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03.12.2016 - 16:23
Foto: Warner Music

Slipknot: Abschluss und Neubeginn auf neuem Album

20.10.2014, 12:00
Mit ".5: The Gray Chapter" melden sich die Nu-Metal-Heroen Slipknot nach sechs langen Jahren wieder zurück und zeigen sich dabei so persönlich wie nie zuvor. Das Aufarbeiten der harten Vergangenheit und der optimistische Blick in die Zukunft sind die Grundpfeiler für 14 musikalische Kapitel, die zwischen rüder Härte und berührender Verletzlichkeit oszillieren.

Slipknot gelang zur Jahrtausendwende etwas Unglaubliches – Frontmann Corey Taylor und Co. schafften es mit ihrer aggressiven Ausrichtung des Nu Metal, tatsächlich noch eine neue Duftnote im Genre zu versprühen, in dem schon alles gesagt schien. Mit steigendem Erfolg und der zunehmenden Fokussierung des Sängers auf seine wesentlich softere Rock- Band Stone Sour wurde aber auch die Qualität der Slipknot- Alben schlechter. Der letzte Output, das 2008er Werk "All Hope Is Gone", fiel den Fans zu poppig aus. Damals dachte die Band noch nicht daran, dass der Albumtitel fast zur Realität werden würde.

Hoffnung geschöpft

Bassist und Gründungsmitglied Paul Gray, ein elementarer, von vielen aber zu wenig geschätzter Bestandteil der Band, wurde 2010 tot in einem Hotelzimmer aufgefunden. Drummer Joey Jordison, der nach außen hin wohl populärste Part Slipknots, ging oder wurde gegangen. Je nachdem, welcher Seite des boulevardesken Rosenkriegs zwischen Band und Ex- Mitglied man glaubt. Es bestand nur mehr wenig Hoffnung, aber das Erfolgskonglomerat gab sich nach sechs Jahren noch einmal rechtzeitig selbst die Sporen und begann Ende letzten Jahren mit dem Songwritingprozess.

Sänger Corey Taylor bekräftigte schon nach den ersten Proben, dass es sich beim neuen Album um eine Mischung aus der kühlen Aggressivität von "Iowa" (2001) und der entspannten Ausrichtung von "Vol. 3: (The Subliminial Verses)" (2004) handeln würde. Die Ambivalenz hinter den völlig neu designten Masken spürt man schon beim eröffnenden Intro "XIX". Hier bündelt sich eine über sechs Jahre aufgestaute Wut mit der Wehmut über die schmerzhaften Verluste, die Slipknot zumindest im Inneren fundamental verändert haben. Den alten Fans wird vor allem zu Beginn des Albums warm ums Herz. "Sarcastrophe" beinhaltet schnittige, seit mehr als einer Dekade nicht mehr gehörte Death- Metal- Riffs, und auch bei "AOV" wird kompromisslos ins Mett gehaut.

Zwischen hart und zart

Die Doublebass- und Blastbeat- Spuren des offiziell noch unbekannten neuen Drummers lassen Jordison zumindest nicht vermissen, Frontmann Corey Taylor kommt aber auch auf ".5: The Gray Chapter" nicht drumherum, seine Stone- Sour- Wurzeln feilzubieten. Ob er den Klargesang nun im radiotauglichen "Killpop", der wenig nachhaltigen Single "The Devil In I" oder "The One That Kills The Least" in den Vordergrund stellt, ist für das große Ganze einerlei – überall dort fehlt der Druck, der Slipknot zur Band- Geburtsstunde in himmelhohe Sphären vorstoßen ließ.

Andererseits ist die partiell angezogene Handbremse für den immensen Mainstream- Erfolg des Nonetts verantwortlich. Ohne Stone- Sour- Referenzen gäbe es mehr als eine Handvoll Platin- Auszeichnungen weniger im Band- Schrank zu bewundern.

Gegensätzlichkeit

Slipknot wandern stilistisch bewusst vielschichtig durch die eigene Vergangenheit, nur so ist es möglich, dass auf einer einzigen Platte das etwas redundante "The Negative One" mit dem fintenreichen "Lech" und das viehische "Custer" mit dem emotionalen "Goodbye" koalieren können. Viel wichtiger als der musikalisch bunte Karrierequerschnitt ist die bewusste Auseinandersetzung mit dem Verlust ihres Freundes Paul Gray, der nicht nur auf Albumtitel und – metaphorisch – Cover- Artwork verewigt wurde, sondern auch in den Texten Einzug hält.

Slipknot verarbeiten sämtliche Phasen der Trauer, und wie auch im echten Leben wechseln sich dabei Wut, Aggression, Optimismus, Verzweiflung und Resignation ab. Das kanalisiert die Band auch in ihrer Musik und wirkt dabei ehrlicher und nahbarer als je zuvor. Diese sympathische Aufarbeitung eigener Probleme und Unsicherheiten verwandelt Slipknot nach vielen Jahren wieder in ein gefährliches Monster im Metal- Kosmos, und das kann auch darüber hinwegtrösten, dass Frische, Aggression und Überraschungsmoment der Anfangszeiten nicht mehr vollständig transportiert werden. ".5: The Gray Chapter" ist Abschluss und Neubeginn in Personalunion. Die Grundreinigung einer lebenden Legende.

Headliner am Nova Rock

Slipknot gehen bereits ab Herbst auf ausgedehnte Europa- Tour und werden nächstes Jahr auch in Österreich landen. Sie gehören zu den Headlinern des Nova- Rock- Festivals. Karten für das Großereignis erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

20.10.2014, 12:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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