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05.12.2016 - 07:10
Foto: Warner Music, Press Picture

Panic! At The Disco auf den Spuren des Hedonismus

19.01.2016, 00:44

Die fetten Jahre sind vorbei, doch Panic! At The Disco gehören vor allem in den USA noch immer zu den angesagtesten Alternative- Pop- Bands der Gegenwart. Mastermind Brendon Urie ist mittlerweile Alleinunterhalter und feiert auf dem fünften Studioalbum "Death Of A Bachelor" das mondäne Leben in der dekadenten Weltmetropole Los Angeles. Ein mutiges Konzept, das leider nicht hält, was es verspricht.

Das Leben im blinkenden Los Angeles kann schon ganz besonders glamourös sein – vor allem, wenn man mit 28 noch im besten Partyalter ist und eigentlich aus einer Mormonenfamilie in Utah stammt. Brendon Urie, Mastermind und mittlerweile einzig verbliebenes Mitglied der einstigen Mehrpersonen- Band Panic! At The Disco, erklärtee dazu auch bereitwillig: "Ich habe das Album in meinem Haus geschrieben, wo ich mit meiner Frau Sarah lebe und es reflektiert im Prinzip den Lebensstil, den ich während des Songwritingprozesses führte und der sich so stark von mir als Persönlichkeit unterscheidet."

Mission Crooner: gescheitert

"Death Of A Bachelor" ist vertonter Hedonismus, der sich weder bei der Instrumentierung, noch beim Vorhaben in großer Bescheidenheit übt. Als Mischung aus den legendären Queen und Uries ewigem Lieblingskünstler Frank Sinatra bezeichnete der Sänger selbst sein Album durchaus vollmundig – es war natürlich zu erwarten, dass der Vergleich im Ergebnis mehr als hinkt. Im Titeltrack und beim abschließenden "Impossible Year" versucht Urie den galanten Crooner heraushängen zu lassen, scheitert damit aber nicht nur an der Intonation, sondern auch an der nötigen Glaubwürdigkeit.

Panic! At The Disco haben die Experimentierwut (wer erinnert sich noch an das 60s- Rock- Werk "Pretty. Odd." aus 2008?) aber hintangestellt und sich auf die bekannten Stärken verlassen. Flüssig durchlaufender Alternative Punk trifft auf Emo- Pop und partiell eingestreute US- College- Rock- Zitate. Auch wenn Urie mit akribischer Verbissenheit dem überirdischen Erbe seiner Heroen nachjagt, klingt "Death Of A Bachelor" gemeinhin doch eher wieder wie eine Mischung aus Fall Out Boy, Billy Talent und der kommerziellen Phase von Green Day. Auf dem durchaus flotten Opener "Victorious" etwa hätte Urie wohl gerne einen Freddie- Mercury- Moment gehabt, scheitert dabei aber schon in den ersten Strophen glorreich

Lebensgefühl Dekadenz

Den auf den früheren Alben gewohnt gewordenen Barock- Pop hat Urie eingemottet, dafür lässt er in Songs wie "Don't Threaten Me With A Good Time" ("Champaigne, cocaine, gasoline / and most things in between / I roam the city in a shopping cart / a pack of camels and a smoke alarm") oder "La Devotee" ("The black magic Of Mulholland Drive / swimming pools under desert skies / drinking white wine in the blushing light / just another LA devotee") nicht nur das Westküsten- Lebensgefühl, sondern auch eine kräftige Wagenladung Dekadenz mitschwingen. Gerade in diesen Momenten gelingen die Arrangements und auch Urie's Gesangsleistungen am besten, was mitunter auch daran liegt, dass er sich nicht verkrampft in ein fremdes Korsett zu zwängen versucht.

Ebenfalls genial gelungen sind die Gospel- Parts im Ohrwurm "Hallelujah", die vor allem live für aufregende Momente sorgen werden. In der zweiten Albumhälfte kommen Panic! At The Disco dann aber leider aus der Spur und können das durchaus adäquate Qualitätslevel nicht mehr halten. "Death Of A Bachelor" scheitert nicht am Willen und der Motivation des Interpreten, sondern an der dürftigen Umsetzung. Urie hat sich für das Konzept des Albums zu viel vorgenommen und schafft es nicht, den Hörer mit Gänsehautatmosphäre zu fesseln. Dafür plätschern die meisten Nummern zu beliebig und unausgegoren aus den Boxen. Zum chilligen "Feel Good"- Album schafft es "Death Of A Bachelor" locker, doch auch Star- Produzent Jake Sinclair (u.a. Taylor Swift) kann nicht verhindern, dass Urie sich mit seiner hochtrabenden Lebensrückschau ein klein wenig verkalkuliert hat. Vielleicht sollte er künftig doch wieder auf ein Bandgefüge setzen...

19.01.2016, 00:44
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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