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01.12.2016 - 18:28
Foto: Universal Music

Scott Stapp: "Meine Tür für Creed steht offen"

17.02.2014, 08:00
Scott Stapp ging schon öfters durch die Hölle. Anzeigen wegen häuslicher Gewalt und öffentlicher Trunkenheit finden sich ebenso in seiner Vita wie ein Selbstmordversuch und eine Scheidung. Auf der anderen Seite zählte er mit Creed zu den erfolgreichsten Rockern der Jahrtausendwerte, verkaufte mehr als 50 Millionen Alben. Nun veröffentlicht der 40-Jährige sein Soloalbum "Proof Of Life" und gibt sich in allen Bereichen geläutert. Im "Krone"-Interview spricht Stapp über seine Liebe zu Jesus, wie er sich von seinen inneren Dämonen befreien konnte und weshalb er - trotz anderslautender Gerüchte - kein Problem mit einem neuen Creed-Album hätte.

"Krone": Scott, auf dein zweites Soloalbum haben die Fans gute acht Jahre warten müssen. Was bedeutet der Titel "Proof Of Life" für dich?
Scott Stapp: Ich verbinde damit mehrere Bedeutungen. Zum einen, dass Gott echt ist und ich herausgefunden habe, dass sehr viel Rock 'n' Roll in ihm steckt. Auf der anderen Seite hatte ich bekanntlich eine Phase im Leben, wo ich ziemlich am Boden, fast schon tot war. Die Leute haben mich total abgeschrieben. Es gab sogar das Gerücht, dass ich tot sei. Dieses Album ist also der Beweis für mich, dass ich am Leben bin und noch sehr viel Energie in meinen Knochen habe.

"Krone": Du bezeichnest dieses Album auch als dein ehrlichstes.
Stapp: Ich war früher bekannt dafür, in meinen Alben immer viel Platz für verschiedenste Interpretationen zu lassen. Das ist dieses Mal nicht der Fall – ich habe tatsächlich versucht, so ehrlich und offen wie nie zuvor zu sein. Ich wollte keine Fragen über mein Leben, meine Vergangenheit, meine Erfahrungen und meine Auffassung von Rock 'n' Roll im Raum stehen lassen. Wenn du ein Album wie dieses machst, dann kannst du dir keine Grenzen auferlegen. Es war das perfekte Album, um zu zeigen, woher ich komme, was ich alles durchgemacht habe und wie das alles meine Kunst inspiriert hat. Ich würde das Wort "ehrlich" vielleicht sogar gegen "streitlustig" tauschen. Ich gehe mit mir selbst hart ins Gericht und es geht um meine Selbstzerstörung und meine eigene Aufrichtung.

"Krone": Kann man "Proof Of Life" als eine Art Fortsetzung zu deinem Buch "Sinner's Creed" sehen?
Stapp: Definitiv. Als ich mit dem Schreiben des Buches begann, startete ich auch den Prozess der Selbstreflektion. Klar im Kopf zu sein war sehr wichtig, um diese Reise anzutreten. Das Album ist quasi der Soundtrack zum Buch und stellt das letzte Kapitel dar.

"Krone": Wie bist du aus dieser Hölle herausgekommen, die du jahrelang durchschritten hast?
Stapp: Durch die Liebe.

"Krone": Wie hat sich dein Leben in den letzten paar Jahren verändert?
Stapp: Das Wichtigste ist, dass ich wieder nüchtern und trocken bin – somit ist mir bewusst, was um mich herum alles geschieht.

"Krone": Auf dem neuen Album vermischt du Hard Rock mit Blues- und Grunge- Vibes. War es dein Ziel, den Fans zu zeigen, dass Scott Stapp mehr als nur den typischen Creed- Sound draufhat?
Stapp: Bei meinem Soloalbum sagte mir keiner, was ich machen soll und ich musste keine Kompromisse eingehen – in diesem Sinne entwickelte sich dieser Sound also ganz natürlich. Wenn du in einer Band bist und niemandem gefällt, was du da gerade fabrizierst, dann musst du es ändern. Dieses Problem hatte ich ja nicht. Ich war frei in allen Aspekten. Ich habe mich selbst nie in eine Kammer gesteckt und mir eingeredet, ich könnte nur Metal- basierten Hard Rock spielen. Den Weg zum Sound auf "Proof Of Life" habe ich durch meine künstlerische Freiheit erlangt.

"Krone": Lass uns über ein paar Songs reden. Ist "Who I Am" eine Erklärung, wer du wirklich bist?
Stapp: Das war der erste Song, den ich für das Album geschrieben habe, und er ist sehr stark von John Bunyans Buch "The Pilgrim's Progress" inspiriert. Das Buch schildert eine allegorische Reise ins Jenseits und ich habe den Song aus der Perspektive des Egos in dem Werk beschrieben. Im Prinzip kam der Song nach meinem Selbstmordversuch zustande. Ich habe mir damals überlegt, was ich mir dabei antue, und habe für den Song einen Charakter vorgeschoben. Dieser Charakter war quasi der Dämon, der mich zu all dem verleitete, die bösere innere Stimme, die mir immer im Weg stand. Ich war damals auch öfters unter Drogeneinfluss, aber es war der logischste Weg, um diesen Charakter zu beschreiben.

"Krone": Was beinhaltet der Song "Crash"? Er klingt wie eine Nahtoderfahrung.
Stapp: Ich war in meiner Karriere schon öfters an dem Punkt, wo ich mich fragte, ob man mich noch höher tragen, mich näher zu Gott bringen könnte. Um zu erfahren, ob Gott echt ist. Das begann nach der Phase, wo mich Alkohol und Drogen high gemacht haben. "Crash" ist einfach ein Song über die Reife, die ich erlangt habe. Ein Leben, bei dem es nur knallhart nach unten oder steil nach oben geht, ist kein erstrebenswertes. Ich möchte in der Mitte stehen. Der Text befasst sich damit aus philosophischer Sicht.

"Krone": Wie wichtig ist dir die Religion in deiner Musik?
Stapp: Du wirst jetzt überrascht sein, aber ich kann mit Religion nichts anfangen. Ich bin kein großer Fan davon, aber ich glaube an Jesus und wofür er steht, und das ist die Liebe. Eine kraftvolle, revolutionäre Liebe – eigentlich für alles, für das auch der Rock 'n' Roll steht. Als ich verstanden habe, was Jesus ist, gab mir das auch den entscheidenden Wandel im Leben. Diese Erkenntnis würde ich nicht als Religion bezeichnen – für mich zählt nur meine Interpretation von Jesus.

"Krone": Interessant finde ich den Song "Hit Me More", weil er mit einem ungewohnten Country- Vibe beginnt.
Stapp: Diesen Song schrieb ich über ein Drum- Loop ohne andere Instrumente. Das hat mich dazu inspiriert, diesen Text dazu zu verfassen. Am Anfang meiner Karriere hatte ich noch nicht das Wissen, dass ich aus einer derart reduzierten Ausdrucksform einen ganzen Song modifizieren kann. Wie ich schon sagte, musste ich früher auch auf die Bandmitglieder Rücksicht nehmen – bei "Proof Of Life" habe ich einfach die Musik fließen lassen und so wie ein Song am Ende geklungen hat, so passte er auch aufs Album. Den Country- Flair oder einen Hip- Hop- Teil habe ich nie geplant, das ist einfach aus der Kreativität entstanden.

"Krone": Worauf hast du deinen Fokus gerichtet, als du mit dem Schreiben des Albums begonnen hast?
Stapp: Anfangs habe ich bemerkt, dass ich als Songwriter seit dem Beginn meiner Karriere nicht wirklich gewachsen bin. Mit dem Material für dieses Album habe ich schon 2007 begonnen. Ursprünglich wäre "Lost And Love" ein guter Titel für das Werk gewesen. Das war damals die perfekte Umschreibung für meinen damaligen Stand als Mensch. Als ich dann aber am Creed- Album gearbeitet habe und andere Sachen machte, begann ich endlich zu lieben, was mein Leben fundamental verändert hat. Ich begann ein neues Leben und das Gefühl, tot zu sein, verschwand. Mit diesem Gedanken habe ich das Album gefertigt. Es ist einfach der Beweis meines Lebens und eine Aufarbeitung meiner Vergangenheit.

"Krone": Vor allem für einen Rockstar muss ein sicherer Rückhalt seitens der Familie sehr wichtig sein.
Stapp: Meine Familie ist absolut alles. Meine Frau und meine Kinder sind meine Welt. Das ist die wahre Realität und darum geht es.

"Krone": Ärgert es dich eigentlich, dass dich viele Menschen ausschließlich als den Sänger von Creed wahrnehmen?
Stapp: Nein, ich bin doch der Creed- Typ. Ich sehe das keinesfalls als negative Sache, sondern weiß, dass die Leute eben dort begonnen haben, mir auf meiner musikalischen Reise zu folgen. Creed ist ein Teil von mir und ich bin sehr stolz darauf. Ich spiele auf meinen Konzerten die Creed- Songs neben meinen Solonummern. Creed ist ein riesiger Teil meines Lebens und meiner Vergangenheit – es wäre ziemlich eigenartig, würde ich das ausklammern. Mit "Proof Of Life" bin ich aus meinem eigenen Gefängnis ausgebrochen, aber es wäre fahrlässig, würde ich mein Leben nicht in kompletter Form auf die Bühne bringen.

"Krone": Wird es in Zukunft wieder neues Creed- Material geben?
Stapp: Auf jeden Fall – meine Tür steht dafür immer offen.

"Krone": Der aktuelle Status sagt uns aber das Gegenteil. Vor wenigen Monaten klang das von Creed- Seite nach einer zweiten Bandauflösung.
Stapp: Jetzt geht es auch um "Proof Of Life" – schließlich hat mich die Reise hierher geführt. Ich würde auf jeden Fall wieder etwas mit Creed zu machen und bin physisch und psychisch bereit dafür. Aber es muss jeder in der Band die gleiche Ausgangsposition dafür haben. Für mich geht es längst nicht mehr ums Geld, sondern darum, möglichst authentisch und einfach ich selbst zu sein. Ich möchte mich auch mit Menschen umgeben, die gleich denken wie ich. Es geht um die Qualität, nicht um die Quantität.

"Krone": Du spielst im Frühling auch einige ausgewählte Europa- Konzerte, wobei es für deine Art von Musik hier nie so einfach war wie in den USA. Was erwartest du dir von den Shows?
Stapp: Wir haben in Europa mehr als 20 Millionen Creed- Alben verkauft und auch mein erstes Soloalbum hat sich ganz gut geschlagen. Ich bin einfach aufgeregt. Die Europäer warten schon seit 1999 auf einen Auftritt – ich war seitdem weder solo noch mit Creed hier. Die Shows in Deutschland oder England sind schon nach knapp einer Woche fast ausverkauft – ich freue mich einfach darauf.

"Krone": Na dann schaffst du es ja hoffentlich auch einmal nach Österreich. Mit Creed warst du letztmals 1999 beim Forestglade in Wiesen zu Gast.
Stapp: Das hoffe ich stark – in den nächsten paar Wochen sollten noch ein paar Tourdaten dazukommen. Glaube mir, dass ich bald in einer Stadt in deiner Nähe spielen werde – ich habe vor, mit dem neuen Album und den Creed- Klassikern die nächsten Jahre viel herumzukommen.

"Krone": Und vielleicht machst du ja auch wieder etwas Neues mit deinem ehemaligen Creed- Sidekick Mark Tremonti. Wer weiß?
Stapp: Wir werden sehen. Es gibt viele großartige Musiker, mit denen ich gerne arbeiten würde und auf meinem Soloalbum hörst du auch die tolle Chemie, die zwischen mir und meiner Band herrscht. Mark und ich haben diesen Chemie auch – die ging nie verloren. Er ist ein großartiger Künstler und wird mich immer inspirieren. Wir wissen beide, dass wir jederzeit wieder ein tolles Album schreiben können.

17.02.2014, 08:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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