Stille auf beiden Seiten.

"Krone": Ihr hattet aber nicht wirklich viel Zeit für das Material?
O'Donoghue: Stell dir vor, du stehst auf der Bühne und 25.000 Leute jubeln dir zu. Das ist größer als alles, hier herrscht eine unbeschreibliche Euphorie. Wenn du dann aber fertig bist und im Tourbus die Texte schreibst – das ist wirklich die perfekte Stille. Es ist ein wahnsinniger Kontrast. Wenn du nach einer Show im Hotelzimmer sitzt, hast du aber immer noch den Lärm im Ohr, weil eine Liveshow so unglaublich laut ist.

"Krone": Ihr habt viele der Songs im Tourbus geschrieben. 2013 hattet ihr doch einen Unfall?
Glen Power: Irgendetwas ist falsch gelaufen und unser Busfahrer musste eine Notbremsung einlegen. Wir befanden uns auf der Autobahn, haben im Bus gerade gejammt und plötzlich hat es uns herumgeworfen. Wir sind niemandem draufgefahren, aber plötzlich bremsten wir scharf, das war schon ein Moment der Angst für uns. Aber wir haben es überlebt. Wir haben gerade an einer Songidee gearbeitet und Mike hat sie aufgenommen. Der Unfall befindet sich aber nicht auf dem Album und wir hoffen auch, dass es nicht nach einem Autounfall klingt. (lacht)

"Krone": Ihr habt bereits erwähnt, dass der Albumtitel den Inhalt ganz gut wiedergibt. Worauf habt ihr euch fokussiert? Worum geht es im neuen Werk?
O'Donoghue: Die wichtigsten Themen sind Liebe, Verlust und Energie. Wohin gehen wir, wenn wir sterben? Hier geht es nicht um religiöse oder wissenschaftliche Ansichten, aber wir glauben einfach, dass wir ein Teil von etwas Großem sind und die Energie niemals stirbt. Wir alle werden einmal entzweigehen, weil die Zeit eine tickende Bombe ist. Wir könnten schon morgen tot sein, aber trotzdem machen wir weiter. Wenn du nur mehr eine bestimmte Zeit zu leben hast und deine Tage beschränkt sind, dann schau mir in die Augen, denn die Energie stirbt nie. Da sind wir auch schon beim Song "The Energy Never Dies". Allein diese Gedankengänge, was denn alles passieren kann. Kommst du in den Himmel oder in die Hölle? Wirst du zu Sternenstaub? Faszinierend. Auf dem Album befinden sich mitunter Kummer, Tragik und Melancholie, aber auch positive Energie. Wir sind sehr glücklich damit, wer wir sind und was wir tun. Wir fühlen uns überlebensgroß und ich denke, das hört man der Musik und der Produktion an. Denk etwa an den Song "Superheroes" – der spiegelt auch die Selbstsicherheit von uns als Band wider.

"Krone": Du hast einmal gesagt, "Superheroes" dreht sich darum, das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen zu finden. Das Thema ähnelt doch eurem großen Hit "Hall Of Fame"?
O'Donoghue: In gewisser Weise schon, ja. Auf "Superheroes" geht es aber um die unbesungenen Helden. Menschen, die unfassbare Tragödien durchtauchen müssen, aber dennoch das Beste aus ihrer Situation machen. "Hall Of Fame" war einfach das Anstreben, der Beste zu sein. "Superheroes" ist mehr eine Art Schutz oder Abschottung. Ein Superhero kann jeder sein, der jemand anderen schützt. Da geht es nicht um Superman oder Spider- Man, sondern um deine Mutter oder einen Sozialarbeiter, der sich um ältere Menschen kümmert.

"Krone": Im Großen und Ganzen klingt es aber schon so, als ob sehr viel Spiritualität durch das Album fließt.
Mark Sheehan: Nicht vordergründig. Wir vermeiden Religion und Politik. Du kannst die Spiritualität nicht ganz ausblenden, wenn du ehrlich zu dir selbst bist, aber am Ende des Tages gibt es wohl ein wissenschaftliches Element, das definiert, was wir als Musiker machen. Es gibt Songs auf dem Album, die vielleicht etwas überladen wirken, aber ich würde nicht sagen, dass das die Motivation dahinter war. Manchmal lassen wir unseren eigenen Kummer oder unsere Perspektive auf etwas einfließen. Es kann auch ein Freund sein, den du beobachtest, wie er durch gewisse Lebenssituationen gehen muss. "Hall Of Fame", wo es darum geht, wie du der Beste sein kannst, spricht im Prinzip direkt zu den Gefühlen der Menschen. "Superheroes" ist auch eine Geschichte, die dir erzählt, wie Menschen durch gewisse Situationen durchmüssen. Es ist deine eigene Aufgabe oder Chance, das zu beobachten und dir einen eigenen Reim daraus zu bilden. Die Seele hinter unseren Songs ist die Tatsache, dass es so viele Menschen mit Problemen gibt. Wir treffen sie jeden Tag. Es ist schön, neben vielen unbedeutenden Songs im Radio auch was zu haben, was Menschen motiviert.

"Krone": Probleme gibt es mitunter auch in eurer irischen Heimat, wo die Wirtschaft ja noch immer keucht und schauft.
O'Donoghue: Exakt, ja. Es ist bei Weitem nicht mehr so schlimm wie es war, aber es gibt immer noch einen Massenexitus, eine beängstigend hohe Rate Menschen, die das Land verlassen. Wir haben auch einen Song namens "Paint The Town Green" auf dem Album. Der dreht sich mitunter um Iren, die von zu Hause entfernt leben. Eine The- Script- Show war immer wie die irische Botschaft. Egal wo wir spielen, es kommen immer alle dort lebenden Iren zu unseren Konzerten.
Power: Oft sieht es so aus, als ob wir in Irland spielen würden, weil du im Publikum so viele irische Fahnen und Flaggen siehst. (lacht)
O'Donoghue: Wir ziehen unseren Hut vor diesen Menschen, und darum haben wir auch diesen Song geschrieben. Mit dem Songtext sprechen wir diese Leute direkt an. Auch die Musik und die Melodie auf "Paint The Town Green", aber auch auf "Superheroes" ist sehr irisch angehaucht. Wir haben ungefähr vier Songs, die ziemlich irisch klingen. Das haben wir nie zuvor gemacht. Wir haben immer versucht, wettbewerbsfähig und aktuell zu schreiben, aber dieses Mal haben wir auch wirklich viel Lokalkolorit verpackt.

"Krone": Ursprünglich habt ihr mehr als 60 Songs für das neue Album verfasst. Woher kommt all diese Kreativität?
Sheehan: Es ist ein ständig fließender Prozess, weil wir einfach Songwriter sind. Wenn wir von dieser Menge an Songs reden, sind natürlich nicht alle gleich fertiggestellt. Wenn etwas scheiße klingt, wird die Idee schnell verworfen, klingt ein Song wirklich großartig, dann kommt er ohnehin aufs Album. Der Kreativprozess war dieses Mal so fortgeschritten, weil wir wirklich schauen wollten, wie weit wir kommen. Wir wollten verschiedene Stile ausprobieren, sie zusammenfügen und dann zu einem passenden Ganzen schärfen. Wir schreiben schon Songs, seit wir Kinder sind, für uns ist das im Prinzip eine ganz normale Angelegenheit. Für uns ist das Songschreiben in etwa so wie für ein Kind, wenn es mit seinen Spielsachen spielt. Nur dass wir dafür bezahlt werden. (lacht)

"Krone": Warum lasst ihr politische Themen in den Texten außen vor?
O'Donoghue: Die Leute sind immer die Armen. Wir sind natürlich mit der Politik der Regierung konfrontiert, aber dort passiert so viel Scheiße, die meist zulasten der Bürger geht. Es ist mir egal, welche Politik gemacht wird. Ich schere mich nicht um die Politik, solange Menschen dafür sterben müssen. Es geht uns immer um die Menschen. Sie sind die Opfer all der Entscheidungen aus der Politik. Wenn uns die Menschen finden, finden sie auch die richtigen Themen in unseren Texten und werden uns verstehen. Sie wissen, dass wir die Politik meiden.

"Krone": Glaubt ihr, ein wichtiger Grund für euren großen Erfolg war es, dass ihr die Menschen in "Hall Of Fame" so direkt angesprochen habt?
Sheehan: Auf jeden Fall, zum anderen ist jeder Song von uns eine eigene Art von Universum. Ich denke, die meisten Menschen mögen es, wenn man direkt zu ihnen spricht, aber sie mögen es nicht, wenn man predigt. Niemand will sich sagen lassen, was er zu tun hat. Wir geben den Menschen eine Stimme. Ich denke, der Erfolg von "Hall Of Fame" fußte darauf, dass wir diese unsichtbare Barriere durchbrochen und die Menschen erreicht haben. Wir haben ihnen etwas Positives mitgegeben. Wir haben ihnen gesagt, dass sie jemand sein und alles schaffen können. Du kannst aber nicht befehligen und ihnen sagen, was sie zu tun haben. Wir haben diesen Song auf der PGA- Golf- Tour gehört, bei Rugby- Spielen und NASCAR- Rennen. Der Song hat nicht nur den Sport an sich getroffen, sondern die Menschen direkt ins Herz. Das ist das Geheimnis.

"Krone": In euer Biografie steht, dass "Flares" als Lovesong konzipiert war, dann aber eine tragische Wendung bekam.
O'Donoghue: Nein, das stimmt nicht. Der Song war fertig und unser Produzent Ryan Tedder hat dann den Chorus abgeändert. Der Song handelte schlussendlich von meiner Mutter.

"Krone": Sie hatte schwere gesundheitliche Probleme.
O'Donoghue: Das ist richtig, ja. Der Song wurde einfach weiterentwickelt.

"Krone": Es ist sehr interessant, dass ihr tiefgründige Themen, wie zum Beispiel den Tod, erst behandelt habt, als ihr bereits den großen Durchbruch hattet. Warum eigentlich?
Sheehan: Wenn du selber viel mitgemacht hast, tragische Erlebnisse verarbeiten musstest, dann gibt es einfach keinen Ein- und Ausschaltknopf mehr. Die Wunde bleibt immer frisch. Jedes Mal wenn du an den Tod eines Elternteils denkst, bricht sie wieder auf. Ich habe beide Elternteile verloren, Danny seinen Vater und zuletzt fast noch seine Mutter. Wenn du solche Tragödien verarbeiten musst, denkst du einfach öfter an den Tod. Der Tod fühlt sich für mich so echt an, ich habe meinen Vater mit 14 verloren. Man muss das Thema nicht betrauern, aber es sollte darüber gesprochen werden. Wir kennen viele Leute, denen es ähnlich ergangen ist, und es gibt auf diesem verdammten Musikmarkt einfach keinen Künstler und keine Band, die sich mit genau diesem Thema befasst. Ein Song wie "If You Could See Me Now" war wirklich verdammt schwer für uns zu schreiben. Er dreht sich nicht nur mehr um uns und unseren schlimmen Erlebnisse, sondern geht alle etwas an, die Elternteile verloren haben. Wir können den Song in einem Set nicht einfach auslassen, weil die Menschen die Wunden geöffnet haben wollen, um sie vielleicht auch mit dem Song verarbeiten zu können. Über den Tod zu schreiben ist verdammt wichtig. Warum sollte man so ein Thema verschweigen?
O'Donoghue: Das gilt jetzt noch mehr als je zuvor. Wenn du den Fernseher aufdrehst, siehst du, wie jemand in Syrien oder im Irak getötet wird. Wie irgendwo eine Bombe hochgeht. Mittlerweile ist es im Kopf jedes Briten, dass man aufpassen muss, denn jeder einzelne könnte ein Terrorist sein, der dich attackiert.
Sheehan: Die Jugend von heute ist wirklich verängstigt. Die News- Kanäle und Medien helfen da auch nichts, denn die haben Programme, die sie füllen müssen. Und das machen sie eben mit diesen Themen. Das Ding ist, wenn wir einen Song wie "The Energy Never Dies" schreiben, soll er die Menschen für eine Sekunde daran erinnern, dass sie keine Angst haben müssen. Das ist der Job des Terroristen – er will, dass wir uns alle fürchten und voller Angst durch die Straßen gehen. Du kannst dann kein normales Leben mehr führen. Uns ist es einfach wichtig mitzuteilen, dass man sich nicht zu sehr verängstigen lassen soll.

"Krone": Im Vergleich zu eurem großen Hit- Album "#3" ist das neue wesentlich bombastischer, poppiger und auch opulenter. Wollt ihr unbedingt eine Stadion- Rockband werden?
O'Donoghue: Absolut, wer will das denn nicht?
Power: Es ist mehr ein großer Traum denn ein Ziel. Alle großen Bands haben dieses Ziel. Ich denke, wir können das - die Zeit ist gekommen. Wir müssen hart weiterarbeiten und dann wird es schon klicken. Wir sind zu 100 Prozent dahinter.
O'Donoghue: Am meisten stolz von allen Dingen in unserer Karriere bin ich darauf, dass wir niemals extrem exponiert waren, sondern unseren Weg immer nach unseren Vorstellungen weitergegangen sind. Wir haben mittlerweile vier Alben veröffentlicht, können aus vielen Alben wählen und uns auch stilistisch sehr frei bewegen. Wie bringen wir das alles jetzt auf das nächste Level? Wir füllen mittlerweile große Hallen rund um die Welt, meine Träume beginnen sich also schon zu erfüllen. Niemand kann uns erzählen, dass etwas nicht möglich wäre, denn es funktioniert ja gerade. Jetzt, in diesem Augenblick. Es ist Zeit für uns!

17.09.2014, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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