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06.12.2016 - 23:13
Foto: Torsten Hilse

Scorpions: "Könnten ohne Ende weitermachen"

04.12.2013, 17:00
Eigentlich haben sich die deutschen Kultrocker Scorpions 2012 mit einer "Farewell"-Tour vom großen Musikzirkus verabschiedet. Doch sie können es einfach nicht lassen. "Ans Aufhören haben wir eigentlich eh nicht gedacht, das haben nur die Medien geschrieben. Wir wollten nur auf die Bremse treten und weniger Konzerte spielen", erklärt Gitarrist Matthias Jabs im "Krone"-Interview. Jetzt sind die Rock-Legenden auf die MTV-Unplugged-Schiene gerutscht.

"Krone": Am 12. und 13. September habt ihr in Athen zwei Akustik- Sets für die legendäre "MTV Unplugged"- Reihe gegeben. Wann wurde diese Idee geboren?
Matthias Jabs: Die erste Anfrage kam für uns überraschend Ende Jänner diesen Jahres. Wir hatten uns innerlich nicht unbedingt mit dem Karriereende, aber mit ruhigeren Zeit abgefunden. Das letzte Konzert der "Farewell"- Tour war am 17. Dezember 2012 in München und dann wollten wir es eigentlich ruhiger angehen. Das Angebot von MTV konnten wir aber natürlich nicht ausschlagen. Wir hatten so eine Anfrage bereits Mitte der 80er- Jahre, da waren wir aber auf Tour und sehr mit uns selbst beschäftigt.

Ende Februar bin ich dann nach Stockholm geflogen, um das Arrangement mit den schwedischen Produzenten abzusprechen, und kurz darauf haben wir die Songauswahl getroffen. Wir hatten 24 Songs im Gepäck und wollten einmal pro Monat für etwa eine Woche nach Stockholm, um jeweils acht Songs zu arrangieren. Klaus (Meine – Sänger) hat dann in Deutschland zu Hause den Gesang eingespielt. Mir wurde relativ schnell klar, dass man ein mehr als zweistündiges Set nicht mit zwei Akustikgitarren spielen kann. Ich hatte von vornherein vier Gitarristen eingeplant, bei zwei Songs waren es dann sogar sechs.

Der Vorteil bei unseren schwedischen Kollegen ist die Vielseitigkeit. Ich nenne sie immer "Schweizer Taschenmesser", weil der eine Violine spielt, der andere Mandoline und der dritte Akkordeon. Da macht sich deren intensives Musiktraining bemerkbar. Um es zu verkürzen – am Ende waren alles zusammen 18 Musiker und 56 Akustikgitarren auf der Bühne. Ich habe mir im Vorfeld viele Unplugged- Videos von anderen Rockbands angesehen, und nur wenige geben sich die Mühe, den Sound auf Akustikgitarren umzumünzen. Den Unterschied merkt man schon.

"Krone": Auf der CD "Acoustica" seid ihr 2001 schon einmal vom Gaspedal gegangen. Ist es für euch etwas Besonderes, auch einmal intimer zu spielen?
Jabs: Auf jeden Fall. Akustische Instrumente haben außerdem mehr Dynamik als elektrische und wenn man fein hinhört, kommt viel Ausdruck ans Tageslicht. Wir haben uns dieses Mal auch bewusst an schnellere Songs wie "Blackout" oder "Rock You Like A Hurricane" gewagt. Wir haben neue Songs und solche, die wir nie zuvor gespielt haben, drauf. Die zu spielen ist im Gegensatz zu den Klassikern einfacher, weil es eben keine Vergleiche gibt. Die Griechen, die uns schon seit dem Anfang unserer Karriere treu begleiten, haben sofort bei alten und neuen Nummern mitgesungen – das fand ich ganz toll. All die Arrangements sind so gemacht, dass du ein Ratespiel machen kannst. Das hab ich vor einigen Monaten noch mit unserem Bassisten und dem Schlagzeuger gemacht – eben erraten, welchen Song ich gerade spiele, bevor er erkennbar wird (lacht). Der Schlagzeuger hat mit einem Punkt Vorsprung gewonnen.

"Krone": Ein wichtiges Detail – ihr seid die erste Band gewesen, die jemals eine "MTV Unplugged"- Show unter freiem Himmel aufgenommen hat. Sorgte das zusätzlich für eine besondere Atmosphäre?
Jabs: Es war traumhaft. Das Amphitheater dort fasst 3.500 Sitzplätze und ist ganz schön groß. Ich bin bei den Proben mal dort raufgerannt und plötzlich stehst du auf dem Lycabettus- Berg, nachdem das Theater benannt ist, im Stadtkern von Athen, und siehst abends auf die beleuchtete Stadt runter. Wenn du Richtung Bühne siehst und weiter hinwegschaust, siehst du Akropolis und andere schöne und beleuchtete Monumente. Ich hätte fast schon lieber da oben gesessen als selber gespielt (lacht). Wir haben ja nur die Leute gesehen. Wir wussten zudem von vornherein, dass wir nicht so typisch MTV- mäßig in einem Club oder einem Flugzeughangar spielen wollen. Das ist der amerikanische Stil. Outdoor im September kann man ja sonst kaum wo machen. Athen war perfekt dafür – die Regenwahrscheinlichkeit zu dieser Jahreszeit ist gegen null und die Temperaturen liegen nach dem Sonnenuntergang bei angenehmen 27 Grad.

"Krone": Jetzt erschließt sich mir auch der Grund, warum ihr das nicht in eurer Heimatstadt Hannover gemacht habt.
Jabs: Hannover ist eher ein Grund, überhaupt auf Tour zu gehen.

"Krone": Bei dem Auftritt hattet ihr auch Gäste wie Johannes Strate von Revolverheld, Cäthe oder Morten Harket von a- ha. Nach welchen Kriterien habt ihr sie ausgewählt?
Jabs: Wir hatten da Hilfe von unserer Plattenfirma und MTV, die uns auch mit jüngeren Musikern verknüpften, um die Brücke zu ihrem Zielpublikum zu schlagen. Wir sind ja eigentlich viel zu alt dafür (lacht). Ein normaler Fan hätte sicher erwartet, dass bei uns Richie Sambora, Jon Bon Jovi oder Lemmy von Motörhead auftauchen, aber so war es dann eben nicht. Morten Harket haben wir schon letztes Jahr auf Russland- Tour getroffen und er hat gesagt, dass er liebend gerne einmal mit uns "Wind Of Change" singen wolle. Jetzt hat es eben gerade gepasst, er war begeistert und kam sofort vorbei, um zu proben. Die Hamburgerin Cäthe hat eine traumhafte Stimme und ist noch recht unbekannt – ich hoffe, wir können ihr hiermit helfen. Johannes und Revolverheld haben momentan ziemlich großen Erfolg und das war eben der Hinweis, die Kooperation für das Zielpublikum auszurichten.

"Krone": Im Zuge des Ganzen habt ihr für 2014 schon vier Deutschland- Unplugged- Shows fixiert. Habt ihr schon überlegt, das bei Erfolg auszuweiten und internationaler zu tragen?
Jabs: Wir wollen damit nicht unbedingt auf Welttour gehen, weil es ziemlich aufwendig ist, aber wie man sich vielleicht denken kann, sind schon viele Veranstalter nach Athen gekommen und haben sich unsere zwei Shows angesehen. Frankreich und Belgien haben schon konkretes Interesse angemeldet. Ich halte es schon für möglich, vor dem Sommer noch ein paar Shows zu spielen. Warum auch nicht? Wir müssen halt schauen, wie man das Indoor in großen Arenen macht. MTV will ja, dass Musiker und Publikum dabeisitzen, da gibt es gewisse Auflagen. Wenn wir dann Konzerte spielen, sind wir nicht mehr daran gebunden. Ob wir damit in die USA reisen, weiß ich nicht, aber ein paar mehr Konzerte könnte man sich auf jeden Fall überlegen.

"Krone": Konzerte sind ein interessantes Thema. Ihr habt ja schon vor Längerem euren schleichenden Rückzug angekündigt, macht aber weiter und weiter und habt auch schon Auftritte für 2014 fixiert.
Jabs: Das ist verrückt, da gebe ich dir recht. Uns ist unlängst klar geworden, dass wir noch viele Länder, in denen wir sehr populär sind, noch gar nicht bespielt haben. Unter anderem Spanien, England oder Italien – das fehlt uns noch alles. Vor Kurzem wurde ein Konzert in Madrid angekündigt und das war trotz schwer Wirtschaftskrise mit 10.000 Leuten an einem Tag ausverkauft. Wir haben letztes Jahr in Russland und den baltischen Staaten auch mit Orchester gespielt, das wollen die Leute auch gerne sehen. Das "Moment Of Glory"- Programm, das wir mit den Berliner Philharmonikern gemacht haben, ist total beliebt. Da melden sich jetzt schon die südamerikanischen Staaten. Mit unseren drei Programmen könnten wir also wirklich wie die Verrückten ohne Ende spielen (lacht). Wir müssen einfach nur schauen, dass wir den richtigen Mittelweg finden.

"Krone": Es muss euch großen Spaß machen, denn etwaige Rücktrittsgedanken habt ihr mittlerweile völlig ad acta gelegt oder?
Jabs: Wir haben nie so richtig an Rücktritt gedacht - das haben nur die Medien geschrieben. Wir wollten eigentlich nur auf die Bremse treten und etwas weniger Konzerte spielen. Für besondere Projekte waren wir immer offen, das haben wir auch so gesagt. Die "MTV Unplugged"- Geschichte ist jetzt genau so etwas. Es gibt ja auch keine Band, die das so macht wie wir. Eben noch eine Rock- Show in Finnland, davor in Russland mit dem Orchester und jetzt kommen die Akustik- Shows. In zehn Tagen drei verschiedene Sachen zu spielen, hält jung – auch im Kopf. Damit brechen wir jegliche Form von Routine auf.

"Krone": Das bedeutet wiederum, dass man euch zu eurem 50. Band- Geburtstag, der 2015 ist, schon noch sehen wird?
Jabs: Das habe ich mir letztens auch überlegt, ein Wahnsinn. Der Beginn ist bei uns nie so genau definiert worden, aber Rudolf Schenker hat 1965 begonnen und der Band den Namen Scorpions verpasst – insofern hast du vollkommen recht, es fehlt ja nur mehr ein gutes Jahr bis dorthin, und da sollten wir auf jeden Fall etwas Besonderes machen. Wenn ich persönlich dann 50 Jahre feiere, muss ich ja als Achtjähriger angefangen haben (lacht).

"Krone": Kommt ihr denn irgendwann auch mal wieder nach Österreich?
Jabs: Das will ich doch stark hoffen. Wir waren bei euch leider sehr selten und wenn ich mich nicht irre, war für den Herbst 2012 eine Show in der Wiener Stadthalle geplant. Die wurde von Seiten des Veranstalters abgesagt. Ich habe keine Ahnung, was der Grund war, aber ich hoffe schon, dass wir da wieder spielen können. Das letzte Mal waren wir bei minus zehn Grad in Ischgl. Das war letzten Winter, aber ich habe schon während der Show gedacht, dass ich so etwas nie wieder mache. Es war trotz Skiunterwäsche so kalt, dass ich das nicht wiederholen muss.

"Krone": Da würde sich eine sommerliche Freiluftshow geradewegs anbieten.
Jabs: So sehe ich das auch. Vielleicht können wir wirklich das Unplugged- Ding machen. Ich hoffe, dass die Geschichte erfolgreich ist, denn dann kommen meist auch die Angebote.

"Krone": In Deutschland wart ihr schon auch immer populär, aber nie so extrem wie in vielen anderen Ländern. Bist du deiner Heimat deshalb gram?
Jabs: Wir haben in Köln all unsere Platten in den späten 70er- und den ganzen 80er- Jahren aufgenommen. Die Musik hat uns in die Welt hinausgetragen und wir verkaufen die Kölner Arena mit 19.500 Leuten aus. Also können wir nicht sagen, dass wir hier nicht anerkannt werden. Es liegt auch an der deutschen Mentalität. Wenn wir in Rumänien oder Frankreich spielen, ist das wie ein nationales Ereignis. Die Leute stehen dort Kopf und sogar der Zimmerkellner zittert (lacht). Hier interessiert das überhaupt niemanden. Je südlicher es wird, umso euphorischer.

Mir macht das in Deutschland aber nichts aus. Ich muss mein Gesicht nicht jeden Tag im Fernsehen oder in der Zeitung sehen. Vielleicht wird bei uns intern von dem einen oder anderen Bandmitglied von Deutschland selbst zu viel erwartet. Da denkt so mancher, dass wir hier gefeiert werden müssten wie die Nationalheroen. Das macht man in anderen Ländern gerne. Der Amerikaner feiert seine Bands auch total ab. In Hannover spielt das überhaupt keine Rolle und ich sehe das auch als Vorteil. Ich kann einkaufen gehen, ohne belästigt zu werden – das ist doch sehr schön. Unsere Deutschland- Tourneen sind alle ausverkauft und wir verkaufen viele Platten. Was will man denn mehr? Es gibt hier einfach keine Beatles- Hysterie, wenn wir das Hotel verlassen. In anderen Ländern stehen Fans oft frierend vor der Tür – hier sehe ich noch nicht einmal einen Kofferträger vor dem Hotel (lacht).

"Krone": Platten sind ein gutes Stichwort. Wird es eine weitere Platte geben, die ihr gut verkaufen werdet?
Jabs: Wie sie sich verkauft, kann ich dir nicht vorhersagen, aber es wird noch eine geben (lacht). Wir haben sogar schon damit begonnen. Es ist kein neues Studioalbum, aber wir haben in einer Tournee- Pause Anfang 2012 angefangen, Outtakes und Material aus unserer goldenen Ära, zu "Blackout"- oder "Love At First Sting"- Zeiten, zu sortieren. Es gibt viele Sachen, die nicht fertig wurden oder die wir nie verwendet haben. Da haben wir schon die Basis fertig und werden vielleicht auch zwei bis drei neue Songs hinzufügen.

Das wäre eigentlich schon erledigt, wenn nicht die "MTV Unplugged"- Geschichte dazwischengekommen wäre. Ich denke jetzt mal, wir könnten dieses Album in etwa einem Jahr fertig haben. Je nachdem, wie das mit den Konzerten für das nächste Jahr aussieht. Diese Outtakes werden jedenfalls interessant – da sind Sachen dabei, die könnten wir heute gar nicht mehr so schreiben.

"Krone": Und danach bleibt ja noch immer Zeit für ein komplett neues Studioalbum.
Jabs: Das wäre dann wohl gleich nach dem 50- Jahre- Jubiläum (lacht).

"Krone": Was man so hört, würde euer Sänger Klaus gerne den Eröffnungssong bei der Fußball- WM 2014 in Brasilien singen. Ist das immer noch ein Thema?
Jabs: Wir sind darauf angesprochen worden, aber das ist mittlerweile eineinhalb Jahre her. Die Scorpions sind in Brasilien sehr populär und wir fanden die Idee natürlich klasse. Ich muss aber sagen, dass wir seither kaum was gehört haben. Die haben momentan allerhand anderes zu tun. Wir waren unlängst in Brasilien und da konnte man sich noch nicht vorstellen, dass sie demnächst eine WM haben werden. Wenn man sich die Hotels und die Infrastruktur in Belo Horizonte ansieht, bekommt man Zweifel. Da ist tatsächlich noch eine ganze Menge zu tun in der kurzen verbleibenden Zeit.

"Krone": Traust du dem deutschen Team die Weltmeisterschaft zu?
Jabs: Im Prinzip schon, aber ich habe unlängst ein Live- Spiel von Brasilien gesehen und würde tippen, dass sie bei ihrer Heim- WM gewinnen werden. Wenn die Gas geben, sind die unverschämt gut. Die Deutschen haben schon eine Chance, aber die üblichen anderen Verdächtigen wie Spanien, Italien oder Argentinien werden es ihnen nicht leicht machen.

Das "MTV Unplugged"- Konzert gibt es auf CD und DVD, MTV wiederholt es unter anderem am 10. Dezember um 22.50 Uhr. Weitere Termine gibt es auf VIVA. Am 6. Dezember ab 1.10 Uhr, am 18. Dezember ab 15.50 Uhr und am 20. Dezember ab 3.30 Uhr.

04.12.2013, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung/tro
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