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22.02.2017 - 17:44
Foto: Stephanie Korzonek

Philip Scheiner grantelt und raunzt durch Wien

11.01.2013, 16:34
Zwischen Granteln und Raunzen fühlt sich nicht nur der Wiener aus dem Klischeebuch wohl - Singer/Songwriter Philip Scheiner wählte für sein Debütalbum "de waund" einen Roman als Unterlage für seine urösterreichische Themengebung. Vorgetragen im Wiener Dialekt.

Der Grant sei des Wieners liebster Gemütszustand, munkelt man nicht nur in den umliegenden österreichischen Bundesländern, sondern längst auch in der pulsierenden und oft doch so altbackenen Hauptstadt selbst. Nichts passt zudem so gut zu Wien und seinen Bewohnern wie das traditionelle Wienerlied. Gemütlich und humoristisch, aber auch satirisch und bisweilen sympathisch grantelnd. Und obwohl es nach dem Anschluss Österreichs 1938 verboten wurde, lag es in der Kraft der Sache, dass Künstler wie Ernst Molden, Roland Neuwirth oder Walther Soyka im Laufe der letzten Jahrzehnte für eine längst fällige Wiedergeburt sorgten.

Antipathie gegen Mozart

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das Wiener Multitalent Philip Scheiner, das mit seinem Debütalbum "de waund" eine Großpackung an Wiener Lokalkolorit vertont hat. Bereits das Einstiegslied "mozad" beißt mit Textzeilen wie "i hoss den mozad, i bin fuachtboa noo draun, a bombm zum kaufm, und noch soezbuag zum fooan" jeden Patrioten und Heimatliebhaber mit Freude ins Wadl. Was wie eine Landesabrechnung im traditionellen Wiener Dialekt klingt, ist im Endeffekt aber nur eine schärfer formulierte Standortbestimmung, eine Kritik, die in den meisten Liedern mehr dem Besungenen selbst als dessen Heimat zu gelten scheint.

Die lyrischen Themen hanteln sich dabei durch verschiedene Alltagsgebiete, so propagiert Scheiner seine Liebe zum Landleben ("i gee ned miid"), erzählt über das schwierige Leben eines einfachen Hacklers ("braunschdaa"), besingt in verschiedenen Facetten das ewige Thema Liebe ("fia de feegl", "bliaatn und bliian", "ii wüü") und lässt urtypisch Wienerisches in das Album einfließen ("grantscheam"). Der Wiener Dialekt ist aber nicht der einzige rote Faden auf dem ruhig dosierten Singer/Songwriter- Album. Inhaltlich bezieht sich Scheiner auf Marlen Haushofers Roman "Die Wand", sodass man die breiten Themenfelder Isolation und Naturverbundenheit als Leitpunkte des Gesamtwerks erkennen kann.

Wien in Herz und Hirn

Musikalisch bewegt sich Scheiner in akustisch- ruhigen Gewässern und verschafft den durchaus offensiven Texten damit einen beruhigenden Kontrapunkt. Mit Mitstreitern wie Gerald Votava (Bass, Schlagzeug, Aufnahme, Mischung), Karl Ritter (Gitarre) oder Christine Ransmayr (Cello) konnte der 35- Jährige auch eine profund aufspielende Mannschaft gestandener Musiker um sich scharen, die das elegische Songmaterial zusätzlich verfeinert. Zwischen ruhigem Pop, etwas Country und viel gefühlten Blues mäandernd, stellt sich Scheiner mit "de waund" als eigenständiger Musiker vor, der Wien und seinen Dialekt nicht nur im Hirn, sondern vor allem im Herz lagert. Man könnte sein Erstwerk auch als vertonte Poesie für die urbane Mittelschicht bezeichnen - und das verwandelt seine Songs dann doch wieder in sinngemäß korrekte Wienerlieder.

11.01.2013, 16:34
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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