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03.12.2016 - 20:44

System Of A Down vs. Otto als furioses Nova- Rock- Finale

14.06.2011, 10:37
Mit zeitgleichen Auftritten von Otto und den Friesenjungs sowie System Of A Down auf den beiden Hauptbühnen ist das Nova-Rock-Festival 2011 in der Nacht auf Dienstag zu Ende gegangen. Doch von wegen Rausschmeißer: Die beiden Acts waren der absolute Höhepunkt des Festivals. Die Platzierung als Finale um Mitternacht war zwar für viele Besucher eigentlich verschenkt, dennoch blieb trotz der strapaziösen drei Tage ein großer Teil des Publikums, um den unterhaltsamen Schlussdarbietungen beizuwohnen.

Vor der "Red Stage" war der Zustrom zu System Of A Down so stark, dass ein zusätzliches Gelände auf einem Feld geöffnet und die Fans um das ursprüngliche Areal geleitet wurden. Die amerikanisch- armenische Band zeigte auf beeindruckende Weise, wie aktuell und hochpolitisch Metal sein kann. Ab der ersten Nummer "Prison Song" spielten sie sehr aggressiv und hart, aber zugleich technisch versiert und mit extrem schnellen Tempowechseln - das Markenzeichen der Gruppe mit sozialen Botschaften. Die Stimmung war am Siedepunkt.

System Of A Down sind nach einer Zeit der Trennung seit wenigen Wochen auf Reunion- Tournee. Die Performance in Nickelsdorf war trotz fehlender neuer Songs kein Abklatsch alter Zeiten. Lieder wie "Chop Suey!", "Kill Rock 'n' Roll" und "I- E-A- I-A- I-O" wirkten frisch, die Setlist beinhaltete Beiträge aus allen System- Epochen - bis zu "Toxicity" und "Sugar" zum krönenden Abschluss. Besser kann man harte Musik eigentlich nicht bringen.

Gelungenes Kontrastprogramm vom Friesenjungen

Die heimliche Hymne des Open Airs präsentierte Otto mit seinen Friesenjungs auf dem zweiten Hauptschauplatz ebenfalls um die Geisterstunde. Herr Waalkes intonierte Wolfgang Ambros' "Schifoan" und lieferte dazu die hochdeutsche Übersetzung, Tausende steuerten den Chor bei. Otto war zu Gerry Raffertys "Baker Street", gespielt vom ersten Saxofon des gesamten Festivals, nach Iron Maiden auf die Bühne gekommen. Gleich die erste Coverversion, Stings "An Englishman in New York" ("Ich bin ein kleiner Friesenjung' und wohne hinterm Deich") zog das Publikum auf seine Seite.

Naiv- witzige Fassungen von "Walk On The Wild Side" und "Wild Thing" sowie ein Medley aus deutschem Schlager ("Marmor, Stein und Eisen bricht") und Skihüttenhits ("Wahnsinn") sorgten für heitere Stimmung. Grandios, wie lässig Otto und seine Truppe mit einem Augenzwinkern durch die Rockgeschichte führten (herrlich wie Waalkes mit E- Gitarre Gary Moore interpretierte). Ebenso grandios, wie die Metaller da mitmachten.

Progressive Jungfrauen läuten Finale ein

Nicht wenige der 55.000 waren wegen Iron Maiden gekommen. Eigentlich imposant, da das Schlachtschiff des britischen Heavy Metal zwischendurch einen ordentlichen Karriere- Knick erleben musste. Aber mit der Rückkehr des zwischenzeitlich ausgestiegenen Sängers Bruce Dickinson kam der Erfolg zurück. Über die Jahre sind Iron Maiden zunehmend progressiver geworden, lange Songs mit vielen Tempo- Wechseln gab es in Nickelsdorf zu hören: "Satellite 15... The Final Frontier" vom aktuellen Album "The Final Frontier" macht den Anfang, es folgten die Mini- Epen "El Dorado" und später "When The Wild Wind Blows" (mit viel Pathos). Doch die Engländer brachten entgegen mancher Befürchtungen auch einige ihrer Klassiker mit.

"The Trooper", "Two Minutes To Midnight", "Iron Maiden" - mit Auftritt des Maskottchens Eddie - sowie "The Number Of The Beast" und "Hallowed Be Thy Name" führten zurück in die 80er. Ebenso wie das Acting der Musiker: Da wurden Gitarren über den Köpfen gespielt, beim Solieren die Beine gegrätscht und auf der Bühne mit futuristischen Aufbauten wurde wild herumgesprungen. Allerdings sind Maiden keine Nostalgiegruppe, das muss man der Band trotz Längen bei den aktuelleren Stücken und ständig wiederkehrender Selbstzitate anrechnen. Progression traf auf Konservatismus.

Lemmy kämpft mit allzu rauher Stimme

Der raue Klang von Motörhead am späteren Nachmittag war nicht nur auf den Stil des Trios zurückzuführen. Leider "bröselte" lange Zeit der Gesang aufgrund technischer Schwierigkeiten, Lemmy krächzte unfreiwillig noch mehr als sonst. Erst beim Klassiker "The Chase Is Better Than The Catch" lief es nach Plan. "We are Motörhead. And we play Rock 'n' Roll", raunte Lemmy, selbstverständlich mit Cowboyhut und ganz in Schwarz, und ließ dann mit Ausnahmedrummer Mikkey Dee und Gitarrist Phil Campbell Standards wie "Stay Clean" (das nahm sich wohl niemand im Publikum zu Herzen), "Iron Fist" (als Opener in einer furiosen Fassung) und den Metal- Party- Killer "Ace Of Spades" vom Stapel. Material vom aktuellen Album "The World Is Yours" fügte sich gut ein.

Im eher hart ausgerichteten Line- up des dreitägigen, erneut ausgelassen, aber friedlich abgelaufenen Open Airs gab es trotzdem die eine oder andere Alternative zu finden. Eingebettet zwischen der Post- Hardcore- Band Boysetsfire und den Rockern Alter Bridge (am Nova Rock gut in Form) brachten The Sounds das Publikum mit einer gelungenen Mischung aus elektronischen Elementen und Rock zum Tanzen. Wobei bei den Schweden Sängerin Maja Ivarsson, die optisch an die junge Blondie erinnert, eine ausgezeichnete Show ablieferte. Fein, dass ein Schuss New Wave und Synthie- Pop- Klänge von den Metal- Heads toleriert wurde.

"This is the weirdest fucking gig I've ever played"

Mit Verspätung waren die Landsleute von In Flames am Nachmittag auf die "Blue Stage" gegangen - und hatten dann ebenfalls mit technischen Problemen zu kämpfen. Die Band spielte fleißig, der Gitarrist malträtierte die Saiten und Sänger Anders Frieden schrie sich die Seele aus dem Leib. Allerdings konnte zwei Lieder lang die schwedische Deathmetal- Formation niemand hören. O- Ton des Frontmans: "This is the weirdest fucking gig I've ever played." Dann wollte Frieden noch die "Australier" sehen. Die "Austrians" freuten sich trotzdem über einen tollen, wenn auch wegen der Verzögerung verkürzten Gig.

Metalcore hatte die Devise am früheren Nachmittag auf der "Blue Stage" gelautet. Ein noch etwas verschlafenes Publikum wagte sich zu den Architects. Fürs Springen und Headbangen reichte die Motivation aber noch nicht. Eine überschaubare Gruppe rannte im Kreis, der Rest stand still da und lauschte den Songs der Briten. Ein ganz anderes Bild zeichnete sich bei Escape The Fate ab. Die zwar ebenso ermattete Fanschar erwartete eine solide Show mit eingängigen, massentauglichen Metal- Songs. Da wurde gehüpft und gesprungen, Hände wurden in die Höhe gerissen.

Bereits am Vormittag hatten zahlreiche Besucher ihre Sachen zusammengepackt. Karawanen in teils zerfetzten Outfits wanderten zu ihren Autos. Das zuerst massenhaft eingekaufte Bier wurde vielfach palettenweise wieder im Kofferraum verstaut.

14.06.2011, 10:37
AG/red
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