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28.04.2017 - 09:01

Sean Paul mit feurigen Rhythmen und fader Show

06.05.2014, 00:56
Mit seinem neuen Album "Full Frequency" im Gepäck feierte Jamaikas Dancehall-Legende Sean Paul am Montagabend den Auftakt zu seiner Mitteleuropa-Tour im durchwachsen besuchten Wiener Gasometer. Neben den alten Top-Hits und durchaus gelungenem neuen Material schlich sich leider so mancher Fehler in das inszenierte Programm.

Vor etwa zehn Jahren zählte Sean Paul zu den absoluten Größen im amerikanischen Musikbusiness. Mit "Get Busy" und "Like Glue" jagte er zum Karrierebeginn gleich zwei große internationale Single- Hits in den Orbit, sein zweites Studioalbum "Dutty Rock" wurde als bestes Reggae- Album sogar Grammy- geadelt. Mittlerweile ist er nach einem längeren Tief zwar wieder ziemlich gut im Geschäft, lockt aber nur etwa 1.500 Fans in den Wiener Gasometer und verärgert einen großen Teil davon auch noch, weil er 20 Minuten zu früh die Bühne betritt.

Sänger ohne Grenzen

Kein galanter Start in einen hitzigen Abend voll leichtfüßig- karibischer Dancehall- Hymnen. Eben gerade die geschickte Vermischung aus jamaikanischem Reggae, semi- jugendfreiem US- Hip- Hop und der prägnanten, am ehesten noch an Shaggy gemahnenden Stimme spülte den mittlerweile 41- Jährigen an die Spitze der US- und UK- Charts. Nicht schlecht für den Spross einer Sportlerfamilie, der sich in der Kindheit mit Mobbing ob seines multiethnischen Äußeren befassen musste.

In Wien funktioniert an diesem Tag aber bei weitem nicht alles. Dass der Auftritt im Gasometer quasi die Live- Generalprobe für eine mehrwöchige Deutschland- Tour ist und beim Auftakt nicht immer alles astrein funktioniert, ist die eine Seite. Dass die Instrumentalisten seiner insgesamt siebenköpfigen Band keineswegs bündig mit den elektronischen Laptop- Beats agieren und der Sound nur allzu oft nach akustischem Matsch klingt, die andere.

Rhythmuskiller

Dadurch verlieren knackige Dancehall- Songs wie "She Doesn't Mind" oder "Other Side Of Love" stark an Identität und Kraft – ein essenzieller Nachteil bei Sean- Paul- Nummern, die von ihrem Rhythmus und der Tanzbarkeit leben. Den Fans gefällt die bunte und knapp eineinhalbstündige Mischung aus großen Hits der Vergangenheit, interessanten Interpretationen aus dem durchschnittlichen Karrieremittelteil und brandneuen Songs trotzdem – das liegt auch an der Bewegungsfreude des Frontmannes, der, ganz Sunnyboy, mit frechem Irokesenschnitt, Sonnenbrille und feurigen Tanzbewegungen für erhitzte Stimmung sorgt.

"I'm Still In Love With You" oder ein paar freudig eingestreute Songsprengsel seines großen Idols Bob Marley vermögen noch immer zu zünden, den Qualitätsabfall seiner neuen Kompositionen im Direktvergleich zu den großen Hits kann Sean Paul aber nicht leugnen. Auch wenn sein klanglicher Sommerspritzer an Bikinis, Freibäder und Strände erinnert, fehlt es an den nötigen Showelementen, an einer adäquaten Bühne und – am allerwichtigsten – an Innovationsreichtum in den einzelnen Songs.

Keine Lust auf mehr

Die beiden Backgroundtänzerinnen gehören neben Pauls Stimme noch zu den Highlights des Abends – die relativ routiniert runtergespulte Show zeigt ihn bemüht, aber fern der Form, die er schon mal hatte. Dass der zehnminütige, von DJ- Beats verstärkte Zugabenteil auf der Bühne zudem völlig ohne den Top- Star auskommen muss, ist eine Farce. Vor zehn Jahren, da hätte es so etwas womöglich noch nicht gegeben. Vor zehn Jahren stand Sean Paul aber auch an der Spitze der grassierenden Dancehall- Bewegung. Zeit ist vergänglich.

06.05.2014, 00:56
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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