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19.08.2017 - 15:35
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Red Hot Chili Peppers stürmen wieder die Charts

15.06.2016, 17:00

Ruhig war es in den letzten Jahren um die US- amerikanischen Funk- Rock- Legenden Red Hot Chili Peppers, doch nach einem gut besuchten Gig beim Nova Rock Festival sind Anthony Kiedis, Flea und Co. nun auch mit dem neuen Album "The Getaway" am Start. Was es damit auf sich, warum man bewusst neue Ufer betrat und wieso die Band so geschlossen wie nie zuvor ist, das hat uns Drummer Chad Smith im Interview verraten.

"Krone": Chad, schön, dass ihr wieder auf Tour seid und auch beim Nova Rock auf der Bühne gestanden habt. Wie läuft es bislang und ist Anthony Kiedis wieder fit? Er hatte ja massive Probleme nach einer Darmgrippe…
Chad Smith: Irgendwie verfolgt uns hier in Europa der Regen. Ich weiß, dass ihr das gewohnt seid, aber für uns könnte es ruhig etwas trockener sein. Aber wir lieben es, die Sommerfestivals in Europa zu spielen. Anthony hat ein paar Tage gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen, aber mittlerweile ist er wieder topfit. Er ist ein harter Knochen. (lacht)

"Krone": Fünf Jahre nach "I'm With You" erscheint dieser Tage euer neues Studioalbum "The Getaway". Was ist die Geschichte dahinter?
Smith: Anthony verfasst die Texte und ich bin mir nicht ganz sicher, was er exakt damit aussagen möchte. Generell denken wir aber, dass das Album eine nette Weiterentwicklung unseres Stils ist. Wir nehmen den nächsten Schritt nach vorne und haben uns selbst dabei herausgefordert. Brian Burton alias Danger Mouse hat unser Album produziert. Das ist das erste Mal seit 25 Jahren, wo wir nicht mit Rick Rubin zusammenarbeiteten. Es war für uns sehr aufregend, Musik aus einer anderen, völlig neuen Perspektive zu erschaffen. Danger Mouse war der Impulsgeber für die vielen Veränderungen und wir könnten nicht glücklicher darüber sein.

"Krone": Er hat den Sound jedenfalls gut geschliffen, sodass das Album sehr modern und zeitgemäß klingt. War es von Anfang an euer Plan, einmal bewusst nicht mit Rick Rubin zu arbeiten?
Smith: Nicht von Anfang an. Wir waren offen für alle Möglichkeiten und haben uns in unserer Karriere schon oft überlegt, ob wir nicht mit verschiedenen Produzenten arbeiten sollten. Wir schreiben die Songs zusammen und dann überlegen wir uns, wer die Arbeit in die Hand nehmen sollte. Wir haben uns viele Leute überlegt, sind aber immer wieder zu Rick zurückgekehrt, weil wir der Meinung waren, er könnte den Songs am besten helfen. Genau darauf kommt es bei einem Produzenten an. Irgendwann fiel auch der Name Danger Mouse. Er kam zu uns, wir verstanden uns und er hatte einige gute Ideen für unseren Sound. Am Wichtigsten war aber, dass er uns in sein Studio einlud, um dort ein paar Songs von vorne neu zu schreiben.

"Krone": Er hat euch also aus eurer gewohnten Komfortzone geholt?
Smith: Anfangs waren wir gar nicht davon begeistert, wir dachten uns sogar ehrlich: "Was fällt dem Typen eigentlich ein?" (lacht) Aber wir haben uns darauf eingelassen und es war die beste Entscheidung. Das Zusammenspiel funktionierte perfekt und gab "The Getaway" schlussendlich diesen besonderen Touch.

"Krone": Habt ihr die ersten Songs für das Album schon sehr früh geschrieben?
Smith: Wir tourten etwa drei Jahre durch die Welt und haben dann die letzten eineinhalb Jahre an Songs geschrieben. Die Zeitverzögerung entstand hauptsächlich deshalb, weil sich Flea den Arm brach und sechs Monate lang nicht Bass spielen konnte. Im Oktober 2015 haben wir uns schließlich ins Studio begeben, wo Danger Mouse etwa zwei Wochen Zeit für uns hatte, bevor er andere Projekte bearbeitete. Früher sind wir einfach ins Studio gegangen und haben alles aufgenommen. Der Vorteil an der jetzigen Arbeitsweise ist, dass wir uns das Eingespielte noch einmal durchhören und analysieren können. Anthony hatte auch mehr Zeit, Texte und Melodien zu finden.

"Krone": Was wolltet ihr auf "The Getaway" keinesfalls wiederholen? Welche Veränderungen waren für euch selbst am Wichtigsten?
Smith: Um die Spannung aufrecht zu erhalten versuchst du immer neue Wege zu finden, um gute Songs zu schreiben. Die Inspirationsquellen waren bei uns schon immer sehr breit gefächert. Das können unsere Familien sein, Filme die wir sehen oder Dinge, die im Alltag so passieren. Das war immer gleich und ist noch heute unverändert. Wichtig ist es einfach, sich selbst nicht zu wiederholen. Wir haben mittlerweile viele Alben gemacht und einen ziemlich auf uns zugeschnittenen Sound. Wenn Anthony seinen Mund öffnet weißt du nach einer Sekunde, dass du die Chili Peppers hörst. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir so viel experimentieren können und trotzdem immer nach uns klingen. Es gibt keine Limits - schnell, langsam, laut, leise, elektronisch oder auch nicht elektronisch. Es ist alles möglich. Der Song ist am Wichtigsten.

"Krone": Fällt es euch heute manchmal schwer, euch zum Songschreiben zu motivieren? Nach so vielen Erfolgen habt ihr im Prinzip so gut wie alles im Musikgeschäft erreicht. Wo bleibt da noch ein Anreiz?
Smith: Das sehe ich anders, hungrig sind wir immer. Heute ist heute und morgen schaut wieder ganz anders aus. Man hofft immer, dass man etwas zu sagen hat, das noch niemand zuvor sagte, darum geht es uns. Jeder in der Band hat einen anderen Musikgeschmack als der andere, aber wir alle haben eine ähnliche Idee, was für die Band am besten ist. Es geht darum, dass wir mit dem Resultat glücklich sind, dass man die Songs mitsingen und dazu tanzen kann. Wir haben zum Beispiel einen Chor auf dem Album und manchmal gehen Ideen auch in die Binsen, aber das ist ein Teil der Arbeit. (lacht) Es muss immer Kompromisse geben, ob man das mag oder nicht. Ansonsten brauchst du in keiner Band spielen. Wir kennen uns aber ziemlich gut und machen das schon sehr lange. Vielleicht war das auch der Grund, warum wir uns dieses Mal einen Produzenten von außen suchten.

"Krone": Um aus der Blase, in der ihr euch befindet, auszubrechen zu können.
Smith: Exakt. Wenn du Songs schreibst, bist du emotional so stark mit ihnen verknüpft, dass eine möglichst objektive Meinung von außen eigentlich unumgänglich ist. Manchmal denkst du, du hast gerade den besten Song deines Lebens geschrieben und jemand von außen sagt dir: "Ist ganz okay". Da bricht dann eine Welt für dich zusammen. (lacht) Danger Mouse sagte uns auch einmal: "Das klingt ein bisschen wie nach der ,Californication' und ist gut, aber macht doch was anderes." Das waren wir nicht gewohnt und das tat uns gut. Du musst ein Vertrauen zu deinem Kollegen haben, ihm aber nicht immer zustimmen. Danger Mouse hat sich dieses Vertrauen verdient, er war immer sehr ehrlich zu uns. Er fand zum Beispiel oft einen Vers sehr gut, den Refrain aber ausbaufähig. Das hat schon einige Diskussionen verschlungen, bis wir uns dann auch an die Tipps gehalten haben. Er hatte einfach die Eier, uns die Meinung zu sagen.

"Krone": Würdest du sagen, dass es für eine Person außerhalb eures Bandkosmos schwierig ist, eure Egos zu durchbrechen?
Smith: Ich kann schon zugeben, dass es sicher nicht immer so leicht mit einer Band zu arbeiten ist, die eine ähnliche Historie hat wie wir. Im Prinzip machen wir, was wir für richtig halten und lassen ungern jemanden in diesen Kosmos einbrechen. Du musst als Produzent also schon sehr sicher in deiner Meinung sein, um auch Kritik zu üben und etwas Besseres einzufordern. Genau das macht einen guten Produzenten aus und auch Rick Rubin hatte das drauf. Für dich als Künstler kann das durchaus nervig sein, aber am Ende des Tages haben alle das gleiche Ziel - das möglichst beste Album zu veröffentlichen. Du willst etwas Einzigartiges erschaffen, das möglichst jeder liebt und so etwas in zwei Wochen zu erschaffen ist nicht einfach. Speziell bei der Arbeit mit Danger Mouse haben wir uns einfach viel mehr Zeit im Kreativ- und Nachdenkprozess gelassen, die Instrumente in aller Ruhe nacheinander eingespielt. Das kostet zwar viel Zeit, bringt dir in dieser Zeit aber auch viele interessante Ideen, die du in der Eile vielleicht übersehen würdest. Wenn du zusammen mit allen im Studio bist, dann ist der gemeinschaftliche Vibe da und das eigene Ego, das dein Part der Beste sein muss, wird heruntergeschraubt. Wir haben das zuvor nie so richtig gemacht, aber es tat uns und dem Album unheimlich gut.

"Krone": Nach so vielen gemeinsamen Jahren unter euch in der Band - seid ihr reifer und ruhiger geworden? Ist es heute einfacher für euch, Kompromisse zu finden und Dinge in Ruhe abzuklären?
Smith: Das ist schwer zu beantworten. (lacht) Ich weiß nicht ob das Finden von Kompromissen wirklich so viel einfacher ist, nachdem wir uns und unsere diversen musikalischen Geschmäcker ziemlich gut kennen. Wenn du dir bei etwas sicher bist, dann willst du es durchboxen. Wenn die anderen diese Idee aber scheiße finden, dann kann das natürlich sehr enttäuschend sein. (lacht) Aber so läuft das und die Band gehört nicht mir, Anthony, Flea oder Josh. Demokratie ist bei uns wichtig, am Ende muss jeder mit allen Entscheidungen happy sein, sonst verwerfen wir den Plan.

"Krone": Aber bei allen Entscheidungen muss es irgendwann immer jemanden geben, der das letzte Wort hat, der Boss ist. Wer ist das schlussendlich?
Smith: Daran denken wir gar nicht. (lacht) Es beginnt schon damit, dass bei uns nicht einer alle Songs schreibt. Einer hat eine Idee und der nächste baut sich ein - es ist also von Anfang an Teamarbeit und deshalb fallen die Egotrips von vornherein weg. Jeder Input ist wichtig und wir alle sind dazu ermutigt, unsere Ideen vorzuspielen. Als Drummer spiele ich zum Beispiel kein melodisches Instrument, bin aber stark im Songwriting- Prozess verankert, was nicht bei allen Bands so ist. Es gibt aber keinen wirklichen Leader in unserer Band - nur so können wir so klingen, wie wir klingen.

"Krone": Wie geht es bei euch nun weiter?
Smith: Nach den Festivalshows in Europa kommen wir im Herbst auf Hallentour hierher zurück. Wir sind wirklich dankbar dafür, dass die Leute uns so supporten und schätzen und freuen uns unheimlich auf jede einzelne Show. Wir werden die Buden jedenfalls rocken, darauf könnt ihr Gift nehmen!

15.06.2016, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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